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Düsseldorf: Borussia sorgt für „maßgeschneidertes” Comeback

Düsseldorf : Borussia sorgt für „maßgeschneidertes” Comeback

Für Borussia Mönchengladbach sollte es ein Abschiedsspiel werden - von allen Abstiegssorgen. Stattdessen degradierten sich die Mannen von Trainer Hans Meyer zu Statisten in einem Willkommensspiel der Leverkusener: Die 0:5-Klatsche in der Düsseldorfer LTU-Arena wurde zur perfekten Inszenierung der Rückkehr von Bernd Schneider.

Nach 398 Tagen kehrte der Kreativspieler in der 73. Minute beim Stand von 3:0 in die Bundesliga zurück. Die gerührten Gladbacher versüßten ihm das triumphale Comeback: Bei seiner selbstlosen Vorbereitung des 4:0 (Kadlec/79.) standen Brouwers & Co. nur Spalier, den finalen Böllerschuss erledigte Dante gar selbst: Der „Held” von Cottbus katapultierte eine Reingabe spektakulär und unhaltbar für Logan Bailly zum 0:5 ins eigene Netz (86.).

Zum Schneider-Festspiel lieferte Borussia passenderweise den maß„geschneiderten” Rahmen. Lediglich die erste halbe Stunde dachten die Halb-Gäste vor gut 25.000 Rauten-Anhängern an sich selbst.

Die zwei Last-Minute-Erfolge gegen Schalke und in Cottbus hatten sie so selbstbewusst gemacht, dass sie gegen nicht übermäßig engagierte Leverkusener das Spiel kontrollierten. Doch der feine Schuss von Stefan Kießling (31.) entlüftete die scheinbar so stolz geschwellten Brüste der Fast-Geretteten in Windeseile.

Spätestens nach dem 0:2 (Helmes/44.) war die Luft raus. Für Meyer keine Überraschung. Das dritte Spiel in sechs Tagen, wie schon gegen Cottbus hatte Leverkusen einen Tag mehr Zeit zur Regeneration, und dann ein Spielverlauf, der die „Heimelf” urplötzlich zurück in die Erfolgsspur der Hinrunde befördert. „Und wir waren körperlich und geistig nicht mehr fit.”

So entwickelte sich eine Art von Parallel-Wettbewerb mit den nur 70 Kilometern entfernten Bielefeldern im BVB-Stadion: Wer verdirbt sich schneller und effektiver das Torverhältnis? Knapper Sieger im Fernduell - Borussia, die aus Mönchengladbach.

Max Eberl verkündete das verblüffende (Erfolgs-)Ergebnis: „Wir haben ein Tor gut gemacht. Eigentlich pervers”, urteilte Gladbachs Sportdirektor. Und ganz so gnädig und verständnisvoll wie die seines Trainers fiel die Manager-Analyse nicht aus. „Sie haben im luftleeren Raum gespielt und wollten etwas Spaß haben.”

Unter dem Eindruck der so nicht erwarteten Klatsche geriet denn auch ein erster Etappensieg beinah an den Rand der Wahrnehmung: Borussia hat zumindest den Relegationsplatz sicher. Vor wenigen Tagen noch ein Traum, eine Hoffnung oder gar Utopie. „Nein, keine Utopie”, widerspricht Meyer, „aber sehr weit weg.”

Gewohnt stürmisch plädiert der angeblich so „harte Hans” für Respekt gegenüber seinen Profis. „Sie haben sechs Punkte aus drei Spielen geholt, in einer ganz komplizierten Situation und mit einem ganz komplizierten Programm. Die Mannschaft hat Großes geleistet.”

Rückblick: Im Winter hatte Borussia nur elf Punkte auf dem Konto, derzeit steht sie in der Rückrundentabelle auf einem Mittelfeldplatz, in der Komplett-Rangliste auf Rang 15 mit drei Zählern Vorsprung und einem besseren Torverhältnis vor Bielefeld. „Diese Situation haben sich die Jungs in den zwei Spielen zuvor schwer verdient.”

Für den Gladbach-Manager ist der einwöchige Restzweifel nicht hilfreich. Eine Wochen länger arten, um mit Kandidaten wie Oguchi Onyewu abschließen zu können. Der Innenverteidiger und ehemalige Kollege von Dante, dessen Vertrag bei Standard Lüttich ausläuft, kommt nur im Falle des Klassenerhalts.

Dafür aber würde am Samstag sogar eine 0:2-Niederlage gegen Dortmund, das sich mit einem Sieg für die Euro League qualifizieren würde, genügen, wenn Bielefeld zuhause gegen Hannover „nur” 2:0 gewinnt. Dann würde Meyer wohl auch schwanen, dass er sich die Niederlage in Düsseldorf selbst eingebrockt hat.

„Ich habe schon im Winter gesagt, dass sich die Frage nach unserem Klassenerhalt erst am letzten Spieltag entscheidet.” Die Mannschaft wollte nur untermauern: Der Trainer hat immer recht!