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Mönchengladbach: Und am Ende spielt Roel Brouwers doch

Mönchengladbach : Und am Ende spielt Roel Brouwers doch

Es ist ein wunderbarer Zeitvertreib in der Kabine derzeit. Wer will welchen Gegner in der Champions League? Roel Brouwers fände folgende Konstellation nicht schlecht: „FC Chelsea, Real Madrid und Ajax Amsterdam, wenn sie die Qualifikation schaffen“, sagt Brouwers — und grinst.

Natürlich grinst er, weil sie in Mönchengladbach derzeit alle grinsen. Champions League, welch‘ süßen Klang verströmen diese beiden Worte! Genau wie Chelsea und Real und Ajax. Oder Barcelona. Oder Juventus Turin. „Wir sollten das genießen“, sagt der Innenverteidiger. „Eine schöne Gruppe mit großen Gegnern, auch wenn die Chance dann eher gering ist, weiterzukommen.“

Zwischen Tribüne und Bank

Nach dem 2:0-Erfolg bei Werder Bremen und der vollzogenen Qualifikation für die „Königsklasse des Fußballs“ am vergangenen Samstag setzt Bundesligist Borussia Mönchengladbach morgen gegen den FC Augsburg die Feierlichkeiten fort. Und Roel Brouwers wird in Vertretung des verletzten Martin Stranzl bzw. des gesperrten Tony Jantschke die Borussia als Kapitän aufs Feld führen.

Eine Situation, die zu Beginn der Saison nicht unbedingt zu erwarten war. Der 33-Jährige pendelte zwischen Bank und Tribüne, „das war eine neue Situation für mich, eine schwierige Zeit“, sagt der nach wie vor in Heerlen wohnende zweifache Familienvater. Aber Brouwers blieb stets positiv, auch wenn manche Trainingseinheit „nicht so einfach war“.

Aber es kam, wie es in den letzten fünf Jahren eigentlich immer kam: Roel Brouwers hatte immer seine Einsatzzeiten. Auf den fairen Sportsmann (in 147 Ligaspielen für die Borussia sah er nur zwölf Gelbe Karten sowie je eine Rote und eine Gelb-Rote Karte) ist stets Verlass. Er macht nie Überdinger, spielt aber stets solide. In den letzten Wochen spielte Brouwers konstant brillant, „und die Vertragsverlängerung gibt mir das Gefühl, dass ich mich zurückgekämpft und mir es verdient habe“.

Längst ist er Publikumsliebling. Das langgezogene „Roooooooel“ der Fans, „das verursacht immer noch Gänsehaut. Das ist etwas Besonderes, das genieße ich, das gibt ein gutes Gefühl.“ Morgen wieder, auch wenn sich Brouwers die Rolle des Lieblings mit zwei Spielern (gerne) teilen wird. Filip Daems, 36, und Thorben Marx, 33, feiern ihren emotionalen Abschied.

Dass Trainer Lucien Favre den beiden Oldies, die in früheren Jahren maßgeblich an der so rasanten Entwicklung Borussias entscheidenden Anteil hatten, noch keine Einsatzgarantie für ein paar finale Minütchen ausgestellt hat, ist hoffentlich kein schlechtes Zeichen. Beide haben in dieser Saison noch keine Sekunde gespielt, zumindest Kurz-Einsätze sollte der auch in den letzten Zehntelsekunden der Saison noch auf Erfolg gepolte Favre den beiden gönnen bei der rauschenden Party im Borussia-Park.

Denn die wird es geben, unabhängig vom Ergebnis, auch unabhängig von der Leistung der Borussia. Zwar geht es für die Gastgeber eventuell noch um Platz zwei (wenn Wolfsburg in Köln verliert) und für Augsburg um Rang fünf oder sechs, „doch der ganz große Druck ist weg“, findet Brouwers. Wer neben ihm in der Innenverteidigung agiert, ist noch offen, da neben Jantschke und Stranzl auch Alvaro Dominguez (Rückenprobleme) fehlt. Marvin Schulz und Havard Nordtveit sind erste Kandidaten.

Gespräche der Routiniers

Und damit erhöhen sich die Chancen für Daems und Marx, zumindest den Sprung auf die Bank zu schaffen. Was ganz im Sinne der Kollegen wäre. „Natürlich gönnen wir ihnen einen schönen Abschied, dass sie noch einmal auf dem Platz stehen.“ Brouwers weiß, wie wichtig beide für die Borussia waren, auch für ihn.

In der Anfangsphase der Saison hat „Tribünengast“ Brouwers mit Borussias erstem Kapitän Daems und Marx oft genug trainiert, wenn die anderen schon im Bus zum Auswärtsspiel saßen. „Natürlich spricht man dann über die Situation.“ Brouwers, aber auch nicht Marx und Daems haben je geklagt. Der Belgier, der seine Karriere beim VC Westerlo fortsetzen wird, sagt im aktuellen „FohlenEcho“: „Die Mannschaft hat mir immer das Gefühl gegeben, dass ich dazugehöre.“

Morgen könnten die beiden einen würdigen Abschied bekommen, und wenn sie schon nicht in der Champions League der Saison 2015/16 das neue Trikot tragen können, dann sollten sie es beim finalen Spiel der Saison 2014/15 auch noch einmal auf dem Platz tragen. Wenn denn Favre seinen Ehrgeiz ein kleines bisschen zügeln kann...

Nach dem Spiel wird noch mit den Fans gefeiert, am Dienstag steht noch ein Freundschaftsspiel in Hameln auf dem Programm, und dann geht es ab in den Urlaub. Brouwers, der Niederländer, fährt — natürlich — zum Camping nach Südfrankreich. Dort wird er Zeit für die Familie haben, aber auch Zeit, noch einmal über die Gruppe für die Champions League nachzudenken. Paris St. Germain, FC Arsenal und Lazio Rom hört sich auch nicht so schlecht an, oder? Natürlich grinst Brouwers wieder bei diesem Vorschlag...