Aachen: Alemannia: Kein Trainer von der Stange

Aachen: Alemannia: Kein Trainer von der Stange

Vielleicht sollte man als erstes einmal die Geschichte aus dem Jahr 2006 erzählen, um René van Eck ein wenig zu skizzieren. Damals war der Niederländer mit dem FC Luzern in die Super League aufgestiegen, ein überragendes Ergebnis.

Es gab nur ein kleines Problem: Der Präsident störte sich natürlich nicht am Erfolg, aber am Aussehen seines Aufstiegstrainers. Lange Haare, ziemlich viele Zeichnungen auf den Armen. Als die Kritik den Tätowierten erreichte, war schnell Feierabend. Kritik an seiner Arbeit würde er akzeptieren, sagt René van Eck. Kritik an Äußerlichkeiten empfand und empfindet er als absurd und ging in der Stunde des Triumphs vom Hof.

Einen ziemlich unkonventionellen Typen hat Uwe Scherr da am Montag bei Alemannia Aachen vorgestellt. René van Eck, Vertrag bis „mindestens 2014”, Niederländer mit einem weichen Schweizer Akzent. Schließlich ist Luzern die zweite Heimat, hier leben seine drei Kinder bei der Ex-Frau.

Vielleicht hat Scherr ganz gezielt unter einer Reihe von Kandidaten den exotischsten genommen. Van Eck ist kein Trainer von der Stange, kein einfacher Typ, das hat schon der eine und auch der andere Funktionär zu spüren bekommen. Der kernige Niederländer gilt als „hart, aber herzlich”. Kein großer Anhänger von blankgewienerten Floskeln. Man kann mit ihm schnell Spaß bekommen, aber vermutlich auch ebenso schnell ziemlichen Ärger. „Auf dem Platz verlange ich Vollgas, sonst kann ich böse werden.” Die Spieler bekamen am Montag einen ersten Eindruck vom temperamentvollen Trainer, der den Lautstärkeregler gleich nach oben schob. Van Eck gilt als unbequemer, anspruchsvoller Fußball-Lehrer. Die Qualität eines Teams zeige sich nicht beim gemeinsamen Rafting, sondern beim gemeinsamen Kampf gegen den Gegner, sagt er. „Ich will hohe Lauf- und Kampfbereitschaft sehen.”

Zeit der Spieler bricht an

Der Neue will sich einen eigenen Eindruck bilden. Geschichten aus der Vergangenheit stören da nur. Energieverschwendung. „Ich mag das nicht, wenn über den ehemaligen Trainer gesprochen wird.” Ohnehin dürfte jetzt eher die Zeit der Spieler anbrechen, sagt Scherr. Denn das Team hat schon ausreichend auf dem Kerbholz. Zu viele Profis laufen seit Wochen der Form hinterher. „Ich stelle mich immer vor meine Mannschaft, aber so wie sie zuletzt aufgetreten ist, fällt mir das schwer”, sagt Scherr. Und noch ein Hinweis: „Die stehen in einer Bringschuld.”

Scherr wollte einen Trainer haben, der in der 3. Liga, aber vor allen auch in einem Nachwuchsleistungszentrum gearbeitet hat. Der Manager selbst ist in einer solchen Talentschmiede sozialisiert worden. Die Trainer dort stehen häufig vor einem Neuanfang, wenn sie wieder einmal ein neues Team entwickeln müssen. „Sie müssen sehr systematisch arbeiten, Spielern immer wieder einen Plan mitgeben, Profis entwickeln”, sagt Scherr. Solche Mannschaften werden meistens von hinten nach vorne entwickelt.

So will auch van Eck in Aachen vorgehen. Auf den ersten Videos hat er bereits beobachtet, wie es zugig durch die Ritzen in Alemannias Defensive pfeift. Van Eck ist groß geworden mit der holländischen Fußballschule und ihrer Betonung des offensiven Spiels. Aber das ist nur der zweite Schritt. „Wir müssen erst einmal Sicherheit finden.”

Van Eck ist ein Pendler, hat in der Schweiz, Österreich, den Niederlanden, Finnland und Deutschland gearbeitet, bewegt sich zwischen Jugend- und Seniorenabteilung. Er will sich wohlfühlen, sagt er, dass ist ihm wichtig. Der 46-Jährige ist ungebunden, treue Reisebegleiterin ist seine Labradorhündin Jame. „Ich will Spaß haben, sonst nehme ich meinen Hund und bin wieder weg.”

Eine größere Rolle bei der Verpflichtung hat Dieter Hecking gespielt. Uwe Scherr hat sich beim Trainer des 1. FC Nürnberg über van Eck erkundigt. Und van Eck hat sich bei Hecking über den neuen Verein erkundigt. Die Auskünfte waren ziemlich positiv, denn seit der Kontaktaufnahme Anfang letzter Woche schwärmt van Eck von diesem Traditionsverein. „Mit diesen Fans kann man viel bewegen, wir müssen Gegner am Tivoli wieder sportlich einschüchtern”, ist sein Plan. Eine freundschaftliche Warnung von Hecking hat van Eck im Gepäck, als er am Montag Aachen erreichte. „Wenn du mich in Aachen enttäuschst, bekommst du mit mir Ärger...”

Timmy Thiele fällt mindestens einen Monat aus

Eine schlechte Nachricht gab es auch an einem solchen Tag, denn der Verein beklagt den nächsten gravierenden Ausfall. Timmy Thiele hat sich am Wochenende bei einem Sturz die Beugesehne des Daumens gerissen und wurde bereits operiert.

Der bislang erfolgreichste Angreifer fällt mindestens vier Wochen aus. Alemannias Lazarett ist somit vor der Partie gegen Unterhaching extrem belegt. Denn vorher hatten sich bereits die Mittelfeldspieler Aimen Demai und Sascha Rösler mit ernsten Knieverletzungen für Monate abgemeldet. Und auch die muskulären Probleme von Kristoffer Andersen sind noch nicht abgeklungen, der Neuzugang ist noch nicht in der vollen Belastung.

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