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Mönchengladbach: Als Sonck in Dicks Augen schaute...

Mönchengladbach : Als Sonck in Dicks Augen schaute...

Mit Heilsbringern zur Winterzeit hat Borussia so ihre (guten) Erfahrungen. Mikael Forssell war so einer.

Der jungenhafte Finne schoss die Mönchengladbacher, wie es sich für einen Ausnahme-Stürmer gehört, fast im Alleingang raus aus den Abstiegsplätzen.

Jetzt also Wesley Sonck. Der wirkt in seiner Mischung aus Oliver Pocher und Michael Douglas nicht weniger jungenhaft.

Der große Unterschied aber ist: Der belgische Nationalspieler gehört im Sommer dem Klub vom Niederrhein - so dieser nicht absteigt. Bis dahin ist Sonck ausgeliehen. Die Transfersumme - wahrscheinlich irgendwo zwischen zwei und drei Millionen Euro - wird anschließend gestückelt.

„Er ist der Spieler, der genau ins Anforderungsprofil passt”, erklärt Christian Hochstätter. Vor zwei Wochen noch wurde der Sportdirektor aus den unterschiedlichsten Richtungen verteufelt.

Nun steht der Manager bei etlichen „Konvertierten” als der große Strippenzieher da. Und das, bevor Gladbachs vierter Flame auch nur einen Meter für die Borussen gelaufen ist. Vom Kicken ganz zu schweigen, denn frühestens am Montag kann der 26-Jährige nach einer Leisten-Blessur ins Mannschaftstraining eingreifen.

Was aber treibt einen Vollblut-Stürmer, der vor anderthalb Jahren auszog, die niederländische Fußball-Hauptstadt zu erobern, in die Provinz Niederrhein? „Von der ersten Minute an hatte ich ein gutes Gefühl. Und darauf habe ich gesetzt”, erklärt der Belgier seine Entscheidung.

Lieber Stammspieler in Gladbach als Tribünen-Hocker in Amsterdam: Bei Ajax-Trainer Ronald Koeman fand der quirlige Angreifer keinen Platz mehr im orthodoxen Dreier-Sturm (mit zwei echten Außenstürmern).

Deshalb will er „unbedingt den Spaß am Fußball zurückfinden”. Den scheint ihm Dick Advocaat versprochen zu haben. Denn sein spezielles Borussen-Gefühl entwickelte sich in einem langen Gespräch mit dem ehemaligen Oranje-Coach.

Der als großer Schweiger verschriene Trainer-Routinier weiß anscheinend, wann er sich nutzbringend für den Verein öffnen muss. Und übernimmt denn bei der Pressekonferenz auch gleich die Antwort für seinen neuen Stürmer. Der Unterschied zwischen Advocaat und Koeman? „Ich habe mehr Erfahrung.”

Und die führt ihn dazu, neben rein fußballerischen verstärkt auf charakterliche Vorzüge bei seinen Wunsch-Spielern zu achten. „Er ist einfach frech”, beschreibt Advocaat den Gegenentwurf zu seinen bisher in inflationärer Stückzahl vorhandenen Chorknaben.

Soncks „bester Freund in der Fußball-Welt” (Sonck), Bernd Thijs, sieht das ähnlich; beschreibt zuvor aber noch die originären Qualitäten seines alten und neuen Mitspielers: „Er kann dribbeln, kombinieren und ist sehr kopfballstark. Aber vor allem will er jedes Spiel unbedingt gewinnen.”

1,74m und kopfballstark? Perfektes Timing und Sprungkraft wiegen die Defizite in der Längenmessung auf. Er selbst aber bevorzugt bei der Eigen-Beschau die Defensive. „Ich habe meine Qualitäten. Aber ich will darüber nicht reden. Sonst kennt sie nachher jeder.”

Den Spaß am Beruf zurückgewinnen, den Klassenerhalt für die Borussia möglichst früh sichern: Einen fußballerischen Kultur-Schock fürchtet der ehemalige Genker nach seiner Höhenluft-Erfahrung in der Champions League nicht. „Man kann die Ehrendivision nicht mit der Bundesliga vergleichen. In Holland gibt es nur die ersten Drei. Aber dann ...”