Mönchengladbach: Neue Chance für Favres „Florett-Fußballer“

Mönchengladbach : Neue Chance für Favres „Florett-Fußballer“

Kontinuität heißt das Zauberwort bei Borussia Mönchengladbach. Und der Bundesliga-Spielplan liefert eine perfekte Feier-Anderthalbstunde dazu: Ausgerechnet im Derby gegen den 1. FC Köln am Samstag ist Trainer Lucien Favre auf den Tag genau vier Jahre im Amt.

Nur Hennes Weisweiler, Jupp Heynckes und Bernd Krauss waren länger im Amt als Borussen-Coach. Nun ist dieses Quattro-Jubiläum dem Schweizer schnurzpiepegal. Er ist damit beschäftigt, auch in das Spiel seiner Mannschaft Kontinuität zu bringen. Bisher reichte es immer nur für rund zwanzigminütige Phasen mit dem Prädikat „gut“. Selbst die 1:0-Siege gegen Stuttgart und Freiburg waren spielerisch dürftig, beim 0:1 auf Schalke wirkte das Favre-Team sogar hilflos. Ein Dreifach-Stachel also, den sich der Schweizer nur zu gerne mit einer überzeugenden Leistung gegen den Erzrivalen herausziehen würde.

Für Lucien Favre sind solche „besonderen“ Spiele immer auch eine Bühne, auf der er seine akribisch-anspruchsvolle Arbeit präsentieren kann. Und das Derby kommt diesmal nicht zur Unzeit. „In der Hinrunde war die Vorfreude kurz wegen der Europa League. Diesmal währte sie länger“, sagt Max Eberl. Was dem Fan diese Freude, ist dem Gladbacher Trainer seine Vorbereitung. Fünf Tage konnte Favre seine Schüler auf die Aufgabe vorbereiten. Lernziel: Wie hebele ich defensive Mannschaften aus? Letzten Freitag fiel Kruse & Co. nicht viel dazu ein. Eingelullt in ihr Kombinationsspiel fanden sie kaum Zugang zum gegnerischen Tor. „Wir haben nicht schlecht gespielt“, urteilt Borussias Coach gnädig. „Aber es hat die Tiefe gefehlt.“

Womöglich auch ein bestimmter Stürmer-Typus, den Gladbach — immer noch — nicht hat. „Nur“ Schnelligkeit und Technik stoßen als Einbruchmittel bei gut strukturierten Defensiv-Mannschaften wie Schalke oder Köln an ihre Grenzen. Woran es dann mangelt, beschreibt Favre ungewollt in seinem Urteil über den FC: „Sehr athletisch, viel Power, wenig Gegentore.“ Gladbachs Offensivspieler sind Leichtgewichte — Ausnahme André Hahn, der aber gerade erst in den Kader zurückgekehrt ist. Zudem ist seine Welt die Außenbahn. Zentral aber fehlt so ein Body-Fußballer, der mit Kraft und Tiefgang den Erfolg auch mal erzwingen kann. Das Duo Raffael und Max Kruse genügt diesem Anspruch nicht, und auch Thorgan Hazard oder Patrick Herrmann stellen, wenn sie nach innen gezogen werden, eher Florett als Säbel dar.

„Wichtig ist, dass du als Trainer Spaß hast. Und das haben wir zusammen“, begründet Lucien Favre seine für Bundesligaverhältnisse recht lange Schaffensperiode in Mönchengladbach. Für Spaß-Maximierung ist beinahe buchstäblich Max Eberl zuständig. Gladbachs Sportdirektor war oft genug nah dran, den Kader mit einem hochkarätigen Stoßstürmer zu komplettieren. Doch diese Spielzeit und eben auch am Samstag gegen Köln müssen Trainer und Mannschaft sich behelfen — wenn man das angesichts eines sehr hochkarätigen Spieler-Reservoirs überhaupt so ausdrücken darf. Noch mehr Bewegung, auch ohne Ball, Rochaden und auch mehr Mut zum Risiko könnten helfen. Und dann wäre da immer noch die Hoffnung auf einen individuellen Spaßmacher. Raffael besitzt die Qualität. Diese mal wieder zu zeigen, ist überfällig. Das Derby wäre die perfekte Bühne.

Voraussichtliche Aufstellung: Sommer - Korb, Jantschke, Dominguez, Wendt - Kramer, Xhaka - Herrmann, Traoré - Raffael, Kruse

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