Mönchengladbach: Sturmbulle Bobadilla als Gladbachs neuer Hoffnungsträger

Mönchengladbach : Sturmbulle Bobadilla als Gladbachs neuer Hoffnungsträger

Es wird ihn beruhigen — Max Eberl ist nicht allein. Bei seiner ihm anempfohlenen Suche nach einem Raffael-Nachfolger oder einem Torjäger überhaupt erfährt Borussia Mönchengladbachs Sportdirektor mannigfaltige Unterstützung, recht konkrete obendrein.

Inzwischen könnte man aus den Protagonisten bereits eine eigene Mannschaft erstellen, die Position auf der Torwartposition könnte ja Jens Lehmann einnehmen — der ehemalige Schalker bewies im königsblauen Dress als Keeper durchaus Goalgetter-Qualitäten.

Schweizer Entwicklungshelfer

Besonders zielführend könnte eine vorgeschlagene Verpflichtung gleich im Doppelpack sein: Roger Assalé und Jean-Pierre Nsame sollten statt für den Schweizer Spitzenreiter Young Boys Bern lieber für den Klub vom Niederrhein auf Torejagd gehen.

Rein zufällig absolvierte am Dienstagabend Bern das Halbfinal-Pokalspiel gegen Basel. YB gewann 2:0, zum Einsatz kam nur der quirlige Assalé, der Ivorer blieb aber torlos. Hilfe aus der Schweiz hat für Borussia inzwischen Tradition. Gleich fünf Profis (Sommer, Elvedi, Zakaria, Drmic, Raffael) stehen im Gladbacher Kader, die einst in der Super League der Eidgenossen aktiv waren.

Der sechste (bei seiner ersten Gladbach-Periode kam er von den Grashoppers Zürich) wurde überraschend nicht genannt, als das Füllhorn an Kandidaten über Eberl ausgeschüttet wurde, wohl nicht nur, weil er bereits für Borussia kickt — wieder mal, eher, weil man ihn schon (fast) als Fehlkauf verbucht hat: Raúl Bobadilla also. Das könnte verfrüht gewesen sein, ebenso wie die Kritik an Eberl, dass er sich auf der Suche nach einem Stürmer der anderen, im Kader nicht vorhandenen, Art für den bulligen Südamerikaner entschieden hat.

Der 30-Jährige ist in der Tat nur schwer auf die Beine gekommen nach seiner Rückkehr von Augsburg zum Borussia-Park. Als es bei der Hecking-Elf lief, war das Duo Stindl/Raffael unberührbar. Als die gute Phase bröckelte, litt Bobadilla unter einer langwierigen Schambeinreizung. Seine Wertigkeit konnte der 88-Kilo-Mann erst beim ehrenhaften 0:1 gegen Dortmund andeuten.

Für den Schwerathleten ist es wichtiger als für andere reine Fußballer, physisch bei 100 Prozent zu sein. Erst dann kann er sein Körperpotenzial einbringen. Eine Woche drauf, am vergangenen Samstag in Hannover, war es soweit. Bobadilla setzte mit seinen Anlauf-, Ballhalte- und Körperqualitäten bereits für ein Ausrufezeichen.

„Jeder weiß, dass es meine Stärke ist, mich in den Zweikämpfen zu behaupten und Unruhe in die gegnerische Abwehr zu bringen“, sagt der Stürmer. „Es ist mein Spiel, vorne die Bälle festzumachen, um für Entlastung zu sorgen, damit die Jungs dahinter etwas durchatmen können.“

Oder, wie Christoph Kramer, für ein Tor per Kunstschuss zu sorgen. Dennoch bewies „Boba“, dass er nicht voreilig der Gruppe „torungefährlich“ zuzuordnen ist: Sein kerniger Schuss aus der Drehung in der 53. Minute symbolisierte Kraft und Entschlossenheit in einer Szene, in denen sich viele Kollegen wieder einmal für den sicheren Pass zum Mitspieler entschieden hätten.

Kein Null-Trauma

Obendrein besitzt er durch seine lange Verletzungspause noch einen weiteren — unbeabsichtigten — Vorteil: Er ist nicht vom Null-Trauma der Kollegen infiziert. „Wenn du vier Spiele kein Tor schießt und kein Spiel gewinnst, dann ist das in der Kabine drin und nimmt immer mehr zu. Die eigene Erwartungshaltung wird nicht erfüllt, obwohl du das Gefühl hast, gar nicht so viel verkehrt zu machen“, dozierte „Doktor“ Hecking am Donnerstag auf der Pressekonferenz zum Spiel.

Am Freitag gegen Bremen können Stindl & Co. sich diese Last endgültig von der Seele schießen.

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