Aachen: Alemannia verpasst die Belohnung für ihren Einsatz

Aachen: Alemannia verpasst die Belohnung für ihren Einsatz

Ein Trainer eines unterklassigen Vereins wäre wohl vor dem Spiel noch mal zu den Zuschauern gegangen mit der Frage, ob einer seine Fußballschuhe im Kofferraum dabei hat.

Solche Möglichkeiten kommen für René van Eck natürlich nicht in Frage, obwohl Alemannias Trainer Dienstagbend gegen Münster ohne sechs Stammspieler auskommen musste. Kurzfristig hatte sich wieder einmal Kristoffer Andersen (Adduktoren) abgemeldet. Das Reste-Team versuchte, das Beste aus der kritischen Situation zu machen: 1:2 endete die Partie gegen Preußen Münster. Die Mannschaft wurde nicht belohnt für den Einsatz.

Das defensive Mittelfeld, wo einerseits der Widerstand organisiert und andererseits häufig der Angriff initiiert wird, ist fast die größte Problemzone der Mannschaft. Vier Spieler hat der neue Trainer in drei Spielen dort getestet, diesmal stand die Premiere von Mario Erb an, der ein gutes Spiel machte. Mit den eher defensiv geschulten Timo Brauer und Fabian Baumgärtel bildeten sie einen gut gestaffelten Schutzwall, der nur selten am Dienstagabend überwunden wurde.

Aachen hatte den besseren Auftakt. Nach sechs Minuten zischte eine Drehschuss von Denis Pozder knapp am Tor von Münsters Keeper Daniel Masuch vorbei. Pozder stand zum ersten Mal in der Startformation, er machte seine Sache über weite Strecken ziemlich gut, behauptete sich als Einzelkämpfer gegen die Gästeabwehr. Die Hausherren hielten den Gegner weitgehend fern. Sie wehrten sich, wie vom Trainer gefordert.

Freistöße stehen bislang nicht auf der Bestsellerliste der Aachener Mannschaft. An diesem Tag war es ein denkbarer Schlüssel zum Erfolg. Beim ersten Versuch fand Kefkir noch keinen Abnehmer für seine Vorlage (12.). Die beste Gelegenheit, endlich einmal in Führung zu gehen, hatte Schwertfeger nach einem Weber-Freistoß. Sein Kopfballwischer schrammte knapp am Tor vorbei (27.). Und nach dem nächsten ruhenden Ball von Kefkir traf Pozder per Fallrückzieher das kleine Gesicht von Patrick Kirsch und nicht das große Tor (34.).

Münster kam erst mit Verspätung ein bisschen auf Touren. Der Ball lag einschussbereit vor dem diplomierten Torjäger Matthew Taylor, doch Erb verhinderten mit einer gekonnten Grätsche Schlimmeres (38.).

Aachens Elan wurde zwischenzeitlich belohnt, sie errackerten sich eine Führung, die seit vielen Wochen auf der Fahndungsliste auf Platz 1 steht. Münsters Verteidiger Kevin Schöneberg und Torwart Masuch hätten die Szene bequem klären können, sie rechneten nicht mit dem resoluten Einsatz von Kefkir. Der spitzelte den Ball Pozder vor die Füße, und schon kullerte das Spielgerät hinein ins Glück - 1:0 nach 49 Minuten. Münster reagierte wie eine Spitzenmannschaft, sie schalteten sofort hoch. Taylor gelang einsam nach einem Freistoß das 1:1 (65.).

Die Teams begegneten sich auf Augenhöhe. Dass sich die Hausherren dafür auf die Zehenspitzen stellen musste, war klar. Aber sie überzeugten ihr Publikum mindestens mit Leidenschaft. Die Belohnung blieb aber aus. Schöneberg traf zwar nur die Latte (73.). Dann setzte sich Fabian Hergesell energisch gegen Florian Müller ein, seinen Rückpass schob Taylor bequem zum 1:2 nach 84 Minuten ein. Die Partie hatte einen glücklichen Sieger gefunden, und Alemannia landet noch tiefer im Schlamassel.

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