Aachen: Christian Weber ist der vierte Ex-Düsseldorfer im Aachener Trikot

Aachen: Christian Weber ist der vierte Ex-Düsseldorfer im Aachener Trikot

Gekommen war der Mann „in dem Glauben, dass Ralf Aussem noch Trainer ist”. Kennengelernt hat ihn Christian Weber dann nur noch, als er in die Kabine kam, um sich von der Mannschaft zu verabschieden.

Webers Einstieg bei Alemannia Aachen gestaltete sich auch in der Folge etwas anders als gedacht: Manager Uwe Scherr hatte den Rechtsfuß eigentlich geholt, um die Position des langzeitverletzten Aimen Demai im defensiven Mittelfeld neu zu besetzen. Bei seinem Debüt, unter dem Aussem-Nachfolger René van Eck, fand sich Weber dann als rechter Verteidiger wieder - was er im Laufe seiner Karriere auch überwiegend gespielt hat.

Und schließlich ging der Einstand im neuen Team mit 1:3 gegen Unterhaching daneben, am Tag, an dem Weber 29 Jahre alt wurde. „Das hätte gerne ein bisschen anders ausfallen können”, aber die Erde dreht sich weiter, und so saßen Weber und Kollegen am Freitag im Bus auf der Fahrt zur nächsten Aufgabe, Samstag (14 Uhr) beim Tabellenvorletzten SV Babelsberg.

Ein guter Ratgeber

Christian Weber kann was erzählen von misslichen Lagen, vor zwei Jahren war er mit Fortuna Düsseldorf mit einem Pokal-K.o. in Koblenz und fünf Liga-Niederlagen in die Saison gestartet. „So schlimm ist es hier ja nicht”, Alemannias letzter Zugang erinnert sich, dass man bei Fortuna gut gefahren sei mit dem geflügelten Begriff, „nur von Spiel zu Spiel zu denken und nicht daran, was in vier Wochen ist. Das ist ein guter Ratgeber.”

Alemannias Kader wurde nun um die Erfahrung von weiteren 268 Profi-Einsätzen erweitert. Als 17-Jähriger debütierte Christian Weber in seiner Heimatstadt für den 1. FC Saarbrücken, er spielte für die SpVgg Greuther Fürth, den MSV Duisburg, in Griechenland für AE Larisa und seit 2009 in Düsseldorf. Mit dem schlechten Saisonstart 2010 „kippte allerdings auch mein Standing” bei Trainer Norbert Meier; nach dem Aufstieg in die Bundesliga wurde Weber dann eröffnet: Der Kader ist zu groß und für dich kein Platz mehr, du wirst nicht mehr in Testspielen eingesetzt und kommst nicht mit ins Trainingslager.

Abgeschoben ins Regionalliga-Team, „aber das ist nicht mein Anspruch”. Einen Wechsel in die 3. Liga hatte Weber zunächst nicht auf dem Radar. „Bis zur Anfrage von Uwe Scherr hatte ich mich damit schwer getan”, und weil zuvor Kontakte zu den Zweitligisten VfL Bochum und MSV Duisburg ergebnislos geblieben waren, „habe ich gesagt: Ich entscheide mich für das Projekt Alemannia.” Er kann mit seiner Freundin im Haus in Willich wohnen bleiben, sich in der Fahrgemeinschaft mit Kai Schwertfeger abwechseln, und da sind ja noch die weiteren Ex-Fortunen Michael Melka und Sascha Rösler, die Weber am Tivoli wiedertrifft.

Kopf-Kino läuft an

Trotz der bedenklichen Lage - schon acht Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz, aber nur drei Zähler vor einem Abstiegsrang - hat Christian Weber „eine intakte Mannschaft” angetroffen, „die Stimmung ist durchweg positiv. Auch wenn das Kopf-Kino anfängt, wenn die Ergebnisse nicht stimmen. Wir können eine gute Rolle in der Liga spielen, müssen jetzt aber erst einmal ans obere Mittelfeld anschließen.” Mal in Führung gehen, ohne Gegentor bleiben, „ein Spiel ruhig runterspielen”, schon in Babelsberg, das wäre eine feine Sache, „um in ruhigeres Fahrwasser zu kommen. Wir sind einfach mal wieder dran.”

Wo er am Samstag eingesetzt wird, davon hat Weber noch keine Ahnung. „Ich bin Defensiv-Allrounder, wo ich aufgestellt werde, ist mir relativ egal.” Er möchte das, was er in Düsseldorf zuletzt nicht mehr durfte: „Eine wichtige Rolle einnehmen.”

So könnten sie spielen: Krumpen - Weber, Stehle, Erb, Baumgärtel - Schwertfeger, Andersen, Streit - Heller, Borg, Leipertz

Punktspielbilanz gegen Babelsberg: 2 Spiele - 1 Sieg, 1 Remis, 4:2 Tore

Schiedsrichter: Arne Aarnink (Nordhorn)

Wiedersehen mit Lennart Hartmann

Christian wer? Mitte Mai, in der Schlussphase der vergangenen Saison, übernahm Christian Benbennek beim SV Babelsberg das Traineramt vom beurlaubten Dietmar Demuth. Der Auftrag für den 39-Jährigen, der bis Juni 2011 die Zweite Mannschaft von Eintracht Braunschweig betreut hatte, lautet auch diesmal: Klassenerhalt mit dem Team aus dem größten Stadtteil von Potsdam. Alemannia trifft auch auf Lennart Hartmann, der im Januar zum SV wechselte, nachdem er in Aachen ohne jeden Einsatz geblieben war.

Seit diesem Sommer steht der Ex-Gladbacher Frederic Löhe zwischen den Pfosten, und er ist im Schicksal vereint mit Alemannia-Keeper Tim Krumpen: Beide haben bereits 15 Gegentore kassiert. Löhe: „Wir müssen die Fehler abstellen. Hinten muss endlich die Null stehen - dann hat man schon einen Punkt.” Ein Sieg am Samstag mit zwei Toren Unterschied, und Babelsberg würde in der Tabelle an Aachen vorbeiziehen.

Einen Live-Stream im Internet gibt es am Samstag nicht. Der WDR zeigt Ausschnitte nach der Live-Übertragung Münster - Bielefeld (ab 16.05 Uhr).

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