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Mönchengladbach: Pokal-Aus gegen Leverkusen: Tapfere Gladbacher belohnen sich nicht

Mönchengladbach : Pokal-Aus gegen Leverkusen: Tapfere Gladbacher belohnen sich nicht

Pokal-Duelle sind Spiele mit Leben-oder-Sterben-Charakter. Sagt Leverkusens Trainer Heiko Herrlich. In dieser Diktion erlebte Borussia Mönchengladbach am Mittwoch einen grausamen Tod.

Die Mannschaft von Dieter Hecking kämpfte mit einem unglaublichen Elan und Einsatz Bayer fast nieder, war die bessere Mannschaft — um dann doch durch einen Fehler des jungen Reece Oxford das 0:1 zu kassieren und damit das Viertelfinale zu verpassen. Selten ist eine Niederlage der Rautenträger so beklatscht worden. „Das ist sehr schade“, sagte Gladbachs Keeper Yann Sommer. „Wir haben in allen Belangen ein gutes Spiel gemacht.“ Nicht ganz richtig — das mit dem Toreschießen hatte nicht klappen wollen an diesem Abend.

Für Raffael begannen die Weihnachtsferien bereits früher. Die Wade des brasilianischen Edeltechnikers zwickte noch zu arg. Dafür schaffte es Nico Elvedi wieder in die Startelf. Der Rechtsverteidiger hatte den Kampf mit seinem Pferdekuss am Oberschenkel gewonnen. Nicht unwichtig, erwartete Trainer Dieter Hecking auf der Seite des Schweizers doch den Mann der Stunde von der Mannschaft der Stunde: Leverkusens Leon Bailey, diese so seltene Vereinigung von Schnelligkeit, Technik und Effizienz.

Bei der 1:5-Heimschmach in der Bundesliga war Elvedi mit dem Jamaikaner überraschend gut klargekommen. Erst, als Herrlich Bailey damals zur Halbzeit auf Leverkusens rechte Angriffseite beorderte, drehte der Stürmer groß auf.

Eine Powerstation stellte am Mittwoch Heckings neue Doppelsechs dar: Denis Zakaria neben Reece Oxford — mehr Körperlichkeit geht nicht. Michael Cuisance rückte dafür nach vorne und ersetzte Raffael in der Spitze hinter Lars Stindl. Eine Position, die dem offensiven Abenteuergeist des Franzosen mehr entspricht und ihn von der Region fernhält, in der ein Ballverlust gegen die aggressiven Herrlich-Profis tödlich ist.

So zeigten sich die Leverkusener auch an diesem Pokalabend im Borussia-Park. Doch die Gladbacher waren ebenfalls bis in die Haarspitzen motiviert. Und mit dieser Gemengelage aus Tempo, Technik und Offensivkraft entwickelte sich ein spektakulärer Schlagabtausch — Pokal at its best. Erst klärte Lars Stindl wie gegen den HSV auf der Linie, diesmal aber mit dem Fuß (4. Minute), dann stoppte Leverkusens Panagiotis Retsos einen Ball von Thorgan Hazard, der langsam aber stetig Richtung Torlinie zuckelte (32.).

So viele Ballgewinne hatten die Hecking-Schüler lange nicht mehr, doch alle Versuche, die Umschaltsituationen in Zählbares münden zu lassen, endeten entweder am gut reagierenden Bayer-Keeper Bernd Leno oder am Ungestüm der Borussen.

Keine Pfiffe des Publikums

Die Koalition mit dem Publikum funktionierte diesmal reibungslos, sogar Rückpässe wurden beklatscht, Pfiffe waren nicht zu hören. Auch nicht von Schiedsrichter Manuel Gräfe, als erst Zakaria und später Stindl kurz vor der Strafraumlinie gelegt wurden. Von dieser an sich sympathischen Toleranz profitierte über Gebühr Bayer-Mittelfeldspieler Kai Havertz, der zwei Mal Matthias Ginter den Ellbogen ins Gesicht stieß (13., 37.), aber nur beim ersten Mal Gelb sah.

Auf einen weiteren Gnadenakt Gräfes wollte sich Herrlich nicht verlassen und ließ den 18-Jährigen, der seine Karriere bei Alemannia Mariadorf begann, zur Halbzeit in der Kabine. „Gelb plus Gelb ergibt normalerweise Rot“, schimpfte Ginter, legte den Finger aber auch in eine andere Wunde: „Zu einer guten Mannschaftsleistung gehört auch die Chancenverwertung.“

Nicht in der Kabine ließ Gladbach die Power aus den ersten 45 Minuten. Sie steigerten sie eher noch, aber belohnten sich nicht. Hazard hatte die größte Möglichkeit, als er Jonathan Tah den Ball stahl, auf Leno zusprintete, aber den Schuss direkt auf den Bayer-Keeper setzte.

Was Hazard & Co. fehlte, bewies Bailey par excellence. Kevin Volland nutzte einen Ballverlust von Oxford zu einem Steilpass auf den Jamaikaner, der eiskalt an Sommer vorbei einschoss (70.). Borussia war ins Mark getroffen, nun spielten die Gäste ihre Abgeklärtheit aus. Am Ende blieb den Gladbachern einzig der trotzige Applaus des diesmal vorbildlichen Publikums.