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Leverkusen: Wann kehrt die Leichtigkeit bei Raffael zurück?

Leverkusen : Wann kehrt die Leichtigkeit bei Raffael zurück?

Am Freitagvormittag huschte ein junger, schlanker Mann durch die Flure der Bay—Arena. Leon Bailey, 19-jähriges Stürmertalent und aktuell beim KRC Genk unter Vertrag, war angereist zum medizinischen Check — um anschließend einen langfristigen Kontrakt in Leverkusen zu unterzeichnen. „Die Wahrscheinlichkeit, dass er für uns spielen wird, ist also nicht gering“, frohlockte Bayer-Coach Roger Schmidt — am Tag vor dem Duell gegen Nachbar Gladbach, der ebenfalls ein Auge auf den europaweit begehrten Jamaikaner geworfen hatte.

Stolze 20 Millionen Euro forderte Genk zuletzt für den „sauschnellen und technisch starken“ (Schmidt) Angreifer. Noch aber ist die Bundesliga-Story des Leon Bailey Zukunftsmusik — und die Gegenwart bei Bayer wie bei Borussia der Wunsch, nach einer mäßigen Hinrunde den eigenen Ansprüchen endlich gerecht zu werden. Was bislang nicht zuletzt wegen der anhaltenden Formdelle der jeweiligen Starstürmer misslang.

So schwankt Dieter Hecking zwischen Bewunderung und Mitgefühl, wenn er den 31-jährigen Raffael im Alltag beobachtet. „Er ist spielfreudig, zieht Bälle an sich und will entscheidende Dinge machen mit dem gewissen Risiko, das du als Offensivspieler gehen musst“, schwärmt Borussias Coach von der fußballerischen Aura des geschmeidigen Brasilianers — dem die Leichtigkeit abseits der Trainingseinheiten jedoch abhanden gekommen ist.

Dabei übersprang Raffael nach der phänomenalen Vorsaison beim Start in die neue Spielzeit sogar seine üblichen Wiedereingewöhnungsprobleme, glänzte gleich in den Playoff-Spielen zur Champions League gegen Bern wie auch in der Liga. Der Bruch kam mit dem großen Königsklassenabend gegen Barcelona Ende September: Raffaels atemberaubender erster Hälfte folgten ein Muskelfaserriss, ein Monat Zwangspause — und ein Leistungsloch, aus dem der Filigranfußballer aus Fortaleza (drei Tore, drei Vorlagen) seitdem nicht herauskrabbeln konnte. So dass Hecking vor der Partie in Leverkusen betont: „Ein Erfolgserlebnis wäre für ihn wichtig, schon eine Torbeteiligung würde sehr guttun.“

Dasselbe gilt für Leverkusens seit längerem stillgelegte Torfabrik namens Chicharito (28). Wie sein Pendant vom Niederrhein war der treffsichere Mexikaner im Vorjahr der Garant für Bayers Sprung in die europäische Meisterklasse. Auch er knüpfte im Spätsommer an die zuvor gezeigten Leistungen an, schoss in den ersten sechs Ligaspielen fünf Tore. Doch seit dem 2:0 gegen Dortmund am 1. Oktober ist bei der „kleinen Erbse“ Sendepause. Selbst vom Elfmeterpunkt dilettierte Chicharito, gleich zwei Mal.

Beim 3:1 gegen Hertha war immerhin ein leichter Aufwärtstrend bei dem Mann aus Guadalajara festzustellen, der via Twitter und Insta-gram gerne Einblicke in sein Privatleben gibt und zuletzt durch die angeblich geplatzte Hochzeit mit seiner Verlobten Lucia Villalon Schlagzeilen machte. Während Familienvater Raffael (zwei Söhne) die Kochkünste von Gattin Jamilly genießt und sich auf die Geburt seiner Zwillinge im April freut. Borussias bodenständiger Spielmacher (Vertrag bis 2019) tendiert dazu, auch nach dem Karriereende in Deutschland zu bleiben.

Mögliche Aufstellung: Sommer - Jantschke, Christensen, Vestergaard, Wendt - Kramer, Dahoud - Hofmann, Hazard - Stindl - Raffael

(mor)