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Hannover: Stranzls lange Mängelliste und Eberls kategorisches Urteil

Hannover : Stranzls lange Mängelliste und Eberls kategorisches Urteil

Seine lange Liste mit den Dingen, die nicht funktioniert hatten, beinhaltete das Feine und auch das Grobe des Fußballs. „Ballzirkulation, Aufbauspiel, Positionsspiel, Bissigkeit, Aggressivität. Bei uns hat einiges nicht gestimmt“, sagte André Schubert. Der Tonfall, den der Cheftrainer von Borussia Mönchengladbach nach der 0:2 (0:0)-Pleite bei Hannover 96 gewählt hatte, war deftig ausgefallen.

Aber es gab auch noch deutlich herbere Reaktionen auf die Gladbacher Niederlage beim Tabellenletzten. Die mitgereisten Fans hatten ihre Mannschaft nach Spielende gnadenlos ausgepfiffen. Und Sportdirektor Max Eberl konstatierte enttäuscht: „So geht Bundesliga nicht.“

Dieses Problem, das sich vor allem in der Rückrunde etabliert hat, wird zum Kuriosum. Wann immer Gladbach in auswärtigen Stadien zum Dienst erscheint, kann sich die Mannschaft nicht erinnern, wie guter Fußball gespielt wird. „Es ist sehr merkwürdig. Ich kann das auch nicht erklären“, sagte Torhüter Yann Sommer, als er die Diskrepanz zwischen guten Heimspielen und schwachen Auswärtspartien erklären sollte. Er musste die Gegentore durch Waldemar Anton (49.) und Artur Sobiech (60.) über sich ergehen lassen. Und er fand es „irritierend, dass wir vorne nicht mehr gefährlich sind“. Da vorne, das hatte es in diesem Spiel aus Gladbacher Sicht so gut wie gar nicht gegeben. Während sich Hannover 96 unter der Regie von Interimstrainer Daniel Stendel hartnäckig den ersten Heimsieg in der Rückrunde erkämpfen konnte, fehlte beim Gast nahezu jeder Zug zum Tor.

Über diesem kleinen Lichtblick, den es an diesem Freitagabend dann doch gegeben hatte, lag ein düsterer Schatten. Und Martin Stranzl war es sichtbar schwer gefallen, das viele Lob für seinen Auftritt entgegenzunehmen. „Klar. Ich freue mich. Aber der Rest“, sagte der Kapitän und verkniff es sich lieber, diesen Satz zu vervollständigen. Dass Stranzl, der monatelang verletzt ausgefallen war und kaum Spielpraxis besitzt, bei seiner Rückkehr in die Startelf gleich wieder überzeugen konnte, bringt seine Kollegen in Erklärungsnot. Wie kann das sein, dass der Österreicher solch ein Zeichen setzt, aber der Rest der Mannschaft die damit verbundene Botschaft nicht versteht. „Da müssen wir uns mal zusammensetzen“, sagte Stranzl. Krisensitzung? Nachhilfe? Im Kampf um den erhofften Einzug in die Champions League gibt es offenbar eine Menge zu besprechen. „Vielleicht hat sich da etwas in dem einen oder anderen Kopf festgesetzt“, befürchtet Stranzl.

Im Hinterkopf wird bleiben, wie wenig Gegenwehr die Gladbacher geleistet haben. Hannover 96 ist im Grunde schon abgestiegen und gibt Nachwuchsprofis wie dem Torschützen Anton die Chance, sich zu zeigen. Solche Experimente fördern bei den Niedersachsen eine Leidenschaft zu Tage, die jene Borussia, die auswärts antritt, einfach nicht zu bieten hat. Das große Ziel, das gemeinsam ausgerufen wird, ist derzeit nicht das Erreichen des 4. Tabellenplatzes, sondern etwas deutlich Bodenständigeres. „Das Heimspiel gegen Hoffenheim ist jetzt das große Ziel für uns“, betont Kapitän Stranzl.

Bis zur Partie am Sonntag (15.30 Uhr) bleibt ihm genügend Zeit, um sich von seiner soliden, aber eben auch anstrengenden Rückkehr zu erholen. Seine physischen Probleme klingen im Vergleich zur aktuellen Auswärtsschwäche von Borussia Mönchengladbach wie Kleinkram.