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Mönchengladbach: Aggressivität gefragt gegen die „alte Dame”

Mönchengladbach : Aggressivität gefragt gegen die „alte Dame”

Jos Luhukay erhält Angebote. Telefonisch. Nicht, dass ein anderer Klub den Trainer von Borussia Mönchengladbach abwerben möchte. Spielervermittler melden sich, obwohl das Transferfenster geschlossen ist. Aber vertragslose Profis können noch verpflichtet werden. Angepriesen werden Abwehrspieler. Und die Kaufleute in Sachen Menschen können Ergebnisse und Tabellen interpretieren.

1:3, 0:1, 3:2, 1:5 - nach vier Spieltagen hat der Aufsteiger bereits elf Gegentore kassiert und wird vom Boulevard als Schießbude der Liga verspottet.

Die Sorgen der Fans sind nachvollziehbar. Sie fürchten, wenn auch recht früh, dass die Erste Liga nur zur Episode wird. Dabei scheint die Problematik um 180 Grad unterschiedlich zu sein von der der letzten Abstiegssaison.

Vor zwei Jahren erkannte Jos Luhukay, der in der Rückrunde nach dem Rücktritt von Jupp Heynckes für die Mannschaft verantwortlich war, dass die Abwehr erstligareif, die Abteilung Attacke aber nicht bundesligatauglich war. Jetzt also umgekehrt?

Die Konstellation an sich ist Luhukay auf jeden Fall lieber. „Ohne Tore zu schießen, kannst du nicht gewinnen.” Und auch nicht den Klassenerhalt schaffen. Aber auch mit dem Stempel „nicht erstklassig” für seine Defensive ist er vorsichtig. Auch nach der Klatsche in Hannover.

„Das Ergebnis fällt um ein, zwei Tore zu hoch aus.” Über den Lach-Elfmeter zum 1:5 hat er vor einer Woche kein Wort verloren. Es ist nicht seine Art, Alibis zu suchen. Wohl aber, akribisch zu analysieren.

„Wir sind noch nicht gefestigt genug, nach einem Rückstand abzuwarten und ruhig zu bleiben”, erweitert er das nur scheinbare Abwehrproblem auf das gesamte Team. „Blauäugig” nennt er das kopflose Anrennen nach dem 0:1 und selbst noch nach dem 1:4. „Da müssen wir den Laden dicht machen, statt mit Gewalt zu versuchen, das 2:4 zu erzielen.”

Die Lehrlinge in der (noch) schnellen Welt der Bundesliga: „Das Tempo des Gegners nach unserem Ballverlust ist bedeutend höher als in der 2. Liga.” Und betrifft auch die Offensiv-Kräfte. Eine grundsätzliche Untauglichkeit der Abwehr für die gehobenen Ansprüche sieht er nicht. Und besitzt dafür ein drei Punkte starkes Argument: den Sieg über Werder.

Die gewinnbringende Aggressivität und Zweikampfstärke soll auch heute gegen die „alte Dame” Hertha das Lösungsmittel sein. Denn Organisationsprobleme oder „Dysbalance” hat Luhukay auch in Hannover nicht entdeckt. „Bis auf das Huszti-Tor waren wir immer in Überzahl.”

Vielmehr hätte die letzte Schärfe im Kampf Abwehrspieler gegen Stürmer gefehlt, da seien Forssell, Schlaudraff und Huszti einfach überlegen gewesen. „Wir haben 58 Prozent der Zweikämpfe gewonnen - aber nicht die entscheidenden.”

Um das gegen Hertha zu vermeiden, bedarf es auch Umstellungen: Gegen die schlitzohrigen Hertha-Stürmer Pantelic und Voronin müsste er den beweglichen Filip Daems nach innen ziehen. Aber wer spielt dafür links? Oldie Voigt? Er steht immerhin im Kader, anders als Integrationsproblem Jaurès.

Und ist Neuville schon so weit, dass es berechtigt ist, das System zurück auf zwei Sturmspitzen zu ändern und den formstarken Baumjohann dafür zu opfern? Hält der Oberschenkel von Patrick Paauwe? Am Freitag gab der erfahrene Niederländer grünes Licht. Die Antworten gibt´s am Samstag ab 15.30.