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Mönchengladbach: Christian Ziege: „Ein Gegner wie Mainz ist mir nun am liebsten”

Mönchengladbach : Christian Ziege: „Ein Gegner wie Mainz ist mir nun am liebsten”

Böse Zungen behaupten, dass Christian Ziege seinen Versuch, sich vom Nikotin loszusagen, abbrechen musste, weil ihm der Fehlstart seiner Profis an die Nerven ging. Mönchengladbachs Sportdirektor dementiert. Zumindest aber zeigt sich der Ex-Profi - nach außen - erstaunlich gelassen und vertraut weiter auf die Mannschaft, die er mit Trainer Jos Luhukay zusammengestellt hat.

Für den Stotter-Start in der Hinrunde gab es eine schlüssige Erklärung: Die Mannschaft musste sich finden. Das kann jetzt aber nicht mehr gelten.

Ziege: Das ist immer so: Du kommst aus der Pause, bist nicht im Tritt, kannst nicht an die Leistung der Hinrunde anknüpfen - obwohl das letzte Hinrunden-Spiel gegen Paderborn ja auch nicht so optimal war.

Das reicht schon als Erklärung?

Ziege: Ich glaube schon, dass Roel Brouwers sehr gefehlt hat, auch wenn Thomas Kleine die Position gut ausfüllen kann. Nur eine „kleine” Veränderung, aber dazu fehlen zwei andere Spieler - und schon hast du ein Problem, was eigentlich keines sein sollte. Dazu kommt auch die noch stärkere Motivation der Gegner: Jetzt sind wir Erster, wir hatten eine Serie hingelegt. Es heißt: Die steigen sowieso auf! Das ist vergleichbar mit Bayern München. Auch die merken diesen Druck. Trotzdem müssen wir es hinbekommen zu gewinnen.

Aber so lassen sich doch nicht die unterschiedlichen Halbzeiten erklären?!

Ziege: In der ersten Halbzeit hat Hoffenheim sich komplett zurückgezogen, nur mit einer Spitze gespielt. Das war ihr Plan. Aber nach unseren zwei Toren haben sie zwei offensive Spieler eingewechselt, sind nach der Pause volles Risiko gegangen. Wenn du dann in den ersten Minuten ein Tor kassierst, fängt der Kopf an mitzuspielen.

Also auch fehlende Cleverness?

Ziege: Das ist kein Gladbach spezifisches Syndrom. Alemannia führt gegen Köln 3:1. Der FC schafft den Anschlusstreffer, und prompt fangen die Aachener noch an zu schwimmen.

Aber Sie haben beispielsweise mit Patrick Paauwe und Alexander Voigt extrem erfahrene Profis . . .

Ziege: Auf der anderen Seite haben wir einen Marko Marin und Eugen Polanski, der kaum Spielpraxis besitzt. Die kommen unter Druck, und das gleicht dann alle Routine wieder aus. Paauwe und Voigt können dann nicht alles machen und alleine regeln. Vieles hat sich im Kopf abgespielt, gepaart natürlich mit einer guten Leistung der Hoffenheimer.

Die Breite und Qualität des Kaders sind oft genug erwähnt und auch gelobt worden. Muss man da nun Abstriche machen?

Ziege: Nein, den haben wir nicht überschätzt. Zumal gegen Kaiserslautern zwei Stammspieler, die nun fehlten, mitgespielt haben. Ich werde keinen an den Pranger stellen. Ähnliches wie in Hoffenheim oder gegen Kaiserlautern habe ich selbst zu oft erlebt. Mit Tottenham führten wir zur Halbzeit gegen Manchester City 3:0, von denen ist noch einer vor der Pause runtergeflogen - und wir haben noch 3:4 verloren. Das ist nicht zu erklären!

Also ist die Borussia nicht auf doch nur 12 oder 13 Spieler angewiesen?

Ziege: Nein, ich bin weit davon entfernt zu sagen, unser Kader ist doch nicht so gut. Die Spieler, die hinten dran sind, können Lücken gut auffüllen. Wir haben einfach momentan Probleme, unseren Rhythmus zu finden. Zum Glück geht das den drei anderen Klubs genauso. Vielleicht ist das ja auch abgesprochen, um es noch spannender zu machen.

Und in dieser Situation kommt Mainz! Der richtige Gegner zum richtigen Zeitpunkt?

Ziege: Auf jeden Fall. So ein Gegner ist mir am Liebsten. Ein Mit-Konkurrent, jeder weiß: Das wird schwer. Volle Konzentration und Siegeswille sind gefragt, denn Mainz ist eine harte Nuss.

Ein „kleinerer” Gegner wäre nicht besser gewesen?

Ziege: Nein, das weiß ich noch von meiner Zeit bei den Bayern oder in Mailand. In einer solchen Konstellation holst du Extra-Prozente raus. Natürlich müsstest du immer hoch konzentriert sein, aber das ist nun mal nicht immer so. Zu häufig denkt man, das geht schon von alleine. Ich finde das gut, Mainz ist genau das Richtige.

Haben die letzten drei Spiele verstärkt Rückschlüsse über die Erstliga-Tauglichkeit von Spielern geliefert?

Ziege: Nee, auf keinen Fall. Solche Probleme sind ligaunabhängig. Das gibt es in der 3. Liga, in der 1. Liga und auch bei der Nationalmannschaft. Schauen Sie sich doch den VfB Stuttgart oder Hertha BSC an. Das ist nicht zu erklären. Wir müssen Geduld haben, an das glauben, was in der Mannschaft steckt. Wir haben ein gutes Team, gute Spieler und werden auf den Weg zurückfinden, den wir eingeschlagen haben.

Allerdings wird der Druck mit zunehmenden Spieltagen noch größer werden.

Ziege: Darüber mache ich mir keine Sorgen. Mit Druck umzugehen, standzuhalten und schließlich gemeinsam seine Ziele zu erreichen, darum geht´s doch im Fußball. Wer damit nicht umgehen kann, ist nicht gut genug. Wenn es mal nur drei Spiele nicht so gut gelaufen ist, sollte man nicht alles in Frage stellen. Es ist eine schwierige Situation, mehr aber auch nicht.