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Aachen: Breuer macht das Fass wieder auf

Aachen : Breuer macht das Fass wieder auf

Der Trainer nutzte den freien Montag wie immer. Michael Frontzeck machte in Familie und bereitete sich gedanklich auf das nächste Spiel vor. Der Sportdirektor nahm sich den ersten freien Tag nach drei Wochen Dauereinsatz, „um den Schädel mal frei zu kriegen”, was so einfach auch nicht war „bei den vielen Telefonaten”.

Jörg Schmadtke hatte seine Gattin vorgewarnt, „es kann sein, dass ich ganz schnell weg muss.” Musste er dann doch nicht nach einer Veröffentlichung im „kicker”, in der Professor Helmut Breuer, Vorsitzender des Aufsichtsrates der Alemannia Aachen GmbH, ein Fass geöffnet hatte, das von den sportlich Verantwortlichen nach dem 0:4 in Frankfurt scheinbar endgültig geschlossen worden war.

Das Kontrollgremium, das de facto im operativen sportlichen Bereich nichts zu sagen hat, stößt die Debatte um die Personalien Schlaudraff und Dum neu an. „Die Kompetenz liegt bei der sportlichen Leitung”, betont Breuer zwar, der bereits mit seiner exotischen Hinrunden-Bilanz („ausreichend”) für Aufsehen gesorgt hatte, „aber der Aufsichtsrat muss den Kopf dafür hinhalten, dass die Sponsorengelder fließen, dass das neue Stadion kommt.” Da sei es legitim, sich „erläutern zu lassen, warum es so gekommen ist, wie es gekommen ist. Wenn wir 54 Punkte hätten, würde es dieses Gespräch nicht geben.”

Das findet nun am Dienstag statt, wie Professor Horst Heinrichs auf Anfrage bestätigte. Seit Samstag und bis Montagabend wurde in verschiedenen Zirkeln der Vereinsgremien diskutiert, „es wäre fahrlässig, das nicht zu tun in einer für den Verein bedrohlich engen Situation”.

Heinrichs, der mit Dr. Jürgen Linden das „Kompetenz-Team Sport” bildet, sowie Breuer werden die Ehrenamtler-Erkenntnisse mit Schmadtke bereden, im Beisein von GmbH-Geschäftsführer Frithjof Kraemer. Es gehe nicht darum, die Autorität von Manager und/ oder Trainer zu untergraben. Breuer begründet seine Idee mit den kritischen Stimmen „vieler besorgter Mitglieder”, Heinrichs will die Wiederbelebung des tot geglaubten Schlaudraff-Themas „nicht kommentieren”.

Nach Alemannias blutleerem Auftritt in Frankfurt erfährt der Nationalspieler noch einmal eine unangemessene Aufwertung. Michael Frontzeck, der am Dienstag Vormittag wieder zum Training bittet, zeigte sich dennoch „nicht irritiert” nach Breuers Vorstoß, „wir leben in einem freien Land, wo jeder seine Meinung vertreten kann. Ich lasse das mal so stehen. Aber ich habe meinen Standpunkt, und den werde ich nach wie vor vertreten.”

Also weiter ohne die „Verbannten”, auch wenn es gegen Wolfsburg „um die letzte realistische Chance geht, dann in Hamburg noch was zu reißen”. Jörg Schmadtke kündigte an, „ergebnisoffen in das Gespräch zu gehen. Aber es wird schwer, mich von anderen Dingen zu überzeugen.”

Manager und Trainer, die nach der Talfahrt verschärft in der Fan-Kritik stehen, bleiben wohl standhaft. Eher dürften Schmadtke und Frontzeck den Hof verlassen, bevor Schlaudraff und Dum in den Kader zurückkehren.