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Mönchengladbach: Abrechnung nach Borussias Abstieg: Präsident Rolf Königs unter Druck

Mönchengladbach : Abrechnung nach Borussias Abstieg: Präsident Rolf Königs unter Druck

Die Planungen für eine bessere Zukunft laufen auf Hochtouren. Doch bei Borussia Mönchengladbach wird auf einer wohl turbulenten Jahreshauptsammlung zunächst die Vergangenheit aufgearbeitet. Nach dem Abstieg der Fußball-Profis aus der Bundesliga erwartet den Club-Vorstand um Präsident Rolf Königs am Mittwochabend eine schonungslose Abrechnung.

„Wir müssen vieles besser machen”, räumte Königs bereits ein. Zu einem Rücktritt des 65 Jahre alten Unternehmers wird es jedoch nicht kommen. Denn Königs wurde erst vor einem Monat vom Aufsichtsrat für weitere drei Jahre im Amt bestätigt.

Zur Jahreshauptversammlung werden mehr als 3000 der insgesamt 35.175 eingeschriebenen Mitglieder im Borussia-Park erwartet. Wegen des großen Andrangs findet die Versammlung nicht im Business-Bereich, sondern im Stadion-Innenraum statt. Die Mitglieder sollen sich auf der Südtribüne einfinden, für den Vorstand wird auf dem Rasen ein Podium aufgebaut. Spöttische Mutmaßungen, dass die Ball-Fangnetze diesmal gegen Wurfgeschosse wie faule Tomaten oder Eier eingesetzt werden sollen, machten schon die Runde. Als Hauptverantwortlicher der sportlichen Misere ist Königs von den Kritikern längst ausgemacht worden.

„Fußball lebt von Fachwissen, doch das gibt es bei Borussia Mönchengladbach nicht”, monierte der frühere Borussen-Profi Berti Vogts. Andere Ehemalige wie Winfried Schäfer oder Rainer Bonhof kritisierten zugleich Verfehlungen in der Personalpolitik. „Mönchengladbach hat die Quittung für die vergangenen fünf Jahre bekommen”, klagte Nationalspieler Marcell Jansen, der nach dem Abstieg zum FC Bayern München wechselt.

Königs, der am 6. April 2004 die Nachfolge des gestorbenen Club- Präsidenten Adalbert Jordan übernahm, räumte im Vorfeld der Mitgliederversammlung Fehler ein. Er sagte zugleich aber, dass „alle Entscheidungen in der Absicht getroffen wurden, den Verein vor dem sportlichen Absturz zu bewahren”.

Rund 100 Spieler-Transfers, drei Sportdirektoren und sechs Trainer seit dem Rauswurf von Coach Hans Meyer im März 2003 sind ein Beleg für eine verworrene Strategie des Vereins, der nun mit Trainer Jos Luhukay und Sportdirektor Christian Ziege den Neuaufbau in der 2. Liga angehen muss. Königs glaubt den Club in allen Bereich so aufgestellt, dass die Rückkehr in die 1. Liga gelingen kann: „Das ist unser Ziel für die kommende Saison.”

Zumindest wirtschaftlich ist die Borussia gesund. Für Jansen fließen nach Schätzungen rund zehn Millionen Euro Transfererlös in die Kasse. Trotz des Abstiegs als abgeschlagener Tabellenletzter kamen im Schnitt 46.312 Besucher zu den Heimspielen. 60 Millionen Euro setzte der Verein im Geschäftsjahr 2005 um, der Merchandising- Bereich boomt weiter.

„Auf uns wartet jetzt eine Rosskur, wir müssen aber keine betriebsbedingten Kündigungen vornehmen”, betonte Geschäftsführer Stephan Schippers. Er plant in der 2. Liga mit im Schnitt 29 000 Zuschauern und einem Etat von 29 Millionen Euro.