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Mönchengladbach: Das Unbehagen des Fußballers beim Lernen

Mönchengladbach : Das Unbehagen des Fußballers beim Lernen

In schwierigen Zeiten sind einfache Erklärungen verlockend. Nicht anders im Fußball. Zumal gerade dort sich viele Rattenfänger tummeln und ihre Patentlösungen feilbieten. Also ist Jupp Heynckes ein schlechter Trainer. Seine Gegner bringen es auf den (Tabellen-) Punkt: Vorgänger Horst Köppel hatte zum vergleichbaren Zeitpunkt mehr Zähler auf dem Konto.

Auch das Sezieren der Innereien bringt keinen positiven Befund: Vom ebenso attraktiven wie erfolgreichen Fußball, den der Mönchengladbacher Trainer bei Amtsantritt versprochen hat, ist wenig zu sehen. Nach 17 Bundesliga-Spieltagen und dem Aus im Pokal gegen einen Regionalligisten bleibt nur die sarkastische Interpretation: Die womöglich hoffnungsweckenden Ansätze - Handschrift des Trainers inklusive - entgingen dem Betrachter, weil sein Blick ob der Darbietungen von Tränen getrübt war.

Schiffbruch

Soweit die Oberfläche. Da drunter aber verbirgt sich womöglich ein Problem, das kein Neues ist. Blick zurück in eine von Trainer -Wechsel geprägte Vergangenheit mit erstaunlichen Parallelen. Auch Dick Advocaat erlitt vor zwei Jahren Schiffbruch beim Versuch, den Traditionsklub zurück in internationales Fahrwasser zu bugsieren. Der Holländer besitzt wie Heynckes einen Namen innerhalb der Fußballszene, einen hohen Anspruch an seine Spieler in puncto Trainingsarbeit und Disziplin.

Noch heute schwärmen Insider bei der Borussia über seine professionelle Einstellung und sein Training. Wie Heynckes arbeitete der Niederländer akribisch, unterbrach, wies die Spieler auf Fehler hin und verbesserte sie. Der Fußball-Profi als Lern-Beruf: Damit hatten und haben viele Kicker ein Problem. Die Hinweise und Tipps zu ihrem Entwicklungspotenzial führen zu einer Verunsicherung der Möchte-nicht-gern-Auszubildenden. Besonders gefährlich in Verletzungs- und Umbruchzeiten, die das Psycho-Problem unter Advocaat und Heynckes potenzierte.

Hoher Lerndruck

Hoher Erwartungs- und Lerndruck: Da bekanntlich auch Fußballer nur und manchmal vor allem Menschen sind, gibt es auch das Köppel-Phänomen. Im Training weitgehend unbehelligt und ohne großen Druck lässt es sich unter dem vermeintlichen „Gut-Menschen” locker und angenehm leben - und manchmal auch Fußball spielen. Oder gar punkten. Eigentlich ohne oder gar trotz des Trainers. Eine Zeit lang zumindest, wie die letzte Saison lehrte. Bis das Glückseligkeits-Gefüge beim ersten kleinen Problem auseinanderbricht.

Diese Labilität erzwingt aber auch die Frage nach der Zusammenstellung der Mannschaft, vor allem in charakterlicher Hinsicht. Hans Meyer pflegte einst von seinen Charakter-Spielern Arie van Lent, Max Eberl und Steffen Korell zu sprechen. Alles keine Über-Fußballer, aber alle mit dem Stoff versehen, der aus elf Profis eine Mannschaft machen kann - mit Herz. Derzeit ist der Kader gespickt mit individuell besseren Fußballern wie Sonck, Sverkos, Neuville oder Thijs, die zwar auf unterschiedlicher Ebene, aber alle eher Problemfälle sind. Nicht einfach, dies durch drei neue Spieler mit menschlichen wie sportlichen Werten ausgerechnet in der Winterpause zu kompensieren.

Advocaat und Heynckes: Auch Namen können Spieler erschlagen, wie gerade der 1. FC Köln mit Heilsbringer Christoph Daum erleben muss. Das pädagogische Gegensteuern und die Zurücknahme der eigenen Ansprüche wird die Aufgabe von Jupp Heynckes sein. Die Bundesliga als Lern-Anstalt - auch für den ehemaligen Trainer von Real Madrid. Detail genau stellte er seine Mannschaft bisher auf jeden Gegner ein. Auch in Sachen Aufstellung und verstieß damit gegen das Primat des Eingespieltseins. Das ist bei Großklubs möglich und angebracht. In Mönchengladbach aber ist nach wie vor weniger (wechseln) oft mehr.