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Stuttgart: Advocaat füllt seinen Wunschzettel

Stuttgart : Advocaat füllt seinen Wunschzettel

Ein Lächeln, ein Späßchen, sogar ein Interview nach Ende der offiziellen Pressekonferenz - Dick Advocaat hatte trotz der 0:1-Niederlage im Stuttgarter Gottlieb-Daimler-Stadion erstaunlich gute Laune.

„Es ist keine Schande gegen Stuttgart zu verlieren”, sagt der Trainer von Borussia Mönchengladbach, „der VfB ist eben die besser Mannschaft. Wir haben versucht bis zum Ende dagegen zu halten, den Ausgleich zu machen.”

Advocaat könnte Politiker werden, den dreifachen Punktverlust jedenfalls verkaufte er richtig gut. Vielleicht hatte er nach einem gemütlichen Abend vor der Leinwand seines Heim-Kino aber einfach auch noch viel weniger erwartet und wurde von seiner Mannschaft mit einem engen Spiel überrascht.

„Haben Sie Stuttgart gegen Benfica Lissabon gesehen?”, fragte Advocaat einen Reporter. Er erntete Kopfschütteln. „Ich aber - man muss schon realistisch bleiben. Wenn man gegen Stuttgart mitspielen kann, dann hat man es gut gemacht.”

Politiker-Typ

Advocaats Vorgänger Holger Fach hätte die ganze Sache wahrscheinlich so ausgedrückt: „Wir haben alles gegeben, aber zu mehr reicht die Qualität einfach nicht.”

Aber Advocaat ist eben der Politiker-Typ. Der Niederländer meint das gleiche, und verzichtet dabei geschickt auf die Schelte. Im kleinen Kämmerlein jedoch ist Advocaat mit Sicherheit fleißig dabei, nebst Wunschzettel fürs Weihnachtsfest auch die Streichliste bunt anzumalen.

Überall, wo er bis jetzt gearbeitet hat, sortierte der „kleine General” ohne mit der Wimper zu zucken aus. Teuren Ersatz ließ er sich auf dem Transfermarkt besorgen. „Die Borussia will nach oben. So ist der Job. Das ist überall so”, gibt sich Ivo Ulich zumindest äußerlich gelassen.

Dabei kann sich vielleicht selbst der sympathische Dauerläufer im Mittelfeld nicht seiner Anstellung sicher sein. Advocaat ist seit drei Spielen Trainer des Klubs. Drei Mal in Folge spielte Ulich eher bescheiden. Und Advocaat hat angekündigt, genau hinzuschauen.

Ist er konsequent, befasst er sich aber viel mehr noch mit dem Thema Marek Heinz. Der Tscheche war in Stuttgart schlechtester Borusse auf dem Platz. Immer wieder vertändelte er in der Vorwärtsbewegung den Ball, erlaubte den Schwaben so gefährliche Konter. Ob Thomas Broich an seiner Stelle am kommenden Samstag gegen den Hamburger SV eine Chance hinter den Spitzen bekommt?

„Wir haben uns vorgenommen, bis zur Winterpause noch sechs Punkte zu holen”, sagt Niko van Kerckhoven, der für den verletzten Christian Ziege ins Team rutschte und seine Sache in der Innenverteidigung richtig gut machte.

Der Flame war es auch gewesen, der Advocaats Lächeln beinahe zu einem breiten Grinsen hätte mutieren lassen. War sein Kopfball in der 61. Minute hinter der Linie? „Auf dem Platz war ich überzeugt davon, dass der Ball drin war. Aber nachdem ich die Wiederholung im Fernsehen gesehen habe, muss ich doch zugeben, dass es richtig war, dass der Schiedsrichter kein Tor geben hat.”

Und so blieb es am Ende beim alten Lied: Borussia hat es erneut geschafft, einen angeschlagenen Gegner wieder aufzubauen. Stuttgart feierte nach drei Niederlagen in Folge wieder einen „Dreier”.

„Okay, wir haben nur ein Tor geschossen, aber das ist genug”, freute sich Alexander Hleb, der Kevin Kuranyi in der 57. Minute den Siegtreffer aufgelegt hatte.