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Aachen/Köln: Buchwald: „Helmes werben wir im Winter ab...”

Aachen/Köln : Buchwald: „Helmes werben wir im Winter ab...”

Und dann sehen sie sich wieder. Der Trainer und sein ehemaliger Kapitän, die gemeinsam Deutscher Meister wurden. Die Sportredakteure Roman Sobierajski, Klaus Schmidt und Christoph Pauli unterhielten sich mit Kölns Christoph Daum und Aachens Guido Buchwald.

Welche Erinnerung ist geblieben vom 16. Mai 1992?

Daum: Der Tag, an dem der große Außenseiter, der VfB Stuttgart, durch eine überragende Mannschaftsleitung überraschend Deutscher Meister geworden ist.

Buchwald: Bei mir sind drei Dinge haften geblieben. Zum einen habe ich den Ball reingeköpft und dann fast eine Bande zerschlagen vor Freude. Und dann erinnere ich mich natürlich an den Moment, als Berti Vogts mir als Kapitän die Schale überreicht hat.

War es Zufall, Herr Daum, dass Ihr Kapitän damals in der 88. Minute das 2:1 in Leverkusen köpfte?

Daum: Guido war immer ein absolutes Energiebündel, der immer dann, wenn es darauf ankam, noch mal nachgelegt hat, wenn die anderen nachgelassen haben. Dieses Tor war natürlich auch wunderbar von Wiggerl Kögl vorbereitet, denn ohne die anderen zehn Spieler hätte es auch der Guido nicht geschafft.

Herr Buchwald, was haben Sie von Christoph Daum übernommen?

Buchwald: Man muss einfach sein professionelles Denken übernehmen. Er arbeitet unglaublich akribisch und kann sehr gut mit der Mannschaft erarbeiten, wie so ein Spiel zu laufen hat. Christoph kann sehr gut motivieren.

Was sollte man nicht übernehmen?

Buchwald: Das sind zwei, drei weniger nette Dinge, die ich nicht öffentlich mache.

Wie hat sich der Kontakt nach der Stuttgarter Zeit entwickelt?

Daum: Er ist immer herzlich und freundlich geblieben.

Buchwald: Wir haben uns häufig gesehen. Erst als ich in Japan und er in der Türkei war, ist der Kontakt abgebrochen. Vorübergehend.

Nähern wir uns der Partie: Was war die Überraschung des 1. Spieltags?

Buchwald: Der Sieg von Wehen in Hoffenheim nach 0:2-Rückstand. Wie eine namenlose, aber gut eingespielte Mannschaft so die Ordnung beibehalten hat, war imponierend.

Daum: Sicherlich der hohe Sieg von 1860 in Augsburg, die Niederlage von Hoffenheim gegen Wehen und auch das Ergebnis der Aachener nach einer 2:0-Führung.

Was hat Sie bei Ihrer Mannschaft zum Saisonstart am meisten gewundert?

Buchwald: Dass wir die Ordnung in der zweiten Halbzeit trotz einer Führung verloren haben. Wir waren zu hektisch und haben den Ball zu schnell hergegeben. Mir haben die Rhythmus-Wechsel gefehlt. Ich dachte, wir wären weiter.

Daum: Nach 20 Jahren im Spitzenfußball als Trainer wundert mich nichts mehr.

Wann ist der Saisonstart ein guter?

Daum: Wenn wir nach der Hinserie auf einem der oberen Plätze in der Spitzengruppe stehen.

Buchwald: Eine erste Einordnung ist erst nach dem sechsten Spieltag möglich. Zehn plus x Punkte wären ein guter Start für Aachen.

Ist es für den FC in dieser Saison die ultimative Anstrengung, das letzte Jahr in der 2. Liga zu verbringen?

Daum: Die ultimative Anstrengung wird es sein, ein Team zu formen, das oben mitspielt.

Kann Alemannia sich noch ein weiteres Jahr in der 2. Liga erlauben?

Buchwald: Wir haben einen Zwei-Jahres-Plan. Etatmäßig sind wir eher bescheiden. Als Trainer muss ich mich anstrengen, überhaupt 18 Spieler am Spieltag zu haben.

Muss man in Köln nur erfolgreich sein und nicht unbedingt schönen Fußball spielen?

