Mönchengladbach: Oxford und Cuisance: Der Kampf um den Fohlenstatus

Mönchengladbach: Oxford und Cuisance: Der Kampf um den Fohlenstatus

Um ihn ging es, Reece Oxford. Und um seinen gleichaltrigen Mannschaftskollegen Michael Cuisance. Und eigentlich hatten die beiden 18-Jährigen es mehr als verdient, nicht nur das Lob ihres Trainers zu erhalten. „Sensationell“ fand Dieter Hecking die Leistung seiner beiden Jünglinge beim 3:1 gegen den Hamburger SV.

Die Mönchengladbacher Jungprofis haben noch nie gemeinsam auf der Doppelsechs gespielt, Cuisance schon mehrere Mal mit anderen Partnern. Aber Oxford, Leihspieler von West Ham United, musste tief in seinen Erinnerungen kramen, um zu entdecken, wann er überhaupt schon mal auf dieser für die Balance einer Mannschaft so wichtigen Position zum Einsatz gekommen ist.

„Irgendwann in der Jugend mal“, gab Hecking die Forschungsarbeit seines Schülers wieder. „Ob er gut war, dass konnte er nicht mehr sagen“, schmunzelte der Fußballlehrer. Borussia hat den hochgewachsenen Londoner als Alternative für seine etablierten Innenverteidiger ausgeliehen. Seinen Einstand in der Anfangsformation hat er aber in Freiburg auf der Rechtsverteidiger-Position gegeben. Und am Freitagabend, drei Tage später musste er plötzlich vor der Abwehr ran. „Ich bin sooooo platt“, ächzte Oxford nach den aufreibenden und laufintensiven 93 Minuten. In seinen Geburtstag hineinzufeiern oder diesen am Samstag überhaupt „aktiv“ zu gestalten, erschien ihm in diesem Moment unmöglich. „Dazu bin ich zu müde.“

Von dem Wutausbruch seines Sportdirektors Max Eberl, nur wenige Meter entfernt in der MixedZone, bekam das Abwehrtalent nichts mit. Nach einem halben Jahr beschränkt sich sein Deutsch auf die üblichen Fußballbrocken. Und die Gladbacher Verantwortlichen können nur hoffen, dass der Engländer mit den jamaikanischen Wurzeln auch die Pfiffe während des Spiels nicht verstanden hat — die Chance besteht, denn sie waren echt deutsch. Und das brachte Eberl so auf die Palme. Nur für die Wortwahl entschuldigte er sich direkt nach der Brandrede.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich der ehemalige Leiter des Gladbacher Nachwuchsleistungszentrums gegen eine überzogene Erwartungshaltung stemmt. Noch nie aber waren die phonetischen Missfallensäußerungen der Überkritischen sportlich so falsch wie am Freitag. Da wurde Cuisance für einen Rückpass gnadenlos ausgepfiffen. Sie hätten ihn bejubeln müssen: Denn der Franzose steht für Vorwärtsdrang, für Risiko. Er muss noch lernen, sich zurückzunehmen zugunsten von Ballbesitz und Sicherheit. Der Rückpass war ein erster Schritt dahin.