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Mönchengladbach: Borussia zwischen Dialektik und Trainer-Mahnung

Mönchengladbach : Borussia zwischen Dialektik und Trainer-Mahnung

Geht es nach einigen Sachverständigen, wird unsere Erstliga-Tabelle mit einer Fußnote versehen: Die Heimpunkte von Borussia Mönchengladbach sind gegen schwache Mannschaften geholt worden.

Das sollen zur Saison-Premiere Bayern München beim 0:0 und nun auch der 1. FC Kaiserslautern beim 3:0 gewesen sein.

25 Torchancen der Borussia und nur zwei für die Pfälzer unterstützen denn auch die These von (fast) elf Roten Teufeln, die mit einem virtuellen Plakat über den Bökelberg trabten: „Befreit uns von Andy Brehme!”

Der Begriff von der Arbeitsverweigerung hat in solchen Momenten Hochkonjunktur. „Es denkt in so einem Fall kein Spieler an den Trainer, weder positiv noch negativ”, schützt Gladbachs Trainer Hans Meyer seinen Kollegen.

Vielleicht war es ganz gut, dass seine Spieler während der 90 Minuten dann doch an den sympathischen Bärbeiß gedacht haben. Hatte doch der 59-Jährige im Vorfeld vehement bestritten, dass die Chaos-Tage rund um den Betzenberg Einfluss auf die Leistung der Kloses & Co. haben würde.

Seine Profis bewahrte diese Mahnung davor, ihren Job am Samstagnachmittag so lax anzugehen wie Mario Basler. Hans Meyer aber musste in der Nachschau zugeben: „Da hab ich mich geirrt. Die Lauterer waren mehr zerrüttet, als ich nach ihren recht guten Leistungen in den ersten zwei Spielen für möglich gehalten habe.”

Die Spielfreude seiner Jungs, die sich in den Treffern von Joris van Hout (23./47.) und Markus Münch (36.) nur unzulänglich dokumentiert, musste der Fußball-Lehrer denn doch goutieren. „Das war zusammen mit dem 0:1 in der letzten Saison gegen Bayer Leverkusen fußballerisch unsere beste Leistung.”

Scoubo und sein Minimal-Ziel

Dazu passt, das die Torschützen obendrein die besten im Mannschaftsgefüge waren: Joris van Hout erzielte zwar beide Treffer per Fuß, aber auch mit Köpfchen. „Das war der gerechte Lohn für eine tolle Mannschaftsleistung”, zeigte sich der Belgier bescheiden.

Wobei sich seine Freude sicherlich auch daraus speist, dass er ausgerechnet in dem Spiel doppelt traf, in dessen letzten neun Minuten Hans Meyer Borussias Neu-Stürmer Morten Scoubo vor 27 100 Zuschauern schaulaufen ließ.

Der Däne wird künftig auch an der stürmischen Abwehrarbeit gemessen werden, die van Hout in bester van Lentscher Manier nicht nur vor dem 3:0 bewältigte. „Mein Ziel ist es, am Ende der Saison einen Platz in der Mannschaft zu besitzen”, zeigt sich denn auch Scoubo beeindruckt.

Ganz erstaunt waren auch luxemburgische Journalisten ob der Fußball-Künste des Jeff Strasser. Besonders angetan hatte es ihnen der Diagonal-Pass ihres Landsmannes zu Münch, den dieser zur Vorlage auf van Hout zum 1:0 verarbeitete.

Strasser parlierte denn auch zufrieden auf französisch, deutsch und luxemburgisch. Sein erneut starke Leistung aber wurde im Nachspiel noch übertroffen: Der Ex-Lauterer verkniff sich jeglichen Seitenhieb auf seinen ehemaligen Klub, obwohl er vorher angekündigt hatte: „Nach dem Spiel werde ich reden.” Er schwieg - ein Sieg auch über den inneren Schweinehund: „Das 3:0 reicht.”

Dabei lohnt es sich, mit dem „Teufel-Experten” bereits vor dem Spiel zu sprechen. Auch wenn Hans Meyer frotzelte: „Was soll er mir sagen: Dass der Basler gefährlich ist?” Ein paar Sachen habe er seinem Trainer doch gesagt, widerspricht der Muster-Profi.

„Zum Beispiel, dass man versuchen muss, in den Rücken von Basler zu kommen.” Das muss sich bis Markus Münch rumgesprochen haben. Der mischte den Pfälzer so auf, dass der - von seinem Edel-Fan Brehme nach 39 Minuten ausgewechselt - ohne Umweg über Einwechselspieler und Trainer beleidigt Richtung Kabine flüchtete.

Was war Gladbachs Stärke, was war Lauterns Schwäche: In einen philosophischen Diskurs über die Dialektik des Fußballs wollte Hans Meyer seine Sieger am Sonntag nicht verstricken. Lieber schickte er die Seinen mit einer erneuten Mahnung in ihren freien Tag: „Gegen Babelsberg wirds am Sonntag hundertprozentig schwieriger.”

Ein Ausflug in die Dialektik des Pokals aber blieb ihnen erspart.