Daum: Die Erfolgsprinzipien in Aachen und in Köln sind die gleichen.

Könnten Sie auch damit leben, Herr Buchwald, wenn es nach der Saison heißt: Alemannia hat den von Ihnen propagierten attraktiven Fußball gespielt, ist aber nicht aufgestiegen?

Buchwald: Wenn das so wäre, dass wir uns entwickeln, dass wir eine gute Basis für die nächste Saison haben, dann könnte ich mit dem Fazit gut leben. Man kann nicht erwarten, dass Aachen mit einem neuen Trainer sofort aufsteigt, wenn auch noch die halbe Mannschaft vorher weggeht. Topfavoriten sind Köln und Gladbach.

Welche Spieler des Gegners hätten Sie gerne?

Daum: Darüber sprechen wir nach der Saison.

Buchwald: Patrick Helmes ist einer der besten Stürmer Deutschlands. Den werden wir in der Winterpause abwerben...

Herr Daum, ist das Thema Reghecampf erledigt oder kann es in der Winterpause wieder aufflammen?

Daum: Wenn wir an einem Spieler, der unter Vertrag steht, Interesse haben, ist immer der erste Ansprechpartner der Klub. In dieser Saison sind vorerst keine weiteren Transfers von uns geplant.

Haben Sie nach dem Debakel in der letzten Winterpause diesmal intensiver gescoutet?

Daum: Das Risiko in der Transferperiode II, also im Winter, ist ungleich größer als zu Saisonbeginn in Transferperiode I.

Wie schwierig ist es, in einer Welt-Auswahl den Teamgeist zu fördern?

Daum: Nicht schwieriger als bei einer Regionalliga-Mannschaft, nur das Umsetzen dauert etwas länger, weil unterschiedliche Sprachen und Mentalitäten zusammengeführt werden müssen.

Warum haben Sie vor einem Jahr das Angebot von Jörg Schmadtke abgelehnt?

Daum: Ich hätte ihn gerne unterstützt, aber nach meiner Operation war es zu dieser Zeit nicht möglich.

Findet am Montag ein Spitzenspiel statt oder eine Partie zweier Mannschaften mit unterschiedlichen Ansprüchen?

Daum: Ich gehe davon aus, dass keine Mannschaft der anderen etwas schenken wird, weil beide Teams hohe Ansprüche haben. Beide wollen guten und attraktiven Fußball spielen.

Buchwald: Die Teams haben unterschiedliche Voraussetzungen. Wir haben nicht die Stars wie die Kölner, aber dennoch die Qualität, auch dort zu bestehen. Als Mannschaft sind wir geschlossener und haben aus meiner Sicht den besseren Zusammenhalt.

Ist das Derby-Fieber ansteckend für Trainer oder sehen Sie das Spiel wie eine Partie gegen Jena?

Daum: Von den Punkten, die es zu holen gibt, ist es genauso bedeutsam wie gegen Jena. Allerdings steckt durch die Tradition und den Derbycharakter viel mehr in dem Spiel als in anderen Partien.

Buchwald: Auch als Zugereister spürt man die Bedeutung. Für mich ist es etwas Besonderes, als Trainer auf Christoph Daum zu treffen. Für uns kann es eine sehr wichtige Partie sein, wenn wir sie erfolgreich gestalten. Das wäre ein Aha-Effekt.

Welcher Klub spielt demnächst wieder Uefa-Cup in Köln?

Daum: Unsere mittelfristige Planung beinhaltet auch dieses Ziel.

Buchwald: Das ist alles weit weg.

Erwarten Sie einen Gegner, der mitspielt?

Daum: Dafür stehen die Aachener.

Buchwald: Das Publikum erwartet, dass der FC Köln nach vorne spielt.

Wenn ich Trainer in Aachen wäre, dann...

Daum: ...wäre ich nicht in Köln.

Wenn ich Trainer in Köln wäre, dann...

Buchwald: ...würde für mich nur der Aufstieg und die Meisterschaft zählen.

Kann es Situationen geben, in denen Sie sich am Montag in die Haare geraten?

Daum: Nein, denn der Guido und ich gehen beide nicht zum Frisör, sondern zu einem Fußball-Spiel.

Buchwald (lacht): Das kann ich mir in der Tat schon vorstellen, sollten wir souverän führen...