Side: Alemannia: „Oldies” Stehle und Casper schieben keine ruhige Kugel

Side: Alemannia: „Oldies” Stehle und Casper schieben keine ruhige Kugel

Thomas Stehle hatte etwas Pech. Gut gespielt zwar im Test gegen Erzgebirge Aue, nur gehörte der Innenverteidiger zu der Elf, die in der ersten Halbzeit durch Lethargie aufgefallen war. Und so musste auch er am Tag danach zwei Läufe mehr bestreiten als das Team mit Mirko Casper.

„Das hat schon reingehauen”, stellte der Alemannia-Kollege fest. „Aber dafür sind wir ja hier” - um die Grundlagen für einen erfolgreichen Kampf um den Klassenerhalt zu schaffen.

Stehle, 31, und Casper, 29, sind die beiden Dienstältesten im Aachener Trikot. Der eine kam vor siebeneinhalb Jahren vom 1. FC Nürnberg, der andere ein halbes Jahr später von Yurdumspor Köln, vorgesehen für die Zweite Mannschaft, von Dieter Hecking aber schnell zu den Profis befördert. Nun hat es sich ergeben, dass die Abwehrspieler in dieser Saison kaum oder noch gar nicht auf den Platz gelassen wurden. „Aber es gibt nichts zu jammern”, sagt Stehle. „Wir können nur versuchen, uns im Training anzubieten.” Casper sieht das genauso: „Gas geben und sich reinkämpfen. Wir sind beide nicht die Typen, die stänkern.”

Das Schicksal des gebürtigen Moselaners nahm schon gegen Ende der vergangenen Saison seinen Lauf. Beim Spiel in Düsseldorf entwickelten sich Adduktorenprobleme zu einem Muskelbündelriss, Peter Hyballa stachelte Casper an, die Partie durchzuhalten. Folge: „Ich war dreieinhalb Monate verletzt und habe in der Vorbereitung gefehlt. Die Fitness war weg, dann kam ein neuer Trainer” - der in unruhigen Zeiten erst mal wieder Ordnung in den Laden bringen musste.

Während Casper sich in der NRW-Liga (sechs Einsätze) Spielpraxis holte, kam Stehle bei den Profis auf die unbefriedigende Bilanz von 50 Minuten in drei Partien. Dabei hatte die „Axt” die vielleicht beste Saison bei Alemannia hinter sich. „Mit so einer Hinrunde habe ich natürlich nicht gerechnet”, sagt Stehle. Hyballa gefiel es, die Routiniers (auch Benny Auer und Timo Achenbach) in den Senkel zu stellen. „Das hat mich extrem gewundert, und dass ich zum Teil sauer war, kann man sich vorstellen.”

Nun gilt das Innenverteiger-Duo Olajengbesi/Feisthammel, das bis zur Winterpause den Job erledigte, nicht als in Stein gemeißelt. Friedhelm Funkel: „Die beiden haben das gut gemacht. Aber sie müssen aufpassen - die beiden Alten greifen an.” Stehle schätzt der Trainer auch wegen seiner Rolle im Führungszirkel des Kaders. Und dass Casper auf dem Platz „nahtlos einspringen kann, haben wir in den zwei Halbzeiten gegen Köln und Aue gesehen”.

Im Sommer hat Mirko Casper sein Amt als „Kassenwart”, der die Strafgelder eintreibt, an Tobias Feisthammel und Andreas Korte abgegeben. „Ein paar Dinge haben mir nicht mehr gefallen”, Details behält er für sich. Der Allrounder, der schon auf allen Defensivpositionen eingesetzt wurde, will in den Tagen von Side „zeigen, dass ich nicht schlechter bin als andere”. Die Erfahrung lehre: „Man kann auch ganz schnell wieder drin sein.” Am Saisonende läuft der Vertrag aus, „die Zukunft ist völlig offen. Es wäre vorschnell, jetzt für den Sommer zu planen. Der Verein weiß nicht, wo es hin geht, ich weiß es nicht. Ich will nur fit bleiben”. Und zum Einsatz kommen.

Noch bis 2013 gilt der Kontrakt von Thomas Stehle, der auch nach seiner aktiven Karriere dem Verein erhalten bleiben soll. So ist es schriftlich vereinbart, „doch was, wo, wie, das muss noch besprochen werden. Die Fragen sind ja auch, wie lange der Körper noch hält, wie lange ich Lust habe zu spielen und ob die Leistung stimmt.”

Mirko Casper und Thomas Stehle: Die treuesten Alemannen warten unaufgeregt auf ihren Moment. „Ich weiß, was ich an den beiden habe”, sagt Friedhelm Funkel. Und die sind sich einig: „Wer die beste Vorbereitung spielt, der wird gegen St. Pauli dabei sein.”

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