Aachen: Alemannia zwischen Zukunft und Vergangenheit

Aachen: Alemannia zwischen Zukunft und Vergangenheit

Der Alemannia-Kalender hat für den 19. August 2011 gleich zwei Termine parat. Der Verein pendelt am Freitag innerhalb weniger Stunden wieder mal zwischen Zukunft und Vergangenheit. Am Abend (18 Uhr) haben die Fußballprofis des Zweitligisten den Auftrag, bei Aufsteiger Hansa Rostock die sportliche Misere zu beenden und die hässliche Null vom Punktekonto zu streichen.

Sechs Stunden zuvor hat die 9. Zivilkammer des Landgerichts Aachen zum Verkündungstermin geladen. Es geht um - Geld. Im Raum soll ein Millionenbetrag stehen, den Michael Kölmel mit einer seit Jahren anhängigen Klage gegen den Verein gerne erstattet hätte, wegen angeblich zustehender Vermarktungseinnahmen. Frithjof Kraemer, Alemannias Kaufmännischer Geschäftsführer, verweist auf das „schwebende Verfahren, da ist es schwer, Stellung zu beziehen. Aber wir sind in der Sache gut beraten und hoffen, dass sie gut für uns ausgeht.”

Kölmel hatte die Alemannia 1998 zu Regionalliga-Zeiten mit einer Finanzspritze von 2,6 Millionen Mark vor der Pleite bewahrt. Im Zuge des Engagements hatten der damalige Präsident Wilfried Sawalies und Kölmel eine Absichtserklärung vereinbart; zur Gründung der darin vorgesehenen Vermarktungsgesellschaft ist es aber nie gekommen. Kraemer: „Wichtig ist, dass wir am Freitag sagen können: Wir haben unseren Vortrag gut gemacht.”

Gegen eine solche Tagesbilanz würde sich auch Peter Hyballa nicht wehren. Fünf Pflichtspiel-Niederlagen in Serie, „das habe ich auch noch nicht erlebt. Klar ist das die bislang kniffligste Situation für mich. Und daran ist kein anderer schuld außer wir selbst.”

Dass durch die missliche Lage eines Tabellenletzten nun die Atmosphäre spürbar anders, aufgeregter wäre, diesen Eindruck hat der Cheftrainer nicht gewonnen. „Wir haben normal weitergearbeitet. Ich weiß nicht, wie es aussieht, wenn die Spieler eine Woche lang am Boden zerstört sind.” Es gelte, die Dinge „sauber und präzise zu begutachten und dann besser zu machen”.

Ob in Rostock eine Systemänderung zum angestrebten Befreiungsschlag beitragen soll, „das werde ich mir noch überlegen”. Am Mittwoch bewegten sich A- und B-Team im 4-3-3; sollte die Formation die Idee für Freitagabend sein, dann kippen Tobias Feisthammel und Alper Uludag aus der Startelf. Neu im Team nach dem 0:2 gegen Energie Cottbus: der „entsperrte” Manuel Junglas und Thomas Stehle, noch ohne Einsatzminute in dieser Saison.

„Die Strategie, sich hinten reinzustellen, ist der falsche Weg”, sagt Hyballa. „Wir dürfen uns nicht ins Abwehrpressing zurückziehen.” Die „Fehlerangst minimieren”, um an der Ostsee zu punkten: „Im Moment stehen wir auf der Schattenseite. Es wird Zeit, mal wieder die Sonnenmilch rauszuholen. Erst mal die mit dem niedrigen Lichtschutzfaktor.”