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St. Ingbert: Auch Rhenania und Alemannia trauern

St. Ingbert : Auch Rhenania und Alemannia trauern

Der frühere Fußball-Bundestrainer Jupp Derwall ist am Dienstag nach kurzer, schwerer Krankheit im Alter von 80 Jahren gestorben. Nach der Fußball-Weltmeisterschaft 1978 wurde Derwall Nachfolger von Helmut Schön als Chefcoach beim Deutschen Fußball-Bund (DFB).

Unter Schön hatte er bereits von 1970 bis 1978 als Assistenztrainer der Nationalmannschaft gewirkt. Seine größten Erfolge waren der Gewinn der Europameisterschaft 1980 in Italien und der zweite Platz bei der WM 1982 in Spanien.

„Jupp Derwall hatte in den 70er- und 80er Jahren einen wesentlichen Anteil an den großen Erfolgen der deutschen Nationalmannschaft. Mit seiner stets optimistischen und um Ausgleich bemühten Lebensart hat er viele Freunde gewonnen. Seine fachliche Kompetenz war immer unbestritten. Der DFB und der deutsche Fußball verlieren in ihm einen herausragenden Trainer, der in seiner Zeit eine hohe internationale Anerkennung hatte”, erklärte DFB-Präsident Theo Zwanziger.

Derwall, der als Aktiver selbst zwei Mal in der Nationalmannschaft spielte, blieb als Bundestrainer in 23 Länderspielen hintereinander ohne Niederlage. In 67 Länderspielen unter Derwalls Verantwortung gab es 45 Siege, 11 Unentschieden und 11 Niederlagen. Mit dem türkischen Erstligisten Galatasaray Istanbul gewann Derwall die türkische Meisterschaft. Galatasaray bot ihm einen Vertrag auf Lebenszeit an, doch im Sommer 1989 kehrte er in die Bundesrepublik zurück.

Auch Rhenania Würselen und Alemannia Aachen trauern um Jupp Derwall. Der ehemalige Bundestrainer trug von 1949 bis 1953 das schwarz-gelbe Trikot und wurde in einem Atemzug mit Reinhold Münzenberg, Michel Pfeiffer und Jupp Martinelli genannt. Derwall wurde am 10. März 1927 in Würselen geboren. Von seinem Heimatverein Rhenania Würselen wechselte er 1949 zu Alemannia. Im ersten Punktspiel für seinen neuen Verein schoss er gleich sein erstes Tor.

Im Pokalfinale

Derwall erreichte mit den Alemannen 1953 erstmals das DFB-Pokalfinale - in Düsseldorf unterlagen die „Kartoffelkäfer” gegen Rot-Weiß Essen mit 1:2, Derwall erzielte den Ehrentreffer. Im selben Jahr wechselte Jupp Derwall zu Fortuna Düsseldorf, wo der Linksfuß zum Nationalspieler wurde. Über die Schweizer Stationen FC Biel und FC Schaffhausen kehrte Derwall nach Düsseldorf zurück. Bevor Helmut Schön den Würselener in den DFB-Trainerstab holte, arbeitete er für den Saarländischen Fußballverband.

Seit einem Herzinfarkt 1991 wurde es ruhiger um Jupp Derwall. Immer häufiger musste er Einladungen der Alemannia aus gesundheitlichen Gründen ablehnen. Dennoch stattete er den Spielen am Tivoli oder der Traditionsmannschaft ab und an einen Besuch ab.

Seit Jahrzehnten lebte Derwall mit seiner Frau Elisabeth in St. Ingbert im Saarland. Noch zu seinem 80. Geburtstag hatte er sich in unserer Zeitung erinnert: „Nach dem Krieg sammelten wir auf dem Lindenplatz tausende Bombensplitter ein. Vor einem Freundschaftsspiel gegen Schalke fanden mein Freund Johann Simons und ich sogar eine Granate, haben sie ausgebuddelt und mit einer Schubkarre das Ding auf einen benachbarten Rübenacker gebracht, ehe wir spielen konnten.”