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Mönchengladbach: Ausgeschlafen und immer im Dienst der Mannschaft

Mönchengladbach : Ausgeschlafen und immer im Dienst der Mannschaft

„In dem Alter”, sagt Michael Frontzeck, 45, „in dem Alter habe ich an zwei Tagen drei Spiele gemacht”. Das war natürlich ein Scherz, zu Späßen aufgelegt waren alle Mönchengladbacher nach dem 2:1-Erfolg am Samstag in Frankfurt.

Karim Matmour hatte es allerdings ernst gemeint, als er mit der Sehnsucht nach einer Couch Frontzecks Spruch provozierte. Karim Matmour, 24 Jahre jung, wollte nur noch schlafen, schlafen, schlafen.

Den Sonntag und den Montag hat Karim Matmour - fast verschlafen. „Ich war total fertig, total am Ende”, sagt der Algerier, der gerade die zehn intensivsten Tage als Profifußballer hinter sich gebracht hatte. Gefühlt waren es „zehn Jahre”, sagt Matmour, der sich mit der algerischen Nationalmannschaft für die Weltmeisterschaft in Südafrika qualifiziert hatte.

In nervenaufreibenden Spielen, „es war Krieg”. Und in der Rückblende empfindet es die in Straßburg geborene Offensivkraft sogar als gut, dass im letzten Gruppenspiel die Ägypter in der fünften Minute der Nachspielzeit noch das 2:0 erzielt und somit das Entscheidungsspiel erzwungen hatten - auch wenn der Stürmer einer Herzattacke nah war.

Karim Matmour wird leise, als er an den Steinehagel auf den Bus der algerischen Mannschaft denkt und sagt: „Es hätte Tote unter unseren Fans gegeben, wenn wir uns schon dort qualifiziert hätten.” Die Qualifikation schaffte Algerien dann vier Tage später mit dem 1:0-Erfolg über Ägypten beim Entscheidungsspiel im Sudan.

Es folgten: Der Empfang beim Staatspräsidenten, lange Nächte ohne Schlaf, die Rückkehr am Freitag, das Spiel in Frankfurt am Samstag, eine prima Leistung, die Rückkehr nach Mönchengladbach - und dann nur noch viel Schlaf.

Karim Matmour ist längst ausgeschlafen und dürfte am Samstag gegen Schalke 04 in der Startformation stehen. In einer Rolle, die der ehemalige Freiburger am liebsten ausfüllt. „Seit ich in Gladbach bin, habe ich diesen Wunsch”, sagt Matmour, der als hängende Spitze seine Stärken am besten ausspielen kann. Viel Raum hat er dort, ist viel in Bewegung, „ich mache das Spiel offen für die Mitspieler”. Gegen Stuttgart und in Frankfurt durfte er seine Lieblingsposition bekleiden.

Er spielte gut und mit großem Selbstvertrauen, das der eigentlich immer Frohgelaunte auch nicht bei der Misserfolgsserie verloren hatte. Was viel mit Michael Frontzeck zusammenhängt. „Der Trainer hat immer die Ruhe und Geduld bewahrt, es ist keine Panik aufgekommen.”

Der Aufschwung ist für Matmour „kein Zufall. Wir arbeiten hart, und wir spielen Fußball.” Den Satz „wir spielen Fußball”, sagt Matmour immer wieder, und automatisch denkt man an die vergangene Saison, als die Borussia nur ganz selten Fußball spielte. Das Spieljahr 2008/2009 hat jedoch alle Akteure Demut gelehrt, da hebt jetzt keiner nach vier Partien ohne Niederlage ab. „Wir haben kurz vor dem Abstieg gestanden, das vergessen wir Spieler nicht. Wir haben bis jetzt schon einen Riesensprung gemacht.”

Geht es am Samstag noch ein bisschen höher? „Wir haben Selbstvertrauen, aber nicht zu viel”, sagt Matmour, „und wir spielen immer Fußball, egal wer der Gegner ist.” Fußball spielen, kombinieren, das geht derzeit bei der Borussia auch, „weil wir einen guten Kader haben, auch vom Kopf her”.

Ein Wohlfühlfaktor abseits des Rasens sind für Matmour die Fans, „du hast immer Bock, hier im Borussia-Park zu spielen”. Und manchmal auch Tore zu schießen. Ein leidiges Thema für Karim Matmour, der nicht gerade ein begnadeter Torjäger ist, „das ist ein bisschen mein Problem”. Ein kleines jedoch nur, denn Matmours Wert für die Mannschaft lässt sich nicht an Toren messen: kaum einer arbeitet so viel im Dienst der Mannschaft wie der Algerier.

Wie wertvoll er ist, belegt eindrucksvoll die Statistik: Matmour kam als 23-jähriger Zweitligaspieler aus Freiburg nach Mönchengladbach und in 47 Erstligaspielen der Borussia seit seinem Wechsel auch 47 Mal zum Einsatz.

Zum dritten Mal die gleiche Startelf

Viele Borussia-Fans haben in Mails und Briefen den Wunsch an den Verein herangetragen, auch in Mönchengladbach noch einmal Abschied von Robert Enke zu nehmen. Der Klub gedenkt seiner ehemaligen Nr. 1 deshalb am Samstag vor dem Anpfiff der Begegnung gegen Schalke 04 (18.30 Uhr).

In die Partie dürfte die Borussia zum dritten Mal in Folge mit der gleichen Startelf gehen, da die leicht angeschlagenen Michael Bradley und Karim Matmour am Freitag ohne Probleme trainiert haben.

Voraussichtliche Aufstellung: Bailly - Levels, Brouwers, Dante, Jaurés - Marx, Bradley - Reus, Arango - Matmour, Friend