Aachen / Mönchengladbach: Warum so einfallslos, Herr Favre? Ein offener Brief

Aachen / Mönchengladbach: Warum so einfallslos, Herr Favre? Ein offener Brief

Nach den zuletzt eher, nun ja, durchwachsenen Auftritten hat Lucien Favre, Trainer des Fußball-Bundesligisten Borussia Mönchengladbach, die aufkommende Kritik nicht verstanden. Die Erwartungen seien bei manchen zu hoch, findet der Schweizer. Ein offener Brief an Lucien Favre von unserem Sportredakteur Heribert Förster.

Sehr geehrter Lucien Favre,

Sie haben nach der 0:2-Niederlage der Borussia beim VfB Stuttgart gesagt: „Ich habe von Beginn an gesagt, dass es eine schwierige Saison wird. Viele haben vergessen, wo wir vor zwei Jahren und zwei Monaten waren. Gladbach war tot. Ein paar Leute haben sehr, sehr früh Alzheimer. Ich nicht…“

Sie haben ja recht, Gladbach war tot. Und Sie haben Gladbach wieder zum Leben erweckt. Die Fans werden es Ihnen ewig danken. Und Sie haben Recht, dass man nicht die vergangene Saison als Maßstab nehmen darf. Und Sie haben Recht, dass Dante weg ist, und Neustädter, und Reus.

Der Großteil der Fans hat ja auch gar keine Saison wie die vergangene erwartet, der Großteil der Fans ist glücklich und dankbar, dass die Borussia schon jetzt 41 Punkte auf dem Konto hat. Nein, Borussen-Anhänger sind nicht undankbar. Sie wissen sehr wohl zu schätzen, was Sie, was die Mannschaft, was der Verein in der jüngeren Vergangenheit geleistet hat.

Aber ist der Fan undankbar, wenn er beim Spiel Ihrer Mannschaft zum Beispiel in Freiburg oder Stuttgart vor dem Fernseher sitzt und denkt: Was ist das nur für eine Körpersprache? Warum wirkt das teilnahmslos? Warum wehren die sich nicht? Warum ist das so ängstlich, warum so bieder, warum so einfallslos?

Noch einmal: 41 Punkte sind prima. Aber - Entschuldigung - verdammt noch mal: Sie haben die Chance, sich wieder für die Europa League zu qualifizieren! Da muss doch zumindest sichtbar sein, dass man dieses große Ziel auch erreichen will. DASS MAN ES ERREICHEN WILL!!!

Mehr muss gar nicht sein. Dann könne Sie auch bei 41 Punkten stehen bleiben und die Europa League verpassen! Aber diese Gier, von der Ihr Dortmunder Kollege Jürgen Klopp so gerne spricht, diese Gier auf Erfolg, wo ist sie geblieben? Ganz spontan fällt mir kein gieriger Vortrag Ihrer Mannschaft in der jüngeren Vergangenheit ein…

Mehr muss gar nicht sein. Und der Wunsch, mal wieder wenigstens ein bisschen Erfolgshunger zu verspüren, hat rein gar nichts damit zu tun, dass man irgendwas vergessen haben könnte. Kölns Eishockey-Trainer Uwe Krupp hat nach der 2:4-Niederlage der Haie zum Auftakt der Play-off-Endspiele um die Deutsche Meisterschaft gegen Berlin den schönen Satz gesagt: „Wir können nicht ändern, was passiert ist. Wir können nur ändern, was als Nächstes passieren wird.“ Ändern Sie was!

Mit freundlichen und sportlichen Grüßen

Heribert Förster