Trainer beklagt fehlende Geschwindigkeit: Wenn Hecking Tempo macht...

Trainer beklagt fehlende Geschwindigkeit : Wenn Hecking Tempo macht...

Es war das fünftletzte Spiel von Dieter Hecking als Trainer von Borussia Mönchengladbach. Und das merkte man. Nicht, weil der Tabellenfünfte mit 1:2 gegen RB Leipzig, den Tabellendritten, verlor. Vielmehr waren es Sätze wie dieser, den der 54-jährige Fußballlehrer vor einigen Monaten noch nicht gesagt hätte.

„Du brauchst auf allen Positionen Tempo.“ Was übersetzt heißen soll: Etliche der aktuellen Mönchengladbacher Profis sind nicht schnell genug, um gegen eine Highspeed-Elf wie Leipzig mithalten zu können.

Zur Veranschaulichung erinnerte Hecking an ein Laufduell von Raffael mit Nordi Mukiele, das der Brasilianer spektakulär um „Längen“ verlor. Ungewöhnlich, ausgerechnet den Edeltechniker für Tempodefizite heranzuziehen. Erst im März hat Borussia den Vertrag mit dem 34-Jährigen um ein Jahr verlängert. Hauptargument: Raffael sei nach wie vor ein Spieler, der den Unterschied ausmachen könne.

Nun gut, der Unterschied war nach diesem Steilpass gegen RB da. Aber natürlich meinten die Gladbacher Verantwortlichen andere Momente, in denen der introvertierte Südamerikaner seine Technik und Geschmeidigkeit gewinnbringend einbringen kann. Seine Geschwindigkeit mit Ball ist deshalb überdurchschnittlich, die ohne krass unterdurchschnittlich. Der sensible Brasilianer könnte sich deshalb zu Recht bloßgestellt fühlen. Wer würde einer Kuh vorwerfen, dass sie nicht fliegen kann?

Eine berechtigtere Frage wäre gewesen, ob Raffael bereits die sportliche Berechtigung besitzt, zum wiederholten Mal in der Anfangself zu stehen. Denn auch seine technisch-fußballerischen Qualitäten kommen nur zum Tragen, wenn er bei 100 Prozent ist. Ist er aber (noch) nicht nach seiner langwierigen Verletzung (Schlüsselbeinbruch).

Das Fass Tempo aufzumachen, war denn auch weniger angebracht als den fehlenden „Punch“ zu beklagen, die finale Aktion im Strafraum der Leipziger, wie es Hecking ebenfalls tat. Sein Kader ist nicht übersät mit Schnecken. Etliche Profis wie Denis Zakaria, der  erneut überragende Mittelfeldspieler der Borussia, oder Thorgan Hazard müssen keine Komplexe entwickeln angesichts der RB-Sprintstärke.

Für den Fußball, den Hecking hat spielen lassen, reicht das bislang aus. Ab dem Sommer könnte das anders werden. Und so darf Heckings Mahnung auch als Aufgabe für Sportdirektor Max Eberl verstanden werden: Sein Nachfolger, Marco Rose, wird bei Borussia – anders als sein Vorgänger – wohl ein strukturiertes Pressing einführen, was der Manager durch „flotte“ Einkäufe beschleunigen könnte.

Nun müssen die Gladbacher Mitglieder der eher langsamen Fraktion nicht jede Nacht schlaflos ihre Kopfkissen aufwühlen. Tony Jantschke etwa bewies wieder einmal, wie wichtig auch Kopf und Spielintelligenz im Fußball sind. Eingesprungen für den verletzten Nico Elvedi (Unterschenkelprellung) startete der Mann aus Hoyerswerda erneut von null auf hundert durch und erlebte nicht ein Mal die Peinlichkeit, von den Usain Bolts aus Leipzig stehengelassen worden zu sein. Und auch Tobias Strobl, erneut zentrales Glied in der Dreierkette, bewies, dass mangelnde Geschwindigkeit in den Beinen durch Tempo in den Nervenbahnen und entsprechendes Stellungsspiel kompensiert werden kann.

Zakaria, Jantschke, Strobl – die Gladbacher Protagonisten einer zurückgewonnenen Defensivstärke. Nur, allein die reicht wohl nicht für das europäische Ziel. „Das ist ein Scheiß-Ergebnis“, fluchte Christoph Kramer, dem ansonsten die Leistung seiner Mannschaft, wohl die beste in der Rückrunde, wahre Freude bereitet hatte. „Wie groß wäre sie erst dann gewesen, wenn wir auch noch gewonnen hätten?!“

Nicht nur RB rennt – die Zeit auch. Nur noch die Partien in Stuttgart, gegen Hoffenheim, in Nürnberg und schlussendlich gegen Borussia Dortmund bieten die Möglichkeit, neben viel Lob auch Punkte zu ergattern. „Wenn wir die Leistung noch vier Mal bringen, dann werden wir Punkte machen“, glaubt Eberl. Und Patrick Herrmann nahm das Thema seines Trainers auf: „Wir müssen jetzt vier Spiele Vollgas geben!“ Diese Aufforderung hat Kopf und Fuß.

Mehr von Aachener Zeitung