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Neapel: 20 Jahre nach dem Titel: Neapel hält den Mythos Maradona lebendig

Neapel : 20 Jahre nach dem Titel: Neapel hält den Mythos Maradona lebendig

Totgesagte leben länger, der Mythos Maradona ewig. Zumindest in Neapel. 20 Jahre nach seinem ersten Meistertitel mit dem SSC Neapel am 10. Mai 1987 wird „El Pibe de Oro” von den Fußballfans in Neapel immer noch wie ein zweiter Stadtheiliger neben San Gennaro verehrt.

Allen Dopingvergehen, Steuerhinterziehungen, Mafiagerüchten, Rotlicht-Affären, Alkohol- und Drogenskandalen zum Trotz - der Glanz des „Goldjungen” aus Argentinien ist nie verblasst.

„Er ist ein Gott”, sagen die SSC-Fans noch heute. Mit Maradonas Abschied begann auch Neapels Niedergang. Zerrieben zwischen konkurrierenden Camorra-Clans, eitlen Club-Präsidenten und von Misswirtschaft stürzte der Club in die Pleite und in die dritte Liga. Jahrelang blieb den leidgeprüften Fans nichts als die Erinnerung an die großen „Napoli” -Erfolge mit dem genialen Stürmer.

Die einzigartige Ära Maradona begann in der Stadt am Vesuv 1984. Es wurde eine Zeit, in der ein kleiner „göttlicher Fußballer” Armut, Dreck, Gewalt und Mafia-Kriminalität in dem süditalienischen Moloch für Jahre überstrahlte und vergessen ließ. Vom Schmuddelkind stieg Neapel zur Fußball-Großmacht auf: 1987 schoss Maradona Neapel zum Double, 1989 zum UEFA-Cupsieg und zum WM-Jahr 1990 erneut zur italienischen Meisterschaft. Die „Tifosi” waren stolz wie nie.

Seine Schattenseite wollte niemand sehen. Kokain-Exzesse, seine mutmaßlichen Kontakte zur Camorra, Rotlicht-Affären und Gerüchte um uneheliche Kinder wurden ausgeblendet oder schnell verziehen. Kein Wunder: Süditaliener lieben tragische Helden. Ein kühler Michael Schumacher konnte trotz seiner einzigartigen Ferrari-Erfolge nie ihre Herzen gewinnen. Zwischen Höhenflug und Absturz taumelnde Helden wie Maradona dagegen vergöttern sie.

Noch heute steht Maradona zur Adventszeit als geschnitze Holzfigur fast in jeder zweiten Krippe in Neapel. Gleich neben dem Jesus-Kind. Dass Maradona sein Handtor im WM-Viertelfinale 1986 gegen England damit begründete, dass die „Hand Gottes” im Spiel gewesen sei, erscheint gläubigen Maradona-Jüngern in Neapel nachvollziehbar.

Nicht einmal sein fluchtartiger Abschied 1991 zerstörte die Liebe der zunächst schockierten Neapolitaner zu ihrem Idol. Nach einem positiven Dopingtest floh Maradona über Nacht nach Argentinien. Seine Fans nahmen ihn dennoch in Schutz: „Es war ein Falle, Maradonas Dopingtest war manipuliert.” Sein körperlicher Verfall berührt die Napoli-Fans. Nach Entziehungskuren auf Kuba und den jüngsten Therapien in Argentinien wünschen sie ihm „gute Besserung”.

Ihr Club hat das Comeback geschafft. Der Zweiligaaufsteiger steht als Tabellendritter der Serie B unmittelbar vor seiner Rückkehr auf die große Fußballbühne. Jetzt fehlt den „Tifosi” zur völligen Glückseligkeit nur noch die Heimkehr ihres Idols nach Neapel. Gerufen haben sie ihn oft: Als Spieler, Trainer, Berater und Club-Präsident. Gekommen ist er nie - vielleicht auch wegen der Millionenforderungen der italienischen Steuer. Aber die Hoffnung stirbt nie - zumindest nicht in Neapel.