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Borussia 2019: (Zu) viele Fußballer, aber keine Überzeugungstäter

Borussia 2019 : (Zu) viele Fußballer, aber keine Überzeugungstäter

Die Mönchengladbacher schaffen es beim 1:1 gegen Freiburg nicht, nach der Pause genügend Wucht nach vorne zu entwickeln. Heckings Einwechsel-Aktionen verpuffen.

Und immer wieder kommt die Erinnerung ... Für die Fans von Borussia Mönchengladbach häufig samstags, wenn sie den Worten des gegnerischen Trainers lauschen bei der Pressekonferenz zum Bundesligaspiel im Borussia-Park. „Ein kompliziertes Spiel“, sagt dann etwa Christian Streich, Trainer des SC Freiburg, nach dem 1:1. Und meint die Qualität, die er wie so viele seiner Kollegen dem Team von Dieter Hecking vor allem in der Offensive zuordnet. Die Fußballlehrer also sind überzeugt von der Qualität der Borussia, die Hecking-Schüler selbst nicht (mehr).

Der Schwung (Fußball-Neuhochdeutsch: Flow) der Hinrunde, nach dem sich auch die Gladbacher Fans zurücksehnen, ist verebbt. Und ist offensichtlich für die Borussen-Profis nur schwer wiederzufinden. Das liegt daran, dass diese Mannschaft nach spielerischen Qualitäten zusammengestellt ist. Und genauso spielerisch und natürlich sind Thor­gan Hazard und seine Kollegen in der Hinrunde hineingekommen in die Leichtigkeit des Fußballerseins.

Doch solche Erfolgssträhnen sind endlich, und auf den Erfolgszug kann man nicht einige Stationen weiter einfach mal wieder aufspringen. Mannschaften, deren Hauptwaffen Mentalität oder Angriffswucht sind, fällt es leichter, den Faden nach einer natürlichen Durststrecke wieder aufzunehmen. „Uns fehlt derzeit die Leichtigkeit“, bestätigt denn auch Tobias Strobl das Grundproblem. Erschwerend kommt noch hinzu, dass neben den Erinnerungen an die schöne Hinrunde auch die belastenden an die Heimschwäche mit den zwölf Gegentoren im Jahr 2019 existiert.

Und das war beim 1:1 gegen die Breisgauer bis auf die Zuschauerränge hinauf zu spüren: Die Aktionen wirkten gehemmt, die Maßgabe, einen Schwerpunkt auch wieder defensiv zu setzen, bremst beim Vorwärtsgang. Das war beim 1:0 in Mainz nicht so relevant, aber in einem Heimspiel wiegt diese aus dem Lot geratene Balance weit mehr.

Pléa trifft wieder

Überdeutlich wurde dieses Manko in der zweiten Halbzeit, als die Hecking-Elf die Vorarbeit durch den Ausgleich von Alassane Pléa (16.) nach dem frühen Gegentreffer durch Vinzenco Griffo nicht einmal im Spiel auf ihre Nordkurve zu einem 45-minütigen Run auf den Siegtreffer nutzen konnte. Keine Überzeugung, kein Mumm, keine echten Torchancen. Und dieses Manko wurde durch Heckings Einwechslungen nicht einmal ansatzweise abgebaut.

Denis Zakaria und Kapitän Lars Stindl mussten als erste raus, ausgerechnet die Spieler, die sowohl im Durchsetzungsvermögen als auch in Sachen Mentalität zu den Besseren gehören. Hinein kamen Patrick Herrmann, Florian Neuhaus und Raffael (für Jonas Hofmann) – ein Trio mit dem Alleinstellungsmerkmal spielerische Klasse. Neuhaus habe seine Qualitäten „zwischen den Linien“, erklärte Hecking, und Herrmann sollte „das Spiel über die Flügel“ verstärken.

Der wiedergenesene Raffael kam als Hoffnungsträger für Eins-gegen-eins-Situationen. Doch ohne jeglichen Spielrhythmus wirkte der Edeltechniker in den meist verlorenen Zweikämpfen bockig wie ein Kind, dem man gerade seinen Löffel geklaut hat. Ein tolles Fußball-Trio – wenn’s läuft. Aber keine Überzeugungstäter, wenn es zwickt und klemmt. „Freiburg ist nicht Mönchengladbach“, philosophierte Streich zum Abschluss der Pressekonferenz. Gladbach aber ist auch nicht Frankfurt, Leipzig oder Dortmund. In Sachen Mentalität besteht im Kader noch ein großer Nachholbedarf.