Köln: Das System Solbakken greift nur langsam

Köln: Das System Solbakken greift nur langsam

Zehn Jahre ist es her, dass die Profikarriere des Mittelfeldspielers Stale Solbakken schlagartig endete: Der heute 43-Jährige brach aufgrund eines nicht entdeckten Herzfehlers beim Training zusammen, musste wiederbelebt werden. „Es gibt Wichtigeres als Fußball”, hat der Norweger damals seine Lehren gezogen.

Sicher nicht die schlechteste Erkenntnis, wenn man Trainer beim 1. FC Köln ist. „Passt das System Solbakken zum FC?”, fragten die Kritiker schon vor der ersten Trainingseinheit, in Umfragen vor Saisonbeginn wurde der Erfolgscoach des FC Kopenhagen - vier Meisterschaften und vier internationale Teilnahmen in fünf Jahren - als heißester Kandidat für den ersten Rauswurf gehandelt.

„Ich hatte nur 15, 16 Spieler in der Vorbereitung”, erinnert Solbakken an die Anfänge. „Von den drei Innenverteidigern, mit denen ich gearbeitet habe, stand dann kein einziger zur Verfügung. Ich muss dann mit drei, vier Spielern arbeiten, die mein System noch nicht so gut verinnerlicht hatten.” Youssef Mohamad war kurzfristig dem Ruf des Geldes in die Wüste gefolgt, Ammar Jemal kam übergewichtig, Henrique Sereno musste sich an das hohe Tempo in der Bundesliga gewöhnen. Ein ruckelfreier Start sieht sicher anders aus, vier Punkte nach fünf Spieltagen waren das Resultat.

„Es fehlte an Stabilität”

Die Mannschaft brauchte unerwartet lange, um den taktischen Ansatz Solbakkens - von den Fans liebevoll „Zermürbungs-Pressing-Kontertaktik-Schiebe-System” genannt - umzusetzen. „Es war schwer, die Änderungen zu vermitteln”, räumt der 43-Jährige ein. „Es ist eine andere Spielkultur, und es ging darum, nicht nur auf sich sesbst zu schauen, sondern auch auf seinen Nachbarn.”

Weitere Probleme ließen auch nicht lange auf sich warten: Überragende Partien (Leverkusen, Hoffenheim) wechselten sich mit absoluten Grottenkicks (Schalke, Hertha, Gladbach) ab. „Wir hatten zu Beginn sowohl Ergebnis- als auch Leistungsprobleme”, bewertet Solbakken den Start seiner Mannschaft. „Es fehlte an Stabilität. Wir haben gute Spiele abgeliefert, dann mussten wir mit mehreren Verletzungen klarkommen.” Kapitän Pedro Geromel fiel ebenso zweifach aus wie Jemal, Torjäger Milivoje Novakovic konnte nach zweimonatiger Verletzung erst zum Ende der Hinrunde wieder ins Training einsteigen. „Angesichts der Tatsache, dass einige Schlüsselspieler ausgefallen sind, bin ich mit den 21 Punkten aus der Hinrunde ganz zufrieden”, zieht Solbakken sein Fazit. „Aber Ziel ist und bleibt der Klassenerhalt.”

Sicher eine realistische Einschätzung für diese Übergangssaison, die allerdings kein großer Anreiz für Lukas Podolski, der mehr als die Hälfte aller Kölner Treffer erzielte, sein dürfte, am Geißbockheim über 2013 hinaus zu verlängern. Ohnehin läuft dann fast die Hälfte aller Spielerverträge genauso aus wie die von Sportdirektor Volker Finke und auch des Trainers. Angesichts des Schuldenberges, den der FC vor sich herschiebt (geschätzte 25 bis 30 Millionen Euro), dürfte Finke seine liebe Not haben, kurzfristige Verstärkungen anzulocken. Der schwedische U 19-Stürmer Mikael Ishak, der bereits einen Vertrag unterzeichnet hat und zum Trainingsauftakt am 3. Januar am Geißbockheim erscheinen wird, kann sicher nicht die alleinige Lösung für das Kölner Offensivproblem sein. Die Verpflichtung eines gestandenen Innenverteidigers könnte an den Finanzen scheitern.

Verhältnis abgekühlt

Ohnehin ist das Verhältnis zwischen Sportdirektor und Trainer im Verlauf der Hinrunde merklich abgekühlt. Die anfängliche Begeisterung füreinander ist einem „professionellen Umgang” gewichen, wie Solbakken sagt. Der Norweger muss mit einem nicht-austarierten Kader arbeiten, auf dessen Zusammenstellung er keinen Einfluss hatte, sein Vorgesetzter vermisst das ballorientierte, moderne Spielsystem. „Es geht in die richtige Richtung”, sagt der 43-Jährige dennoch. Denn trotz aller Probleme bleibt die beste FC-Hinrunde in der Bundesliga seit zehn Jahren.