1. Sport
  2. Fußball
  3. Bundesliga

Mönchengladbach: „Da fing das Kribbeln wieder an”

Mönchengladbach : „Da fing das Kribbeln wieder an”

Ein ehemaliger Mönchengladbacher Profi zu sein, ist keine Erfolgsgarantie für einen Trainer der Borussia.

Aus der jüngeren Zeit sowieso nicht, aus der großen gloriosen Ära von Hennes Weisweiler aber auch nicht, wie jüngst das Los von Horst Köppel bewies, dem die Klub-Oberen nicht mehr zutrauten, die Mannschaft weiterzuentwickeln.

Auch Jupp Heynckes ist einer aus der legendären Fohlen-Elf. Anders als Köppel aber hat der 61-Jährige einen Ruf und einen Namen als Trainer. Stallgeruch plus Renommee: Diesmal ist es Borussen-Präsident Rolf Königs gelungen, Heynckes zu den Wurzeln zurückzulocken. Samstag gabs angeblich den ersten zarten Anwerbungsversuch durch Sportdirektor Peter Pander, Montag fanden Gladbachs Präsidium, Pander und Heynckes in einem Vier-Stunden-Gespräch endgültig zueinander.

Am Dienstag wurde der Überraschungscoup gemeldet: den Ex-Coach von Gladbach, Bayern München, Bilbao, Frankfurt, Teneriffa, Real Madrid, Benfica Lissabon und Schalke hatte niemand auf der Liste.

Das hatte seine Gründe: Nach seiner vor allem von Manager Rudi Assauer betriebenen Entlassung in Schalke hatte der Fußballlehrer signalisiert, seinen Lebensabend auf seinem Bauernhof in der Nähe von Mönchengladbach zu verbringen. Dort hatte er Ruhe - aber auch Schmerzen.

„In anderthalb Jahren bin ich vier Mal am Fuß operiert wurden.” Als dies schwärende Problem gelöst und auch die Arthritis im Knie zumindest leidlich wurde, begann ein Umdenkungsprozess: „Ich fühle mich fit, vital und zu jung, um nicht mehr im Fußball tätig zu sein.” Sein Aha-Erlebnis aber folgte Anfang des Jahres im Borussia-Park, als Co-Kommentator beim Bayern-Spiel für die ARD (27. Januar).

„Da fing das Kribbeln an.” Naturgemäß streckte er auch die Fühler nach Spanien aus, „es gab Interesse einiger Klubs.” Dann aber doch Gladbach. „Ich habe dem Verein alles zu verdanken. Manager Grasshoff hat mir damals die Chance gegeben, als Trainer zu arbeiten. Womöglich schließt sich der Kreis, wenn ich hier meine Trainerkarriere beende.”

Zuvor soll er - so Präsident Königs - die sportliche Aufbauarbeit fortsetzen: „Aber wir erwarten keine Wunder. Wir hüten uns zu sagen, mit Heynckes müssen wir international spielen. Das dauert noch.” Diese Geduld ist neu. Nicht neu ist, dass Heynckes auf junge, hungrige Spieler setzt. Natürlich sollen noch „zwei, drei Verstärkungen, vor allem im Offensivbereich” geholt werden. „Aber keine Verletzungsanfälligen, keine Verletzten und keine Veteranen mit Ein-Kilometer-Laufleistung.”

Horst Köppel hat er am Dienstagmittag selbst informiert. „Er sollte es aus erster Hand erfahren. Er ist mein Freund.” Doch der Schulterschluss macht nicht blind. „Wir müssen eine Formation finden, die homogen ist, bei der die Automatismen stimmen. Die Mannschaft muss sich spieltechnisch verbessern.” Das Knie von Jupp Heynckes wird nie wieder das alte. Seine Sehschärfe aber ist geblieben.