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Köln: Charakter wichtiger als Qualität

Köln : Charakter wichtiger als Qualität

Niemand kann behaupten, dass der Manager des 1.FC Köln in den letzten Wochen ein unbeschwertes Dasein führte. Am Sonntag aber wirkte Michael Meier einigermaßen entspannt und ging sogar in die Offensive.

„Spekulationen über irgendwelche Machtkämpfe entbehren jeder Grundlage. Es gibt hier kein Gegeneinander. Es gibt nur ein Miteinander. Wichtig war, dass der Trainer klar und deutlich Flagge gezeigt hat”, befand Meier. Schließlich hatte Christoph Daum nach kurzer Bedenkzeit jüngst wissen lassen, dass er auch in Zukunft die Sportstunden der FC-Profis leiten will.

Einmal in Fahrt, mühte sich Meier gleich auch noch darum, Aufbruchstimmung beim zuletzt leicht depressiven Geißbockclub zu verbreiten: „Wir haben nicht nur ein gemeinsames Konzept erarbeitet, sondern dies auch schon mit Leben gefüllt und Kontakte zu Spielern geknüpft. ”

Daum selbst mochte sich zu den Gründen seines Pro-FC-Bekenntnisses nicht weiter äußern: „Das ist Privatsache.” Auf jeden Fall geht es dem Sportlehrer aber darum, „den 1.FC Köln wieder wettbewerbsfähig aufzustellen”. Dafür sollen im Aufgebot für die neue Spielzeit ausnahmslos Jungs mit Charakter stehen: „Ich bin sogar bereit, auf ein bisschen Qualität zu verzichten. Aber beim Charakter mache ich keine Abstriche”, beschrieb Daum das Anforderungsprofil das für potenzielle Neuzugänge, das aber auch für die Athleten des jetzigen Kaders Gültigkeit besitzt. „Jeder einzelne soll mir in den letzten Spielen zeigen, wozu er in der Lage ist.”

Nach dem letzten Spieltag am 20. Mai will er dann entscheiden, wer aus dem aktuellen Athletenkreis weiter für den FC kicken darf. Erste Gelegenheit, Charakter zu zeigen, gibt es bereits heute Abend in Duisburg. Daum rechnet sich durchaus Chancen aus: „Der MSV steht enorm unter Druck. Vielleicht können wir mit den Nerven des Gegners spielen.”

Keine abwegige Spekulation Daums, denn auf der Zielgeraden scheinen besonders die Mannschaften mit Aufstiegsambitionen zu schwächeln. Greuther Fürth patzte beim 0:2 gegen Essen ebenso wie Rostock bei der 0:3-Pleite gegen Koblenz. Entsprechend deutlichen fielen die Kommentare aus: „Das ist Mist, das ärgert mich”, schimpfte Fürths Trainer Benno Möhlmann. „Ich habe das Gefühl, keiner der Klubs, die oben stehen, will aufsteigen”, meinte Hansa-Akteur Christian Rahn.

Und wer nicht aufsteigen will, der kickt im nächsten Jahr gegen die TSG Hoffenheim. Der badische Dorfverein feierte am Wochenende nämlich den Aufstieg in Liga 2 - quasi als Durchgangsstation. Denn Mäzen und Milliardär Dietmar Hopp plant schon fürs Fußball-Oberhaus. „Unser Ziel ist die Bundesliga. In drei Jahren werde ich 70. Es wäre ein schönes Geschenk”, sagte der SAP-Mitbegründer nach dem 4:0-Sieg gegen die Sportfreunde Siegen.

Vier Spieltage vor Saisonende ist die TSG in der Regionalliga Süd nicht mehr vom zweiten Platz zu verdrängen und folgt damit Tabellenführer SV Wehen in die 2. Liga. „Wir waren nicht die Übermannschaft, andere haben genauso gute Spieler. Doch wir hatten am Ende die beste Kondition”, sagte Trainer Ralf Rangnick.