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Mönchengladbach: Borussia diesmal ohne Verdauungsprobleme?

Mönchengladbach : Borussia diesmal ohne Verdauungsprobleme?

Neue Trikots werden nicht gedruckt in Mönchengladbach. Am Samstag gegen den VfB Stuttgart wird nicht „Bayernbesieger” auf den Jerseys prangen. Einmal ist dieser Titel, den zumindest traditionellen Branchenführer bezwungen zu haben, in der letzten Saison stark abgewertet worden.

Zum anderen weiß zumindest Max Eberl, dass - noch immer - überraschende Erfolge gegen vermeintliche Übermannschaften wie die Münchner zu einem mentalen Bumerang werden können.

Auch im Frühstadium der vergangenen Spielzeit hatte ein sensationell herausgespielter 6:3-Erfolg in Leverkusen ein schleichendes Gift in die Stammhirne der Beteiligten geträufelt - trotz aller damaligen Mahnungen. Das Siechtum entwickelte sich schrittweise - gepaart und verstärkt durch eine Verletzungsmisere - und endete fast letal.

Erst Lucien Favre befreite den Patienten, den schon viele aufgegeben hatten, aus dem Koma. „Das ist damals nicht bewusst abgelaufen”, nimmt der Mönchengladbacher Sportdirektor vor allem auch die Spieler in Schutz, die damals nicht, gegen die Bayern aber wieder zu den Leistungsträgern gehörten. „Ich hoffe, die Mannschaft hat daraus gelernt.”

Dafür gibt es Hinweise. Aber die jüngste „Sensation” in München unterscheidet sich auch inhaltlich von der damaligen „Sensation” in Leverkusen: Das 6:3 war ein erspielter Ausreißer, eine Überhitzungsvorstellung, ein torgewordenes Spektakel.

Das 1:0 gegen die Bayern war ein erarbeiteter Sieg, ein Erfolg der neuen Struktur - und damit wesentlich gesünder als die vergiftete Frucht, von der Reus & Co. bei der Werkself übermäßig naschen durften.

Lucien Favre arbeit vom Naturell her gegen derartige Vergiftungserscheinungen. Und so ist es eher Zufall oder Ausdruck seiner grundsätzlichen Einstellung als der Reflex auf den Ausgangspunkt der letztjährigen Misere, wenn der Schweizer beinahe predigt: „Wir respektieren alle Gegner. Jedes Spiel wird so schwer für uns wie das in München.”

Viel Ehre, auch für den VfB. Aber zumindest eine Konstellation könnte die Aufgabe sogar noch schwieriger machen: Die Stuttgarter werden nicht so hoch stehen wie die Bayern, die Borussen nicht grundlegend hinten reindrängen.

Und anders als in München könn­te das die Aufgabe von Roel Brouwers erschweren. In der Allianz-Arena waren die Wege zwangsläufig kurz, die Räume eng durch die Übervölkerung in der Gladbacher Hälfte. Das Geschwindigkeitsdefizit des Niederländers, der erneut Martin Stranzl (Bluterguss in der Wade) in der Defensiv-Zen­trale ersetzen muss, könnte diesmal schneller zum Tragen kommen.

Doch zum „intelligenten Verteidigen”, das Favre postuliert, gehört auch taktisches Verständnis. Da hat Brouwers einiges aufzuweisen. Antizipation, gutes Stellungsspiel - und für den Fall der Fälle hat Borussia nach Jörg Stiel in Marc-André ter Stegen den nächsten Extra-Libero.

Der 19-jährige Torhüter liebt die Ausflüge ähnlich wie sein Gegenüber vom vergangenen Sonntag, Manuel Neuer. Der Borusse aber hatte das Glück, dass er sich seine überriskanten Aktionen entweder in Vorbereitungsspielen (FC Aberdeen) oder lediglich ergebnistrübend im Pokal (Regensburg) leistete. Ein „besserer Neuer”, trotz vieler Ähnlichkeiten, ist er deshalb (noch) nicht.

Und anders als der Ex-Schalker steht er am Samstag auch nicht unter dem Überdruck, selbst den letzten Fan mit einer Harakiri-Aktion von seiner Klasse überzeugen zu müssen. Die Borussen-Anhänger lieben ihn sowieso.