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Mönchengladbach: Broich will den schwarzen Peter nicht

Mönchengladbach : Broich will den schwarzen Peter nicht

Die Liga hat was für die Borussia übrig - die aus Mönchengladbach. Ende der letzten und der Saison zuvor schaffte der Klub vom Niederrhein den Klassenerhalt auch, weil die Konkurrenten mitspielten - und nicht gewannen.

Doch auch die Vereine der oberen Regionen scheinen ein Faible für die Köppel-Elf zu haben: Trotz der 1:2-Niederlage in Dortmund darf Gladbach noch eine weitere Woche die Höhenluft auf Platz fünf genießen. Aus der Netzer-Heynckes-Zeit besitzt man bundes- und auch europaweit immer noch einen Sympathie-Bonus. Aber auch Strasser & Co. arbeiten an einem Etikett: sozial verträglich. Das müssen zumindest die anderen, nicht weniger traditionsreichen Borussen so empfinden. Denn noch nie war es so einfach, in Dortmund zu gewinnen.

„Man darf nicht zu viel erwarten”, gab sich Trainer Horst Köppel nicht sonderlich gedrückt. Seiner Mannschaft will er keinen Vorwurf machen, sie sei noch nicht so weit. Dabei hätte es nur einer einigermaßen konzentrierten Leistung bedurft, um nach fünf Jahren endlich einmal einen Dreier aus dem Westfalenstadion zu entführen. Knapp zu verlieren, das hat inzwischen fast Tradition. Doch häufig waren diese Niederlagen unglücklich, der Gast gar die bessere Mannschaft. „Der Dortmunder Sieg geht in Ordnung”, konstatierte Köppel.

Auswechslungen geben erste Hinweise darauf, wem der Trainer Defizite zuordnet. Spätere Analysen runden die Individualisierung der Probleme ab. „Man sieht, dass Bernd Thijs Spielpraxis fehlt, und Thomas Broich hat man die Verletzung auch angemerkt. Er ist unter seinen Möglichkeiten geblieben und nicht ins Spiel gekommen”, erläutert Köppel seine Sicht. Broich aber fühlte sich weder gehandicapt, noch bereitete ihm der lädierte Knöchel Schmerzen.

„Wenn wir so spielen wie in der ersten Halbzeit, ist es brutal schwer, ins Spiel zu kommen. Es wäre zu einfach zu sagen, das liegt an der Verletzung”, argumentierte er. Auch Peer Kluge spielte zwar mit einem Kapselriss im Sprunggelenk, mochte aber nicht die Spur aufnehmen, dass dem Mittelfeld die Fitness gefehlt habe. „Wenn man nicht fit ist, sollte man auch nicht spielen. Es wäre nicht fair denjenigen gegenüber, die auf der Bank sitzen.”

Da saß etwa ein Eugen Polanski. Der Junioren-Nationalspieler ist hundertprozentig fit und besitzt genau den Grell, den man bei Sebastian Kehl beinah fühlen konnte, als er eine Flanke per Kopf zum entscheidenden 1:0 in die Maschen rammte. Doch Polanski erhielt auch nicht seine Chance, als Köppel in Broich den Schwachpunkt entdeckt zu haben glaubte.

„Man hat das Gefühl, dass ein erfahrener Spieler mehr hilft”, rechtfertigte der Gladbach-Coach die Einwechslung von Kristian Lisztes. Vielleicht passte aber der Ungar auch besser zu den angeschlagenen Mittelfeld-Kollegen: Spielfit kann der Techniker nach seiner Verletzung und der vorangegangenen langen Spielpause auch nicht sein.

Mehr Effekt hatte die Einwechslung von Kaspar Bögelund, die allerdings recht spät kam (80.). Dabei hatten sich personelle Eingriffe des Trainers bereits in der ersten Hälfte, spätestens aber in der Pause aufgedrängt. Denn bis dahin zitierten die Gladbacher zumindest streckenweise ihre Un-Leistung aus der ersten Halbzeit beim 1. FC Köln. Schlechte Raumaufteilung, fehlende Kompaktheit, lange Schläge raus aus der Abwehr (Jeff Strasser) statt ruhiger Spielaufbau, zu viele Abspielfehler, immer zögerlicher, je näher man dem BVB-Strafraum kam (Kluge).

Doch Horst Köppel zögerte und griff erst in der 61. Minute zur inzwischen schon Stereotype: Thomas Broich raus. Bernd Thijs, der nach seinem gelungenen Comeback beim 4:1 gegen Kaiserslautern in das obligatorische Loch nach langer Verletzungspause fiel, hatte sich auf der so spielentscheidenden Position vor der Abwehr mindestens ebenso angeboten.

Die Tore zum 2:0 und 2:1 durch Ebi Smolarek und Oliver Neuville in der Nachspielzeit verliehen dem überaus faden Gekicke eine (zu) späte Würze. Das passt allerdings zur Lage der Liga: Platz fünf ist nicht die Gewähr für überwiegend guten Fußball. Und erfordert auch nicht, übermäßig erfolgreich zu sein. Da macht dann auch die „Flachrechnung” von Horst Köppel Sinn: „Vier Punkte aus den nächsten beiden Heimspielen gegen den Hamburger SV und Leverkusen - damit wir nicht abrutschen.”

Dauer-Rekonvaleszent Giovane Elber scheint sich unterdessen die Kritik an seinem Trainingsfleiß zu Herzen genommen zu haben. Es geht aufwärts mit seiner Fitness. Als Belohnung könnte er demnächst in der Nachwuchsrunde eingesetzt werden. Am Mittwoch steht das Spiel gegen den MSV Duisburg an.

Milan Fukal zog sich bei einem Ellbogen-Einssatz von Lars Ricken einen Nasenbeinbruch zu und wurde am Sonntag operiert. Ob der Tscheche ausfällt oder Samstag mit Maske aufläuft, steht noch nicht fest.