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Köln: Chaoswoche: Erste Heimniederlage nach sieben Siegen

Köln : Chaoswoche: Erste Heimniederlage nach sieben Siegen

Die Lawine ist losgetreten. Eine gefährliche Lawine. Durch das 1:3 (0:0) gegen den VfB Stuttgart, der ersten Niederlage nach sieben Heimsiegen in Folge, droht der 1. FC Köln wieder in akute Abstiegsgefahr zu geraten.

Sechs Punkte Vorsprung sind es noch auf den Relegationsplatz. Zudem scheint ein freiwilliger Rückzug von Frank Schaefer als Cheftrainer am Ende der Saison wahrscheinlicher denn je. Er gab seinen Spielern nach der deprimierenden Vorstellung zwei Tage trainingsfrei. „Sie sollen Abstand gewinnen”, sagt Schaefer, was er durchaus auch auf sich selbst bezog.

Abstand nicht nur von einem ernüchternden Spiel ohne wirkliche Höhepunkte, das nach einer wenig attraktiven ersten Halbzeit innerhalb weniger Minuten durch die Stuttgarter Treffer von Christian Träsch (51.), Martin Harnik (53.) und Zdravko Kuzmanovic per Handelfmeter (63.) entschieden war. Milivoje Novakovics 14. Saisontreffer (67.) blieb der einzige Kölner Lichtblick.

Blamables 1:5

Abstand gewinnen will Schaefer vor allem auch von den aktuellen Ereignissen innerhalb des Vereins, der sich ohne Not in der Außendarstellung innerhalb nur einer Woche nach dem blamablen 1:5 in Mönchengladbach einmal mehr selbst ins Abseits bugsierte. Volker Finkes Vorpreschen in Sachen Vertragsverlängerung mit dem Trainer, dessen Abwarten der Sportdirektor ohne Not und öffentlich mit religiösen Motiven begründete; dann die Veröffentlichung von Interna aus einer Mannschaftsbesprechung im Kölner Boulvard, obendrauf diese ausgebliebene Reaktion der Mannschaft am Samstag - Dinge, die Frank Schaefer offenbar extrem zu schaffen machen.

Ein sonst so hochmotiviert und -engagiert auftretender Trainer wirkte schwer angeschlagen. „Es war keine gute Woche”, sagte er. Des Trainers Seelenleben ist extrem angeknackst. Mit einer gewissen Machtlosigkeit kam die Antwort, als Schaefer auf bereits kolportierte Namen eventueller Nachfolger (Michael Skibbe, Holger Stanislawski) angesprochen wurde, die freilich vehement dementiert wurden. Legitim sei es, dass der Verein sich anderweitig umsehe. Das sagt einer, der seine eigene Zukunft beim 1. FC Köln eigentlich selbst in der Hand hatte und der sich nur an getroffene Absprachen hält. Dass nämlich dann über die Fortsetzung seines Vertrages geredet wird, wenn der Klassenerhalt in trockenen Tüchern ist. Schaefer hielt sich daran, Finke und die Vereinsführung nicht.

Die Intensität der Diskussion um seine Religiosität „hat mich doch überrascht”, meinte der Coach. „Ich habe viel gelernt in dieser Woche. Zum Beispiel, wie schnell sich Themen hochschaukeln können. Mir war klar, dass man als Trainer in der Öffentlichkeit steht. Aber in dieser Woche hat alles für mich eine neue Dimension bekommen. Alle müssen sich fragen, ob das so richtig war?” Starke Worte eines aufrechten Trainers, der ohne Not in die Bredouille gebracht wurde.

Der geschenkte Handelfmeter für die Stuttgarter, nachdem Pedro Geromel aus kürzester Distanz den Ball an den Arm geknallt bekommen hatte, war anschließend nur noch Nebensache. Lukas Podolskis fünfte Gelbe Karte, nach der er kommenden Sonntag in Wolfsburg pausieren muss, blieb nach diesem Spiel und diesen Tagen ebenso eine Randerscheinung. Zu allem Überfluss zog sich Slawomir Peszko einen Innenbandanriss im rechten Knie zu - Saison beendet.

Dass sich nicht alle Profis nach der Stuttgart-Pleite im Mittelkreis versammelten, fiel auf. „Wir müssen uns zusammensetzen, reden”, forderten Außenverteidiger Christian Eichner und Torhüter Michael Rensing unisono. Aber ob wenigstens das funktioniert vor dem Wolfsburg-Spiel und der damit verbundenen nächsten Herausforderung in Sachen Klassenerhalt und Auswärtsauftreten, stellte der Torhüter gleich selbst in Frage: „Ich weiß nicht, ob wir da die ganze Mannschaft zusammenbekämen.”

Und Eichner sprach von einem dringend notwendigen Selbstreinigungsprozess, schaute die ihn umringenden Journalisten an und fügte sarkastisch hinzu: „Es stört mich, dass ihr bei internen Mannschaftsbesprechungen dabei zu sein scheint.”

Kölner Chaostage! Ob die Lawine gestoppt werden kann, zeigt sich in Wolfsburg.