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Europahoffnungen leben weiter: Thuram erlöst Gladbach in letzter Minute

Europahoffnungen leben weiter : Thuram erlöst Gladbach in letzter Minute

Im vierten Anlauf ist Borussia Mönchengladbach endlich der erste Sieg in der Europa League-Saison gelungen – mit einem Herzschlagfinish. Marcus Thuram wurde zum umjubelten Helden mit seinem Last-Minute-Tor.

Es ist ungewöhnlich, dass so viele Bundesliga-Kollegen den Mönchengladbacher Borussen die Daumen drücken für einen Erfolg in der Europa League. Dazu muss man Tabellenführer der Fußball-Bundesliga sein. Dann hoffen die Konkurrenten aus Dortmund, München und Leipzig, dass die Elf vom Niederrhein zum Beispiel AS Rom besiegt und damit die Chancen steigen, in die K.o.-Phase zu kommen.

Aus dem DFB-Pokal ist Gladbach bereits ausgeschieden, und Rose-Frischlinge, die sich nur noch auf die Deutsche Meisterschaft konzentrieren müssen und den neuen Aktiv-Stil dann ungebremst mit Leben erfüllen könnten, würden den Champions-League-Teilnehmern wohl große Sorgen bereiten. Die eigenützige Unterstützung half: Borussia gelang in der Nachspielzeit durch Marcus Thuram der 2:1-Siegtreffer. Damit springt Gladbach hinter Basaksehir auf Platz zwei der Tabelle der Gruppe J.

Marco Rose warf Marcus Thuram trotz der jüngsten Überlastungsprobleme von Anfang an ins Rennen. Wie angekündigt kehrte im Vergleich zur Leverkusen-Aufstellung auch Gladbachs Abfang-Experte Denis Zakaria in die Startelf zurück. Christoph Kramer und Jonas Hofmann landeten auf der Bank, Laszlo Benes und Lars Stindl bekamen von Anfang an eine Chance. Nicht einmal auf der Bank hockte Patrick Herrmann.

Fruchtbare Tage

Das war nicht erwartet, aber ins Kalkül gezogen worden. Der schnelle Stürmer wird zum ersten Mal Vater, und offensichtlich bekam er das Timing nicht so gut hin wie seine Teamkollegen Stindl und Torhüter Yann Sommer. Der Offensivspieler reiste vor zwei Wochen einen Tag später nach Rom als die Mannschaft, schoss dort den Ausgleich und durfte sich am Tag nach der Rückkehr über Söhnchen Malo freuen. Sommer wurde fünf Tage später Vater einer Tochter (Mila) und ging am vergangenen Samstag müde aber konzentriert seiner Handarbeit beim 2:1-Sieg in Leverkusen nach.

Fruchtbare und aufregende Tage also bei Borussia. Fußballerisch sowieso. Der Mini-Urlaub am Montag, den Rose seinen Schützlingen nach vier Spielen im Drei-Tage-Rhythmus gönnte, führte keinewegs dazu, dass Thuram & Co. loslegten, als gebe es keinen Morgen. Konzentriert und mit gehörig Respekt vor dem italienischen Top-Klub gingen die Gladbacher ins Spiel. Erst nach gut einer Viertelstunde hatten sich die Gastgeber frei gespielt, symbolisiert durch einen Hammer von Zakaria. Den Schuss des Schweizers bejubelten viele Zuschauer bereits als Tor, doch der Ball war nur hinten am und nicht im Netz.

Jetzt schob die Dreierkette mit Matthias Ginter flankiert von Nico Elvedi (li.) und Tony Jantschke hoch bis zur Mittellinie. Die Römer gerieten unter Druck und wirkten defensiv nicht sehr sattelfest. Doch der eine freie Tag schien Jantschkes Muskulatur nicht gänzlich gelockert zu haben. In der 27. Minute beugte er sich schmerzerfüllt vor - es ging nicht mehr. Die nächste Verletzung, die nächste Umstellung: Hofmann kam rein, ging ins Mittelfeld, Zakaria zog sich zurück in die Zentrale der Dreier-Kette, Ginter rückte nach rechts.

Fast hätte Javier Pastore mit einem Solo die kurze Verwirrung zur Führung genutzt, doch Sommer parierte den Schuss des AS-Profis (30.). Doch schnell fing sich Gladbach, eine Torchance aber vertändelte Florian Neuhaus und wurde abgeblockt (31.). Doch dann zahlte sich erneut aus, dass die Borussen-Fans im Hinspiel den Trevi-Brunnen in der italienischen Hauptstadt mächtig mit Münzen schier überfüllt hatten.

Das hatte zum Glückselfmeter gereicht, den Stindl kurz vor Schluss zum 1:1 verwandelte. Und mit Verspätung nahm diese nasse Tradition auch noch Einfluss aufs Rückspiel: Thuram brach über den linken Flügel durch, seine Reingabe fand nur AS-Abwehrspieler statt Gladbacher Stürmer. Da übernahm Federico Fazio deren Aufgabe und grätschte den Ball entschlossen zur Borussen-Führung über die Linie (35.).

Nach einer vergebenen Chance von Stindl (48.) gestattete sich Gladbach nach der  Pause wie in Leverkusen eine Schwächephase. Sommer verhinderte noch eine Bestrafung durch Pastore. Gegen den Schuss von Eigentorschütze Fazio nach einem Freistoß zum 1:1 aber war er machtlos (64.). Die Römer hatten wieder mal ihre Standardstärke bewiesen. Alassane Pléa kam rein (für Neuhaus), die Unkonzentriertheiten blieben. Und leider aus Gladbacher Sicht auch das 1:1. Bis die Erlösung durch Thuram kam.