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Mönchengladbach: Was tüftelt Lucien Favre für die Spitzenpartie aus?

Mönchengladbach : Was tüftelt Lucien Favre für die Spitzenpartie aus?

Nein, man darf nicht erwarten, dass Lucien Sätze sagt wie „Nous sommes nous“ — nur, weil es gegen die Bayern geht mit ihrem „mir san mir“-Denken. Immerhin aber postuliert Borussia Mönchengladbachs Trainer vor dem Sonntagsausflug nach München: „Wir kennen die Qualität der Bayern, aber wir haben keine Angst. Wir sind auch gut.“

Mehr Selbstbewusstsein geht nicht, für einen Fußballlehrer, der vor einem Spiel jeden potenziellen Stein umdreht, um nicht während der 90 Minuten oder mehr von etwas überrascht zu werden.

Das eint den Schweizer mit seinem Trainer-Kollegen aus Spanien. Pep Guardiola ist wie Favre von Natur aus ein Bedenkenträger, der sich in der Vorbereitung auf ein Match mit allen Eventualitäten beschäftigt. Akribische Vorbereitung, die den schmalen Schritt von Selbstbewusstsein zu Arroganz wenn nicht unmöglich macht, zumindest aber erschwert. Viel verbaler Spielraum bleibt dem Gladbacher Coach eh nicht. Vor jeder Bundesligapartie erhöht er den Gegner auf zumindest „gefährlich“, auch wenn’s „nur“ der SC Paderborn ist. Was also liegt noch über diesen hohen Sphären? Eigentlich nur der Himmel. Aber davon sind in den Augen des 57-Jährigen selbst die Über-Bayern noch weit entfernt. „Jede Mannschaft besitzt eine kleine Stelle“, beschreibt er den Ansatz für einen fußballerischen Hebel, um das schier Unmögliche möglich zu machen. „Keiner ist perfekt, nicht einmal der FC Barcelona.“

Benennen aber will der Schweizer Tüftler diese Achillesferse des Tabellenführers natürlich nicht. Immerhin aber das größte Problem, dass sich nicht nur für seine Mönchengladbacher in einem Duell mit dem Starensemble von der Isar ergibt. „Genug Ballbesitz zu haben.“ Die Seelenverwandtschaft mit Pep Guardiola sorgt für die größte Herausforderung. Denn nach den Bayern ist Mönchengladbach die Mannschaft mit dem höchsten Ballbesitzanteil und auch den präzisesten Pässen (Bayern 87,4 , Borussia 82,4 ). Diese Qualität ist von Favre entwickelt und erarbeitet worden. Zu Anfang seiner Mönchengladbacher Schaffensperiode setzte er das Hauptaugenmerk auf die defensive Stabilität, und machte Borussia zwangsläufig zu einer Kontermannschaft, einer gefährlichen obendrein.

Drei Punkte schwieriger denn je

Mit der neuen Philosophie der Spielkontrolle drei Punkte bei den Bayern zu holen, ist ungleich schwieriger als mit dem damaligen Überfallkommando. „Schnell spielen, schnell denken“, lauten Favres Zauberworte. Das impliziert höchsten fußballerischen Anspruch und führt letztlich auf eines seiner Dauerthemen zurück: die Technik bei der Ballan- und -mitnahme. Nur wenn sich Xhaka & Co. auch unter Druck spielerisch befreien können, werden sie es schaffen, eine von Guardiola taktisch so vielseitig ausgebildete Mannschaft in Verlegenheit zu bringen. Favre liebt fußballerische und taktische Herausforderungen. Doch der Fußballlehrer ist schlau genug, das Spiel am Sonntag nicht gefährlich zu überhöhen. Es ist nur eines von 34. Und gerade um Platz 3 zu verteidigen und bestenfalls zu sichern, muss man im Hinterkopf haben: Was kann ein Spiel gegen die Bayern aus einer Mannschaft machen? Nach einer 0:8-Klatsche etwa einen Haufen ohne Selbstbewusstsein.

Aber auch ein ehrenvolles 0:2 oder 0:3 birgt die Gefahr, mehr als nur ein Spiel zu verlieren, wenn man kollektiv über seine Leistungsgrenze gegangen ist und dennoch keine realistische Chance auf zumindest einen Punktgewinn hatte. Also am Sonntag gegen die Bayern kein Finale und keine Qualifikation zum Einlass in den Fußballhimmel, sondern nur eines von noch neun Bundesligaspielen.

Voraussichtliche Aufstellung: Sommer - Jantschke, Stranzl, Dominguez, Wendt - Kramer, Xhaka - Herrmannn, Johnson - Raffael, Kruse