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Mönchengladbach: Nach dem 1:2: Korb & Co. zwischen Stolz und Enttäuschung

Mönchengladbach : Nach dem 1:2: Korb & Co. zwischen Stolz und Enttäuschung

Er konnte gar nicht genug bekommen. Bereitwillig lief Julian Korb alle Stationen in der Mix-Zone ab. In der Champions League ist vorgeschrieben, welche Medien zuerst bedient werden müssen — und welche zuletzt. Die schreibende Zunft plus Radiosender stehen am Ende des Weges und der Hierarchie. Und als Borussia Mönchengladbachs Linksverteidiger dort angekommen war, wirkte er längst noch nicht müde.

Schließlich galt es zu berichten, wie er und seine Kollegen beinahe die Sensation gegen den FC Barcelona geschafft hatten. Und nach dem 1:2 gierten die Journalisten nach „Insider-Storys“ über seine Begegnungen mit Barça-Star Neymar, für den die 93 Minuten im Borussia-Park auch so etwas wie eine Leidenszeit waren.

Keiner war dabei dem weißblondierten Brasilianer so nah gekommen wie Korb, einem aus der Talentschmiede der Gladbacher. „Ich kannte ihn nur von der Playstation“, schmunzelte der 24-Jährige, der seit zehn Jahren für die Borussia kickt. Die fußballerischen Künste des Stürmers konnten alle 46.283 Zuschauer im Borussia-Park sehen, seine mangelnde Standfestigkeit auch. Aber Korb konnte Intimeres beisteuern. „Er hat nicht viel geredet — und wenn, dann mehr mit dem Schiedsrichter.“

Das hatte mit dem Auftrag zu tun, den der Gladbacher Abwehrspieler und seine Kollegen von André Schubert bekommen hatten: den trickreichen und torgefährlichen Brasilianer zu nerven. Das gelang bestens, aber auch genervt schafft ein Fußballer dieses Kalibers es noch, Entscheidendes zum Sieg des Favoriten beizutragen: Neymar war an beiden Toren und den meisten Chancen der Katalanen beteiligt.

Das änderte nichts daran, dass Julian Korb sich als Musterschüler von Fußballlehrer Schubert zeigte. Was diesen natürlich nicht überraschte. „In den letzten Wochen war zu sehen, dass er auch in der Zweikampfqualität zugelegt hat“, sagte der Borussen-Coach. Seine persönliche Leistung und die gute Vorstellung der Gladbacher gegen eine, wenn nicht die Spitzenmannschaft im Weltfußball reichten aber dennoch nicht zur allumfassenden Glückseligkeit: „Ob ich stolz bin? Ich glaube, das kommt erst in ein paar Tagen.“

Dennoch pumpte das Adrenalin noch so durch seinen Körper, dass er nach überstandenem Medienzirkel nicht den kurzen Durchgang in die Kabine fand, sondern den kompletten Uefa-Pfad noch einmal zurückmarschierte, um endlich den Weg unter die Dusche zu finden. Max Eberl ist da schon eher ein Mann der kurzen Wege. Und auch der prägnanten Sätze: „Wir stehen hier nach einem 1:2 gegen den FC Barcelona und ärgern uns — das sagt alles“, beschrieb Gladbachs Sportdirektor.

Die Hängepartie zwischen Stolz und Frustration war überdeutlich. Nach dem 0:4 bei Manchester City hatten voreilige Kritiker seiner Mannschaft die Champions-League-Tauglichkeit abgesprochen. Das Duell mit Neymar & Co. aber erzählte eine andere Geschichte. „Als eine Mannschaft mit unglaublicher Moral und Qualität können wir auch solchen Superteams gefährlich werden.“

Ähnlich erleichtert wirkte auch André Schubert. Der Gladbacher Trainer war „enttäuscht über das Ergebnis, erfreut über die Leistung“. Natürlich hätten die Gäste schon in der ersten Hälfte eine ihrer Chancen nutzen können, natürlich hätte auch ein fitter Raffael im Schlussdrittel dem hohen Tempo Tribut zollen müssen.

„Uns fehlte nach der Pause die Entlastung durch seine Vorstöße“, spekulierte Schubert dennoch über die Gewichtigkeit des verletzungsbedingten Ausscheidens des Brasilianers (Muskelfaserriss im hinteren Oberschenkel). Das Zustandekommen der Niederlage aber wurmte seinen Vorgesetzten jenseits allen Respekts vor Barcelona am meisten.

„Wir stehen in der zweiten Hälfte defensiv besser als vorher, lassen kaum was zu. Und dann ist der erste Schuss gleich das 1:1, und das 1:2 fällt nach einer Ecke. Nach einer Ecke! Gegen Barcelona!“, echauffierte sich Max Eberl. Für den Manager einfach nur „paradox“! Der zweite Teil seiner Analyse ist allerdings für Keeper Yann Sommer mehr Klops als paradox. „Ich glaube, dass ich den Ball festhalten muss, also geht das Tor auf meine Kappe.“

Raffaels Erfolgserlebnis

„Noch belohnen wir uns nicht“, sieht Eberl immer noch Entwicklungspotenzial. Das sollte schnell gehen, wenn man den Gruppendritten Celtic noch abfangen will. „Von den Besten lernst du am besten“, steuerte Korb seinen Erkenntnisbeitrag bei. Zumindest Raffael hatte bei aller Enttäuschung noch ein echtes Erfolgserlebnis: Der verletzte Brasilianer ergatterte auftragsgemäß Neymars Trikot für seine Söhne. Was sein Landsmann mit dem Gladbacher Trikot macht, bleibt vorerst ungeklärt . . .