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Leverkusen: Bochumer Erfolsserie hält auch in Leverkusen

Leverkusen : Bochumer Erfolsserie hält auch in Leverkusen

Sachlich richtig wurden die Spieler des VfL Bochum von ihren Fans in der BayArena als „Spit-zen-rei-ter, Spit-zen-rei-ter” zum Aufwärmen begrüßt. Stakkatoartig drang der Schlachtruf auf den Rasen.

90 Minuten später hatte sich die Melodie komplett und der Text leicht verändert. Getragener, eher schon wie eine Hymne, klang es jetzt: „Und schon wie-der Spit-zen-rei-ter, VfL.”

Für Fußball-Fans ist es wohl mit das Schönste, die eigene Mannschaft zu feiern, im Bewusstsein des sicheren Sieges, das gesamte Repertoire an Jubelgesängen darzubieten mit dem Wissen, dass von diesem Gegner keine Gefahr mehr ausgeht.

Fast eine Halbzeit lang, mindestens aber eine halbe Stunde hatten die Anhänger des VfL dieses Vergnügen am Samstag, so ungefährdet war der 4:2-Auswärtserfolg.

Schon mit dem nackten Sieg bei Bayer Leverkusen hätten sich die Spieler in Blau und Weiß diese Hommage redlich verdient gehabt. Bemerkenswerter noch war aber die Art und Weise dieses Erfolges. Souverän, ja gar dominant trat der Aufsteiger auf.

Es ist nicht genau zu taxieren, was überraschender war - die Überlegenheit der Bochumer oder die Unfähigkeit der Leverkusener, ihre unstrittig vorhandenen individuelle Stärken abzurufen. Für beide Phänomene gibt es aber Erklärungen.

Da ist zum einen das durch den Aufstieg und zwei Auftaktsiege schier unendliche Selbstvertrauen der Bochumer: „Wir sind hier als Spitzenreiter hingefahren, warum sollten wir nicht auf Sieg spielen?”, meinte Slawo Freier und drückte die ganze Selbstverständlichkeit aus, mit der dieses Team derzeit zu Werke geht.

Nach der Demonstration ihres lehrbuchhaften Konterfußballs konnten sich die Spieler nicht recht entscheiden, welche Gemütshaltung jetzt angesagt ist - grenzenloses Selbstvertrauen oder der krampfhafte Versuch, auf dem Teppich zu bleiben.

„Wir haben neun Punkte, damit steigt man ab”, sagte Freier zurückhaltend. Thomas Christiansen, cooler Schütze des 4:1, entschied sich stattdessen für die Variante Überschwang. „Wir spielen momentan einfach geil, so macht es Spaß, Fußball zu spielen. Bei uns passt zurzeit alles.”

Da konnte auch das in dieser Saison neue Gefühl, einem Rückstand hinterherzulaufen, nichts dran ändern. Das mussten die Bochumer nur ganze drei Minuten mit sich rumschleppen. Dann hatte Thordur Gudjonsson die Bayer-Führung durch Jan Simak egalisiert - und damit das Spiel der Leverkusener nach starkem Beginn komplett abgeschaltet.

An diesem Punkt setzte die Erklärung von Klaus Toppmöller an. „Nach dem 1:1 hat meine Mannschaft die Laufarbeit komplett eingestellt. Das war heute ein Spiel einer Alt-Herren-Truppe gegen eine topfitte Mannschaft”, fand der Bayer-Coach. Den Fehlstart in die Saison führte er auf die vielen „WM-Geschädigten” zurück.

„Wir wussten, dass wir uns am Anfang schwer tun würden, aber dass es so schlimm kommen würde, hätten wir nicht erwartet”, gab Toppmöller zu. „So schlimm” waren die Fehler von Carsten Ramelow und Juan bei den ersten drei Gegentoren. Gudjonsson, der starke Dariusz Wosz und Frank Fahrenhorst nutzten das aus.

„Wir waren absolut desolat organisiert”, gestand Toppmöller ein. Der Brasilianer Franca startete seine Bundesliga-Karriere zwar mit dem Tor zum 2:4, fiel aber sonst allenfalls durch viele Ballverluste auf.

In Leverkusen ist (noch) der Wurm drin - für VfL-Coach Peter Neururer lag darin die einzige Chance. „Wir konnten nur jetzt in Leverkusen gewinnen, in vier Wochen, wenn Bayer den Rhythmus gefunden hat, würden wir es nicht mehr schaffen”, sagte er.

Das muss der Trainer dem Spieler Gudjonsson allerdings erst noch klarmachen: „Warum sollten wir das Niveau nicht halten? Leider müssen wir jetzt zwei Wochen warten, bis Borussia Dortmund kommt. Da sind wir ganz heiß drauf”, äußerte der Isländer.

Dann werden noch mehr Bochumer Fans da sein, und sie vielleicht nach dem Spiel wieder anstimmen - diese eher getragene Variante ihres Gesangs: „Und schon wieder Spitzenreiter...”