Aachen: Alemannia Aachen: Keiner mehr da, der das Licht ausmacht

Aachen: Alemannia Aachen: Keiner mehr da, der das Licht ausmacht

Die Warnleuchten sind auf Rot geschaltet. Alemannia in Liga 3? Kein abstruses Szenario mehr, der Verein torkelt dem Abgrund entgegen. Nur Mitarbeiter hätte ein solcher Drittligist dann zunächst nicht mehr.

Keine Profis, keine Geschäftsführer, keine Mitarbeiter. Nicht einmal jemanden, der als Letzter das Licht ausmacht. Kein einziger Vertrag gilt nach Informationen unserer Zeitung noch im Abstiegsfall. Und selbstverständlich würde auch der aktuelle Cheftrainer Friedhelm Funkel weiterziehen, daraus hat er nie einen Hehl gemacht.

Der Ausnahmezustand liegt über dem Verein. Und die Beteiligten sind sich einig über das mathematische Vorzeichen des Ausnahmezustands: Es herrscht ein sattes Minus. Es bleibt alleine die Hoffnung, dass das Team an den letzten sieben Spieltagen so viele Siege einheimst wie an den 27 zuvor. Schafft der Klub nicht noch den Klassenerhalt, entgehen ihm hunderttausende Euro.

Spieler wie Uludag, Waterman oder auch Auer, die alle noch über den Sommer hinaus in Aachen gebunden sind, dürften ablösefrei wechseln. Die Goldzähne würden ohne Gegenwert herausgebrochen. Profis würden von einem Abstieg persönlich profitieren, wenn sie als ablösefrei von einem anderen Klub mit einem üppigen Willkommensgeld begrüßt würden. Der einzige Vorteil des Vereins wäre, dass das eine oder andere viel zu üppige Gehalt nicht mehr gezahlt werden müsste, weil der Vertrag gegenstandslos geworden wäre.

Aber vermutlich braucht Alemannia auch in Liga 3 eine funktionierende Fußballmannschaft. Aber wer stellt sie zusammen? Ist das noch einmal eine Aufgabe für Erik Meijer, der für das aktuelle Dilemma natürlich auch verantwortlich ist? Aktuell arbeitet der Niederländer eine Scout-Liste ab, aber die Ausgangslage ist natürlich problematisch. Er muss zweigleisig vorgehen. Der Verein muss sich entscheiden: Ist Meijer Teil des Problems oder Teil der Lösung? Braucht der Klub schnell einen neuen Weichensteller? Der Manager selbst wäre im Abstiegsfall ohne Beschäftigung. Auch sein erst im letzten Sommer verlängerter Vertrag gilt nur bis zur 2. Liga.

Dasselbe Los würde auch Alemannias anderen Geschäftsführer Frithjof Kraemer treffen, dessen Vertrag Ende des Jahres regulär ausläuft. Kraemer hat in den letzten Monaten nach Informationen unserer Zeitung auf einen großen Teil seines Gehalts verzichtet - sein Beitrag zur Konsolidierung. Der Verein hat eine Grobplanung natürlich auch für die 3. Liga bei der Deutschen Fußball Liga abgeben müssen. Die Verwaltung müsste verschlankt werden. Bislang sind dort 35 Mitarbeiter in Teil- und Vollzeit beschäftigt. Es geht um viele Existenzen.

Die Blicke gehen auch diesmal zu Meino Heyen. Der Vorsitzende des Aufsichtsrats ist ein Glücksfall, vielleicht sogar der letzte Glücksfall für den Klub. Gerade hat er in zähen Verhandlungen mit der Stadt Aachen eine wirtschaftliche Perspektive für Alemannia gefunden. Jetzt wartet die nächste Herkules-Aufgabe. Er muss den Verein auch personell neu erfinden. „Die Gespräche sind angelaufen, wer im Notfall zu einer Kernmannschaft gehören würde”, sagt er. Dieses Szenario 3. Liga ist nicht sein Lieblingsthema, solange der Klassenerhalt noch möglich ist. Er redet nicht gerne darüber, sagt aber auch, dass man einen Neuanfang „in fast allen Bereichen” brauchen würde. Wer noch dabei sein würde? Heyen nennt keine Namen, so weit ist die Planung auch noch nicht. Klar ist: Er will möglichst viele Konstanten beibehalten. Klar ist auch, dass die Tarife in Liga 3 andere sein werden.

9200 Zuschauer in Liga 3

Der Hauptsponsor AachenMünchener, ein treuer Wegbegleiter seit einem Dutzend Jahren, hat schon angekündigt, den Gang in die 3. Liga nicht mitzumachen. Sportlich würde sich ein Abstieg auch auf die 2. Mannschaft auswirken: Der Tabellenzweite der NRW-Liga dürfte nicht aufsteigen.

Zumindest finanziell sind die Weichen gestellt für die 3. Liga. Der Ratsbeschluss wird gerade in Verträge gegossen, Stadt und AachenMünchener helfen dem Klub auch in der 3. Liga bei der Umfinanzierung des Tivolis. Das finstere Szenario ist besprochen. Statt zwei Millionen müsste Alemannia nur noch die Hälfte für Zins und Tilgung aufbringen. Der Zuschauerschnitt ist mit 9200 kalkuliert.

Ermäßigte Tickets nur über den Verein

Zum Spiel am Freitag (18 Uhr) gegen Dynamo Dresden bietet Alemannia 5000 Tageskarten zum Preis von je 10 Euro an. Diese Tickets sind ausschließlich in beiden Alemannia-Shops und über die Hotline 01805-018011 erhältlich und nicht in den Geschäftsstellen unserer Zeitung. Die Sonder-Tickets für unsere Leser zum Spiel gegen den VfL Bochum (11. April) sind ausverkauft.
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