Mönchengladbach will auch gegen Mainz punkten

Selbstbewusste Fohlen : Hecking und die Jagd nach der Mainzer Feder

Eigentlich, aber wirklich eigentlich, ist klar, wie Dieter Hecking die vergangenen zwei Wochen verbracht hat. 14 Tage lang lief Borussia Mönchengladbachs Trainer jubelnd rund um den Borussia-Park.

Dass dieses für Unbeteiligte etwas befremdlich wirkende Verhalten eines 53-jährigen Fußballlehrers – eher für seine Uneitelkeit und stoische Art wenn nicht berühmt, zumindest aber bekannt – nicht weiter aufgefallen ist, lag womöglich an seiner Kopfbedeckung. Hecking trägt seit dem vorletzten Wochenende einen Hut, geschmückt mit einer Feder. Sie ist keine fremde, sondern eine verdiente: Der 3:0-Sensationssieg in München beruhte auch auf der List des Westfalen, Lars Stindl nicht nur aus dem Hut zu zaubern, sondern bei seinem Comeback auch gleich noch als Neuner auflaufen zu lassen.

Selten ist ein Erfolg so eindeutig auch einem Fußballlehrer und seinem – im Jungtrainer-„Deutsch“ – Matchplan zuzuordnen wie diese Überraschung des 7. Spieltags. Das ist Fakt, im Gegensatz zum geschilderten Balzverhalten des Dieter H. Der Gladbacher Coach würde niemals seine List zum waidmännischen Zaubermittel ausrufen, noch seinen Plan zum Geniestreich erhöhen, der in alle Lehrbücher der Trainerausbildung Eingang finden müsste. Dazu fehlt ihm neben dem selbstüberschätzenden Charakter auch das verschrobene Vokabular, um dem Geschehen eine sportwissenschaftliche Überbedeutung anzudichten.

Und selten passt zu seiner postbajuwarischen Situation besser der Ausdruck: ein Alter Hut. Denn die aktuelle Aufgabe im Sonntagsspiel zu Hause gegen Mainz 05 (18 Uhr) ist eine völlig andere, und sie wird sich auch nicht dadurch erleichtern lassen, dass Hecking einfach den Bayern-Plan wiederholt (Neuhochdeutsch: Stindl-Plan 2.0). Mainz ist nicht Bayern, die Rheinhessen haben als Tabellenachter nicht mal den Hauch einer Krise, Ballbesitzfußball ist ihnen so fremd wie all den Klassenbesten der Kölner Trainerausbildungsjahrgänge die Demut.

Und im Grunde wäre die Partie gegen den einzig verbliebenen Karnevalsverein der Ersten Liga bestens geeignet, allen Ahnern eine Nase zu drehen und den Kapitän gar nicht in der Startformation auflaufen zu lassen. „Ich hoffe, dass ich immer mit meiner Auswahl richtig liege, so wie in München. Aber es wird auch mal nicht klappen“, referierte der 53-Jährige am Freitag auf der Pressekonferenz zum Spiel.

Es fehlt nur noch Raffael

Die Chancen dazu werden immer höher. Derzeit fehlt lediglich Raffael, der aber in der kommenden Woche wieder ins Training einsteigen soll. Für Hecking ein ungewohntes Bild und eine neue Herausforderung, auch die Nichtberücksichtigten bei Laune zu halten. „Vor jedem Training erhalte ich ein Papier, um die Übersicht zu bekommen: Wer fehlt, ist rot markiert, die anderen grün. Wir stehen kurz davor, dass alles grün ist. Was auch ein Beleg für die herausragende Arbeit unserer medizinischen Abteilung ist.“ Das war in der Analyse der vergangenen, enttäuschenden Saison ein wesentlicher Punkt. Extern nahm allerdings auch die Kritik am Trainer einen großen Raum ein. Doch auch der surft gerade auf einer grünen Welle. Und ordnet diese geänderte Seelenlage „trocken“ ein: „Ich bin weit weg von persönlicher Genugtuung. Gerade in Phasen, wo es nicht gut läuft, bin ich am stärksten“, erklärt Hecking. Und kreiert mit dieser Selbsteinschätzung womöglich ein Wirrwarr im eigentlich euphorisierten Gemütszustand der Rauten-Liebhaber. Wird der so listige Hecking umso mehr nachlassen, desto stärker seine Mannschaft wird?

„Unsere Maßnahmen scheinen zu greifen“, sagt Hecking und betont dabei das Wörtchen „scheinen“. „Aber es wird auch Rückschläge geben.“ Spätestens dann könnte er nach eigenem Credo wieder zu Höchstform auflaufen. Aber es muss ja nicht gleich am Sonntag gegen Mainz sein . . .