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Marbella: Broich-Landung mitten im Paradies

Marbella : Broich-Landung mitten im Paradies

Willkommen im Paradies: blauer Himmel, frühlingshafte Temperaturen, eine perfekte Trainingsanlage namens „Marbella Paradise of Football” auf 56000 Quadratmetern gut zehn Fahrminuten vom Vier-Sterne-Hotel Guadalmina entfernt.

Borussia Mönchengladbach hat es im Trainingslager in Spanien gut angetroffen. Thomas Broich auch. Gleich zu Beginn der ersten Fußball-Einheit ein landsmännischer Willkommensgruß von Max Eberl. „Das war ne schöne Grätsche”, urteilt Borussias Neuzugang über seine Broich-Landung. Münchner unter sich: Wie Eberl ist auch der U21-Nationalspieler ein eingeborener Isar-Städter.

Aber die Attacke kann sein neues Weltbild nicht erschüttern. „Ich hatte eine ganz andere Erwartungshaltung: Erste Liga, raue Atmosphäre. Stattdessen geht es hier richtig freundlich und familiär zu.” Heile Welt statt Haifischbecken: Ein Jungfußballer nähert sich der Wirklichkeit. Die hat ihn aber schon im Vorfeld eingeholt. Durch den flapsigen Spruch eines ehemaligen Burghausen-Kollegen steigt der Mittelfeldspieler gleich zum Mozart-Liebhaber auf. Idealer Einstieg in eine Szene, die noch immer der Musik-Welt eines Tony Marschall zugeordnet wird.

Auf so einen hat die Liga gewartet, die klassische Grätsche gegen den vermeintlichen Liebhaber der Klassik: Doch Thomas Broich muss nicht umlernen. Eher Stefan Reisinger, dessen Hör-Erlebnis den Stein ins Rollen brachte: Doch das, was der Burghausen-Profi für Mozart hielt, als er in Broichs Auto stieg, war nur Carl Orff.

Mittelalterliche Saufgesänge statt kleine Nachtmusik. Die Carmina Burana ist durch Henry Maske zur musikalischen Aufwärmphase für den Faustkampf umfunktioniert worden. Über sein sportliches Walk-in Richtung Stammplatz aber macht sich Thomas Broich keine Illusionen: „Klar, in der zweiten Liga gabs auch immer schön was auf die Hölzer. Aber in der ersten ist das Tempo viel höher.”

Offensichtlich sind dort aber auch die Vater-Gefühle wesentlich ausgeprägter. Und so spielt Jeff Strasser im Vorbeilaufen schon mal gerne den Über-Trainer: „Du musst immer schön still bleiben. Und nicht jeden Termin wahrnehmen.” Echten Ratschlägen steht der Youngster eher aufgeschlossen gegenüber. Wie dem von seinem ehemaligen Trainer Rudi Bommer, der ihn darin bestärkte, an den Bökelberg zu wechseln. Und auch seine Eltern versuchten nicht, ihn zum Löwen zu dressieren: 1860 München verlor trotz des Lokal-Faktors das Rennen im Kampf um das Talent. „Sie haben gesagt, für deine persönliche Entwicklung kann das nur gut sein. Der einfachste Weg ist nicht immer der beste.”

Der kann steinig genug werden, wenn wider Erwarten der Deal mit Leandro Romagnoli doch noch klappen würde. Der Argentinier spielt genau die Position: offensives Mittelfeld. „Wenn er kommt, ist das erstmal gut für den Klub. Und auch die Spieler profitieren letztendlich. Außerdem bin ich nicht auf die Position festgelegt.” Zweifel, es überhaupt zu schaffen, quälen den 21-Jährigen nicht. Auch nicht durch das abschreckende Beispiel seines Nationalmannschaftskollegen Benjamin Auer, der sich in Gladbach nicht durchsetzen konnte. „Fußballerschicksale sind nicht vergleichbar.”

Das Werben der Vereine offensichtlich wohl. Mit ausschlaggebend sei das Bemühen von Holger Fach und Christian Hochstätter gewesen. Fast schon eine klassische Aussage eines Verein-Neulings. Und der Wechsel zu 1860 wäre für den Musik-Freund eh kein Hit gewesen. „Ich war immer schon ein Roter.”