Mönchengladbach: Beim Klassenerhalt wird Dante geschoren

Mönchengladbach: Beim Klassenerhalt wird Dante geschoren

Natürlich kennt Dante Samson. Schließlich ist Borussia Mönchengladbachs Abwehrspieler Brasilianer und nicht nur ein Fachmann für die Viererkette, sondern als überzeugter Katholik auch der Bibel.

„Klar, Samsons Stärke lag in den Haaren”, grinst der 27-Jährige. „Aber meine Stärke sind nicht meine Haar, das ist mein Kopf.” Womöglich deshalb hat er sich auch zu einem Versprechen hinreißen lassen: Sollte es am Mittwoch im Relegations-Rückspiel in Bochum gutgehen mit dem Klassenerhalt, „opfert” er seine Afro-Locken.

Acht Monate

Schwer vorzustellen, Dante als Glatzkopf, so wie sein ehemaliger Trainer Michael Frontzeck. Doch der Innenverteidiger hat damit wenig Probleme. Ebenso wenig wie seine Frau Joce. Die hält sich zur Zeit in Brasilien auf und drückt am Mittwochabend ab 20.30 Uhr die Daumen für den Klassenerhalt - auch wenn sie dazu vorerst auf das Markenzeichen ihres Mannes verzichten muss. „Für sie ist es okay, das macht ihr keine Sorgen. In acht Monaten sind die Locken wieder da. Ich mache das nicht zum ersten Mal.” In einem Tag bereits könnte auch die Erstklassigkeit wieder da sein, die der Tabellen-16. der Ersten Liga für zwei Spiele an der Relegationsgarderobe abgeben musste. Der feine, erstklassige Zwirn hat es Dante angetan, und am liebsten möchte er gar nicht mehr von all diesen Dingen rund ums Rückspiel reden. „Wir müssen uns einfach konzentrieren, und total auf die Begegnung in Bochum fokussieren. Das viele Erzählen bringt gar nichts.” Und so reagiert er nach wie vor höflich und lächelnd auf die tausendfachen Fragen nach seiner Schur, innerlich aber ist er bereits in der Vorbereitung aufs entscheidende Match. „Das eine ist nur Spaß, wichtig aber ist der Fußball. Dafür müssen wir alles geben. Nachher können wir dann alles andere machen.”

Der Brasilianer könnte zu einem der Designer fürs erstklassige Outfit werden. Bereits im Hinspiel rettete er kurz vor dem goldenen Treffer durch Igor de Camargo seinem Kontinent-Kollegen Juan Arango den „Allerwertesten”, als er dessen Fehlpass-Schnitzer gekonnt und ohne Strafstoß ausbügelte und dem Venezolaner damit psychisch in der Bahn hielt, die Vorarbeit zum 1:0 zu leisten. Dabei hatte es auch Dante nicht einfach in diesem Spiel. Die Bochumer gingen bewusst auf den Gladbacher drauf, um Borussias Kombinationsspiel bereits im Keim zu stören bzw. bestenfalls zu ersticken.

Der Trainer, der weiß alles

„Der Trainer weiß alles”, lässt sich der Noch-Lockenkopf keine grauen Haare wachsen, dass dies morgen ähnlich passieren wird. Ebenso wenig, wie die zwei, drei Wackler in der bis dahin so beindruckenden Art, Standard-Situationen problemlos zu überstehen. „Lucien Favre sagt genau, was wir falsch gemacht haben und wie wirs besser machen sollen.” Details - die Lieblingsvokabel seines Trainers - will er nicht verraten. Da nimmt es Dante mit seiner Aufgabe als Geheimnisträger noch genauer als Favre. Der gesteht zumindest, dass er für das Rückspiel auf jeden Fall „noch mehr Ballbesitz” anstrebt. Das aber hat auch etwas mit Laufen, Positionswechsel zu tun, um den Anknüpfer der Kombinationskette in die Lage zu versetzen, sein Zuspiel an den Mann zu bringen.

„Wir müssen Vollgas geben”, fordert der Brasilianer. Und sieht dafür gute Voraussetzungen. „Es hat sich eine neue Qualität entwickelt in den letzten Wochen. Eine mannschaftliche Stärke, die uns auch in der Zukunft weiter nach vorn bringen kann.” Die hat er gespürt, als andere schon aufgegeben hatten. „Ich habe das in jedem Training gesehen, ich wusste, dass dieser Charakter vorhanden war.” Lucien Favre hat ihn herausgekitzelt. Und Dante lebt ihn (vor). Und so ist er sicher, dass er am Donnerstag bestens gelaunt Richtung Heimat fliegen wird. Urlaub bei der Familie in Brasilien. Wenn der Zoll ihn denn mit der Glatze durchlässt.

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