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Düsseldorf: Alemannias erfolgreicher Ritt auf der Rasierklinge

Düsseldorf : Alemannias erfolgreicher Ritt auf der Rasierklinge

Warum es am Rhein so schön ist, das haben Adolf von Bergsattel und Franz Suppan zu Beginn des 20. Jahrhunderts in ein Volkslied gegossen. Für Alemannia Aachen erschließen sich die Reize nicht, zumindest nicht am Düsseldorfer Ufer.

Seit dem 14. November 1959, seit einem 4:3 unter dem legendären Trainer Helmut „Fiffi” Kronsbein, endeten sämtliche Ausflüge zur Fortuna sieglos. Das war auch 52 Jahre und drei Monate später so, doch mit einem 0:0 blieb Alemannia im achten Spiel in Folge ohne Niederlage und kletterte sogar auf Tabellenrang 12 - die beste Platzierung in dieser Saison.

„Der Punkt ist sicher eine positive Geschichte”, sagte Kapitän Benny Auer. „Das gibt Selbstvertrauen und Sicherheit für die nächsten schweren Spiele gegen Paderborn und in Fürth.”

Eine Änderung in der Startelf hatte Friedhelm Funkel vorgenommen: Gegen die vermeintlich stärkere linke Düsseldorfer Angriffsseite stellte er Kevin Kratz. Albert Streit rückte auf den anderen Flügel, Alper Uludag - zuletzt ohnehin nicht in bester Form - musste auf die Bank.

Zaghaft in den ersten Minuten

Sicherheit zuerst: Der Plan, Fortunas erwartete Attacken ohne Schaden zu überstehen, ging bis zur Pause auf. Allerdings war das in den ersten 20 Minuten etwas zu verhalten, wie Alemannia in die Zweikämpfe ging. Zu oft zu weit weg vom Mann, und die Vorschläge der Defensive zur Problemlösung mit einem kontrollierten Spielaufbau verpufften in schöner Regelmäßigkeit. Die Mittelfeldreihe als Relais-Station war außer Betrieb. „Mit dem Ergebnis kann ich sehr gut leben”, analysierte dann auch Trainer Friedhelm Funkel, „aber nicht mit der Spielweise. Wir hatten zu viele schnelle Ballverluste. Wir brauchen mehr Zutrauen in unser Spiel.”

Der Ex-Alemanne Rösler tauchte frühzeitig vor Waterman auf, dann drosch Ilsö aus 30 Metern am Tor vorbei, ehe Aachens Schlussmann aus dem Kasten stürmte, um Beister abzudrängen. 6:0 Ecken holte Düsseldorf heraus, erst dann löste Aachen die Handbremse und entdeckte den gegnerischen Strafraum. Auer verzettelte sich, Falkenberg startete kurz danach ein energisches Solo. Pech für den Rechtsverteidiger: Ein rustikaler Einstieg von Lukimya kostete die verletzungsbedingte Auswechslung schon nach 35 Minuten.

Von großer Inspiration war Fortunas Angriffsspiel nun nicht mehr geprägt. Es ging insgesamt fahrig zu, wenig überraschend machte auch Schiedsrichter Deniz Aytekin mit. Der lag zwar richtig mit seiner Abseits-Entscheidung in der 39. Minute, als Streit die erste Aachener Ecke ins Tor vollendet hatte. Doch es hätte Elfmeter gegen die Elfmeter-Meister der Liga (schon elf Strafstöße für Fortuna) geben müssen - wegen eines Handspiels von Levels.

Wohlwollend umschrieben, ging diese Partie auch nach dem Seitenwechsel unorthodox weiter. Freunde der stabilen Grundordnung bekamen hier nichts geliefert, was eine DVD wert gewesen wäre. Die größeren Nachlässigkeiten erlaubte sich weiter die Alemannia; welchen Platz alleine Sascha Rösler erhielt, war abenteuerlich. Zwischen der 59. und 63. Minute tauchte der Torjäger drei Mal vor Waterman auf, scheiterte aber am glänzend parierenden Niederländer, schoss dann reichlich am Pfosten vorbei und konnte schließlich auch einen Kopfball nicht verwerten.

Es war ein Ritt auf der Rasierklinge, den Alemannia da vollführte. Entlastung gab es kaum noch, Olajengbesi bekam weder Druck noch Präzision hinter einen Kopfball, Radu verpasste eine Hereingabe von Auer mit der Stiefelspitze. Düsseldorfs Trainer Norbert Meier hatte längst alles auf den Platz geworfen, was als Offensivspieler gilt wie Furuholm, den Feisthammel in letzter Sekunde bremste. Und dann blieb doch den Gästen der Jubelschrei im Halse stecken: Ilsö klärte auf der Linie nach einem Kopfball von Feisthammel. Benny Auer: „Wir hatten auch unsere Möglichkeiten.” Es wäre ein äußerst glücklicher Sieg gewesen.