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Mönchengladbach: Achsenbruch: Wer wird zum Pannenhelfer?

Mönchengladbach : Achsenbruch: Wer wird zum Pannenhelfer?

Es gibt Zeiten, in denen im Fußball die Protagonisten weiter zusammenrücken. Wenn etwa die erwarteten oder gar geforderten Punkte in der Bundesliga ausbleiben.

Die Kampagne „Ein Team” entsprang in der Abstiegssaison daraus - vergeblich. Doch in der Aufstiegssaison griff der Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft und auch zwischen Team und Sportlicher Leitung.

Zur Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Bremen am Samstag erschien Jos Luhukay im dunkelgrünen Trainingsanzug. Doch keineswegs als zweibeiniges Team-Symbol: Der Niederländer kam frisch vom Trainingsplatz - und dort hatte er diese Woche alle Hände - sind allerdings wie naturgegeben maximal zwei - voll zu tun mit dem Versuch, die Defizite abzubauen.

Zwei Spiele, zwei Niederlagen. Als wenn das speziell für einen Aufsteiger, der möglichst lange auf der Euphorie-Welle schwimmen sollte, noch nicht übel genug wäre: Auch die Probleme sind - leicht untertrieben ausgedrückt - solche der sperrigen Art.

„Individuelle Fehler” hat Luhukay als Quell alles Bösen ausgemacht. „Selbst von Patrick Paauwe. So ein Patzer wie am Samstag in Hoffenheim ist ihm in der letzten Saison in 34 Spielen nicht unterlaufen”, sagt der Borussen-Coach.

Das daraus resultierende Tor „hat uns das Genick gebrochen”. Also keine Abkehr vom System, kein Wechsel der Taktik, „kein System oder keine Taktik kann greifen, wenn du solch individuelle Fehler machst, die direkt zu Toren führen”.

Wie aber stellt man sie ab in der Trainingsarbeit? An Taktiken kann man feilen, System verinnerlichen, aber Klöpse? Wie entstehen sie? Aus Mangel an Konzentration?

Das wäre schön, weil relativ einfach abzustellen. Auch ohne Mental-Trainer. Wenn aber der Hintergrund der Malaise ist, dass in der Ersten Bundesliga alles so furchtbar schnell geht, bleiben nur zwei (Aus-)Wege: Die Spieler müssen sich peu a peu an die Spiel- und Handlungsgeschwindigkeit anpassen.

Jos Luhukay kann nur beten, dass dieser Entwicklungsprozess - learning by doing - nicht zu lange anhält. Der zweite Ansatz wäre, die Kompaktheit der Mannschaft zu verbessern, um damit zu erleichtern, dass die Kollegen noch als Pannenhelfer aktiv werden, bevor das Unheil bzw. der Gegner wieder zuschlägt.

Die Ausbildung zum Gelben Engel war immerhin diese Woche möglich. Anders als zuvor gab es keine Länderspielabstellungen. Speziell Rob Friend könnte davon profitieren.

Samstag konnte der Kanadier, der auf den Jetlag stets heftig mit Kopfschmerzen reagiert, nur eine halbe Stunde eingesetzt werden. Gemeinsam mit seinem Erfolgspartner der letzten Spielzeit, Oliver Neuville.

Doch auch der Parade-Sturm des Aufstiegsjahrs enttäuschte. Nicht gänzlich unerwartet: Friend war bereits vor seiner Strapazen-Tour zum Länderspiel noch nicht bei 100 Prozent, Oliver Neuville ist erst seit knapp vier Wochen im Training - normales Training, wohlgemerkt, nicht der spezielle Kraft- und Konditionsaufbau, dem sich die Spieler in der Vorbereitung unterwerfen müssen.

Paauwe, Friend/Neuville - rein zufällig sind damit zwei wesentliche Teile der ehemaligen Achse benannt, auf der laut Luhukay der Erfolg in der 2. Liga beruhte. Untersucht man die noch fehlenden Teile, erkennt man eines der Grundprobleme, unter dem Borussia derzeit leidet: Auch Roel Brouwers hat mehr mit sich als dem Gegenspieler zu kämpfen, Sascha Rösler, das Herz der Aufstiegsmannschaft, leidet ebenfalls unter Rhythmusstörungen. „Letzte Saison war er ein Leistungsträger, in dieser Anfangsphase hat er Schwierigkeiten”, stellt nicht nur Luhukay fest.

Der Borussia-Karren poltert, mit einem Achsbruch kann man im Rennen um den Klassenerhalt nicht mithalten. Wie also sollten Paauwe & Co. nun ausgerechnet am Samstag gegen Werder Bremen den Karren aus dem Dreck ziehen?

„Wir sind ein Zweitligist, der aufgestiegen ist. Die Bremer Mannschaft spielt schon seit Jahren zusammen und hat jede Menge Champions-League-Erfahrung.”

Doch bevor der Zuhörer zusammensinkt und anfängt zu weinen, spendet der Fußballlehrer Trost: „Auch wenn sie uns spielerisch und finanziell weit überlegen sind - wir haben trotzdem die Chance zu gewinnen.”

Der Marshallplan ist ebenso simpel wie nahe liegend: „Wir müssen die Zweikämpfe gewinnen, sonst nützt auch das beste System oder die beste Taktik nichts”, verkündet Luhukay.

Eine Vorgabe, von der man trotz des Stotterstarts am ehesten erwarten kann, dass die Gladbach-Profis sie verstehen und auch umsetzen können.