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Aachen: Alemannia: Ein Manager-Zugang aus Marl-Hüls?

Aachen : Alemannia: Ein Manager-Zugang aus Marl-Hüls?

„Wir brauchen keinen Seeler, keinen Brülls, denn wir kaufen alle Spieler bei Marl-Hüls, und wenn wir auch verlieren, nur das eine bleibt bestehn: Alemannia Aachen wird nicht untergehn!” So klingt es in Alemannias Vereinslied.

Die Hymne der „Drei Atömchen” aus dem Jahr 1967 ist zeitlos, denn gerade geht der Verein vielleicht nicht unter, aber sicher runter. Und auch der schöne Reim auf Marl-Hüls könnte nach 45 Jahren noch einmal aktuell werden. Dort wohnt Uwe Scherr, der wird zwar mit seinen 45 Jahren nicht mehr als Spieler gekauft, aber als neuer Manager am Tivoli ist er ein Top-Kandidat. Nach Informationen dieser Zeitung hat er viele Pluspunkte Anfang der Woche bei seiner Präsentation in Aachen gesammelt.

Natürlich hält sich der Ex-Profi (183 Bundesligaspiele, Meister und Pokalsieger mit Kaiserslautern) in diesem Stadium noch sehr bedeckt. „Ich weiß allerdings, wie so ein Traditionsverein tickt”, sagt der gebürtige Amberger. Die Erfahrungen sammelte er in Kaiserslautern, Köln und vor allem auf Schalke ein.

Dort erwarb er sich am Ende seiner Karriere ab 1999 als Chefscout einen guten Ruf in der Branche. Parallel arbeitete er zudem noch als Trainer in der Jugendabteilung und begleitete zum Beispiel die Großtalente Manuel Neuer, Mesut Özil und Benedikt Höwedes auf dem Weg in die Bundesliga. Die Vorstellungen von aufstrebenden Nachwuchsspielern hat Scherr einmal in einem Interview mit dem Klubmagazin „Schalke unser” skizziert.

„Häufig können diese Spieler ihr wahres Potenzial nicht richtig einschätzen. Die träumen alle von der Champions League, können sich aber in der Oberliga nicht durchsetzen. Da waren einige dabei, die sich da maßlos überschätzten und von ihren Beratern schlechte Ratschläge erhielten. Die schauen dann am Anfang schon aufs große Geld. Da sagen wir dann: Das ist der falsche Weg. Wenn du gut bist, dann kommt das Geld auch irgendwann zu dir.” Vermutlich wird Alemannias nächster Manager, egal wie er heißt, ähnlich sprechen bei der Spielerfahndung.

Die Lage auf Schalke wurde für Scherr ungemütlicher, als Felix Magath mit großem Gefolge in den Klub einfiel. Er leitete fortan erfolgreich das Jugendzentrum. Doch bereits im vergangen Jahr wurden dem Nachwuchskoordinator wichtige Kompetenzen von Schalkes Manager Horst 2Heldt entzogen, und er fungierte nur noch als Sportlicher Leiter der U 9 bis U 15. Im Februar endete nach zwölf Jahren die Zeit bei den Königsblauen.

Die Jobsuche lief an. „Er erfüllt alle Punkte des Anforderungsprofils”, sagt ein Insider. Scherr gilt als fleißig und extrem vernetzt. Mit Cheftrainer Ralf Aussem saß er 2006 ein halbes Jahr lang auf der Schulbank, als sie den großen Trainerschein erwarben. Alemannias Aufsichtsratschef Meino Heyen ließ sich noch nicht in die Karten schauen. „Wir sind in Gesprächen, es stehen noch Kandidaten auf der Liste, weißen Rauch gibt es noch nicht.” Ein Verkündungstermin in dieser Woche gilt deswegen als unwahrscheinlich.