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Oliva: „Bei Marvin hats geschnackelt ...”

Oliva : „Bei Marvin hats geschnackelt ...”

Als wäre der tiefgraue Schlamassel am Himmel über der Costa Blanca nicht nass genug: Marvin Compper hing in den ersten Tagen des Gladbacher Wintercamps im spanischen Oliva auf dem Trainingsplatz wie ein Schluck Wasser in der Kurve.

„Ich hatte Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, hab mich richtig schlecht gefühlt. Und dementsprechend hab ich auch trainiert”, sagt der 20-Jährige mit verknittertem Gesicht. Seinen Auftritt in der Innenverteidigung beim 2:2 im Testspiel gegen den VfL Bochum vergisst er am Besten gleich wieder - der war auch nichts.

Grund für einen Rüffel? Nicht für Trainer Horst Köppel. Der Gladbacher Coach nahm sich Compper nach dem Training für ein paar Minuten zur Seite und klopfte ihm auf die Schulter. „Das würde vorkommen, ,Weiter machen und ,Kopf hoch hat er gesagt”, berichtet der Abiturient und verrät: „Das macht er seit Oktober öfter. Und das gibt dir natürlich Kraft. Du spürst, der Trainer macht sich Gedanken.”

Ja, das macht Horst Köppel. Marvin Compper gilt hinter Zé Antonio und Jeff Strasser derzeit als Nummer drei unter den Innenverteidigern. Zu zwei Kurzeinsätzen hat es in den Hinrunde schon gereicht, in 13 von 17 Spielen stand der Halb-Franzose, dessen Großeltern von der Karibik-Insel Guadeloupe stammen, im Kader.

„Das ist mehr, als ich mir ausgerechnet habe”, gibt Compper zu, und er sieht keinesfalls so aus, als gäbe er sich mit dem Erreichten zufrieden. Compper zeigt Biss, Compper hat Ziele, und Compper strebt nach Professionalität. „Das, was ich bisher geschafft habe, habe ich mir erarbeitet”, sagt er aus voller Überzeugung.

Er ist Fußballprofi, aber sein Idol hängt immer noch an der Wand. „Patrick Viera - seine Art, sein Auftritt auf dem Platz, keine Zweifel darüber aufkommen lassen, wer das Spiel als Sieger beendet - das gefällt mir”, sagt Compper.

Trainingsleistungen wie bis dato an der Costa Blanca ärgern ihn selbst am meisten. Das war auch mal ganz anders. „Ich habe als Trainer der Amateure einen ganz anderen Marvin Compper erlebt”, sagt Horst Köppel und will lieber nicht an den coolen, mitunter überheblichen, und vor allem viel zu schnell viel zu zufriedenen Schönspieler von einst zurückdenken.

„Aber bei Marvin hat es Klick gemacht, bei Marvin hats geschnackelt!”, freut sich der Coach.

Compper hat offensichtlich kapiert, dass sein filigranes Talent alleine nicht ausreicht, um den Traum vom Fußballprofi zu leben. „Meine Ziele sind auf mich selbst gerichtet”, verrät er und zählt sie auf: „Den Körper kräftigen, das Kopfballspiel verbessern, das Passspiel präzisieren - dann kommt das andere von alleine!”

Der Fußballprofi Marvin Compper sieht mit seinen 20 Jahren durch eine Brille, die er früher als Möchtegern-Star der Junioren-Teams nie auf hatte: „Ich verspüre eine gewisse Schuldigkeit. Ich glaube ich muss dem Trainer jetzt etwas zurückgeben, weil er mich zwei Mal eingewechselt und mir damit die Chance in der Bundesliga gegeben hat.”

Ruhe im Eiscafé

Noch kann Compper, dessen Nachnamen sich übrigens auf der ersten Silbe kurz und am Ende wie der Vorname von Peer Kluge ausspricht, unerkannt durch die Stadt gehen, das Gesicht zum mittlerweile bekannten Namen haben die meisten Fans in Mönchengladbach noch nicht auf dem Schirm. Patrick Viera würde das in Turin ganz sicher nicht passieren.

Ein Zustand, den der Gladbacher Innenverteidiger eigentlich noch genießen könnte, das aber gar nicht möchte. Denn sollte sich das in der Rückrunde ändern, sollten die kleinen Mädchen im Eiscafé plötzlich an seiner Jacke zupfen, hätte Marvin Compper sein nächstes indirektes Ziel erreicht. „Das wäre wie ein Honorar für meine Arbeit. Ein Zeichen, dass ich wieder ein bisschen mehr geschafft hätte.”