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Wolfsburg: Von Krise will niemand in Gladbach etwas wissen

Wolfsburg : Von Krise will niemand in Gladbach etwas wissen

Die üblichen Begriffe, die jeden ehrgeizigen Fußballer ärgern, ließ Christoph Kramer gekonnt ins Leere laufen. Natürlich wurde der Weltmeister im Team von Borussia Mönchengladbach nach der 0:1 (0:1)-Niederlage beim VfL Wolfsburg mit Fragen überhäuft. Ist das eine Krise, die Gladbach erlebt? Fehlt es an Kreativität und Torgefahr?

„Krise? Wir haben drei Spiele in Folge verloren und 13 Mannschaften in der Tabelle hinter uns“, sagte Kramer und lächelte dabei souverän. Der Ballverteiler im VfL-Team konnte allerdings auch nicht schlüssig erklären, warum die Borussia den Anschluss an die Tabellenspitze verloren hat. Während Wolfsburg sich als bester Jäger von Spitzenreiter Bayern München etabliert hat, sind Kramer und Co. außer Tritt geraten.

Gut gespielt, viel gelaufen und doch verloren — der 13. Spieltag der Bundesliga wird mit der Frage verbunden bleiben, was eigentlich in Mönchengladbach anders als zuletzt läuft? Kurz nach der Niederlage bei einem unangenehm agierenden Tabellenzweiten, für den Innenverteidiger Robin Knoche schon in der 12. Minute das Tor des Tages erzielt hatte, saß der Frust tief. Gladbachs Verteidiger Alvaro Dominguez warf frustriert seine Schienbeinschützer zu Boden. Die meisten Spieler aus dem Verliererteam schlichen entweder mit hängenden Köpfen oder schweigend vom Platz. Patrick Herrmann schaffte immerhin ein paar selbstkritische Worte. Er hatte in der 30. Minute die größte Torchance der Borussia ausgelassen und war mit einem Kopfball an Wolfsburgs Torhüter Diego Benaglio gescheitert. Herrmann wollte das Wort Krise vermeiden, sprach aber immerhin von einem Problem. „Wir haben ein kleines Loch“, lautete sein Geständnis. „Da müssen wir uns wieder rausziehen.“

Effektivität setzt sich durch

Alle Beteiligten eines winterlichen Fußball-Nachmittages waren sich hinterher einig: Nicht das bessere, sondern das effektivere Team hatte dieses Duell gewonnen. Wolfsburg konnte nicht gerade mit gekonnten Spielzügen in Serie glänzen, stellte die Gladbacher allerdings mit frühem Stören und energisch geführten Zweikämpfen vor große Probleme. Es spielte dem Gastgeber vor 30 000 Zuschauern in die Karten, dass eine frühe und glückliche Führung entstanden war. Eine Flanke von Marcel Schäfer konnte Gladbachs Torhüter Yann Sommer nur zweitklassig abwehren, traf dabei Knoche und ermöglichte ihm damit einen folgenschweren Torschuss. „In der Szene war kein Foul an mir im Spiel. Das war einfach ein bisschen unglücklich von mir“, gestand der Schweizer Schlussmann. Aber Sommer war um seine Rolle auch nicht unbedingt zu beneiden. Sobald der Ball auf ihn zurückgespielt wurde, geriet er unter Zugzwang. Denn Wolfsburg ließ den Gladbachern nur wenig Raum zur Entfaltung und gestattete auch so gut wie keine Konter.

Für Liebhaber des Fußballs, die sich ein wenig mehr Spannung in der Bundesliga wünschen, gehen die Spieltage voller Enttäuschungen weiter. Der VfL Wolfsburg, lediglich sieben Punkte hinter Bayern München zumindest in Lauerstellung, weigert sich mehr denn je, in die Rolle eines Titelanwärters zu schlüpfen. „Das ist nicht unser Thema“, bekräftige Klaus Allofs, der Geschäftsführer der Niedersachsen. Und weil VfL-Trainer Dieter Hecking mittlerweile richtig böse wird, wenn er erklären soll, ob seine Mannschaft die Bayern wirklich jagen könne, sprach ihn am Sonntagabend vorsichtshalber niemand mehr darauf an. Was Wolfsburg und Gladbach eint, bleibt der Klassenunterschied zu den Bayern. Niemand verneint ihn. Keiner weiß, wie es an der Tabellenspitze spannender zugehen soll. „Wir können ein Spiel nicht über 90 Minuten kontrollieren. Die Topteams in Europa können das — wie der FC Bayern“, erklärte Gladbachs Trainer Lucien Favre. Er war nicht im Ansatz böse auf seine Mannschaft und die nächste Niederlage. Favre sieht seine sieglose Mannschaft leiden — und findet das nach dem überragenden Saisonstart der Borussia nicht dramatisch, sondern völlig normal.