Mönchengladbach verliert gegen Leipzig 1:3

Erste Heimniederlage unter Marco Rose : Timo Werner lässt Rainer Bonhof leiden

Borussia Mönchengladbach unterliegt RB Leipzig durch drei Treffer des stark aufspielenden Nationalspielers Timo Werner mit 1:3 und kann die Vorgabe von Legende und Vize-Präsident Rainer Bonhof nicht erfüllen.

Die Anweisung kam von ganz oben. „Ein 1:0 in der 89. Minute.“ So lautete die Vorgabe von Rainer Bonhof, Borussia Mönchengladbachs Mittelfeld-Legende und Vize-Präsident, für das Bundesligaspiel gegen RB Leipzig.

Das war nicht so ganz ohne, schließlich schloss das neben einem Sieg auch noch ein Drehbuch ein. Und das nach neun sieglosen Heimspielen und gegen einen Gegner, den man in allen sechs Liga-Duellen nicht bezwingen konnte. Aber natürlich war die Direktive eher ein Wunsch und ein Herz-Schonprogramm für den 67-Jährigen. Doch daraus wurde ein Stresstest: Der Klub-Vize musste mit ansehen, wie seine Borussia mit 1:3 gegen Leipzig verlor.

Die Sehnsucht des Traditionsvereins nach dem ersten Dreier gegen den Retortenklub war groß. Da wundert es nicht, dass im Vorfeld aus der Geschichte des neuen Trainers Hoffnung gesogen wurde. Nach dem Motto: Marco Rose weiß, wie man Leipzig schlägt. Das hat er 2018 mit seinen Salzburgern in der Europa League gleich zwei Mal bewiesen. Doch das mit einer eingespielten Mannschaft, die wusste, was er wollte. Dieses Wissen hat zu 100 Prozent nur Roses Mitbringsel von RB Salzburg, Stefan Lainer. Die anderen sind noch im Stand von Lernenden.

Wie geht man dann gegen einen Gegner vor, der auf eine jahrelange Entwicklung zu einem Pressingmonster zurückblicken kann? Feuer mit Feuer bekämpfen, kollektives Anlaufen selbst wenn man naturgemäß noch mit Anlaufschwierigkeiten zu kämpfen hat? Roses Vorgänger Dieter Hecking ging bei derlei anspruchsvollen Aufgaben am liebsten konservativ vor: Erst mal abwarten und schauen.

Glaube an den Mut

Rose ist progressiver ausgerichtet. Aktivität steht über allem. Statt also nach der Devise Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste, lieber der Glaube an den Mut als Vater der Punkte(Spektakel)truhe. Und das drückte sich am Freitagabend auch in der Aufstellung aus. Eine Änderung gab es gegenüber der Startelf in Mainz: Mittelfeldspieler Laszlo Benes, der zuletzt rechts in der Raute stark spielte, wanderte auf die Bank, mit Breel Embolo auf der 10 hinter den Spitzen setzte der Gladbach-Coach auf mehr Wucht und Offensive.

Im Übereifer übertrieb es der Ex-Schalker damit und kassierte früh die Gelbe Karte (3.). Doch das hinderte ihn nicht, auch positive Zeichen zu setzen. Per Doppelpass brachte die Schweizer Wuchtbrumme Alassane Pléa zum Volleyschuss, den der Franzose ähnlich hoch übers Tor jagte wie eine Minute später Embolo (10./11.).

Gladbach blieb aktiv, mutig, auch Embolo, der sich nicht von misslungenen Soli entmutigen ließ. Und auch Pléa unterstrich eindrucksvoll seine Frühform. Doch wie man Klasse und Kaltschnäuzigkeit verbindet bewies ein anderer. Unglück­licherweise aus Gladbacher Sicht ein Leipziger: Timo Werner. Vor ihm hatte Rose gewarnt: „Die Tore, die er schießt, haben ein gewisses Muster. Wenn er den ersten Ball tief bekommen kann, wird es schwierig. Aber Timo ist auch nur ein Mensch. Wir haben Jungs, die in der Lage sind, ihn zu verteidigen.“

Überraschender Führungstreffer

So weit die Theorie. In der Praxis aber konnte Matthias Ginter, der offensichtlich keinen Strafstoß riskieren wollte, Timo Werner nicht stoppen, der Nationalstürmer erzielte nach einem Tiefenpass von Emil Forsberg das überraschende 1:0, sein sechstes Tor gegen Gladbach in sieben Spielen (38.).

Auch in der Pause konnte Rose seinen Abwehrspielern keinen Zaubertrunk verabreichen: Diesmal war es Nico Elvedi, der den RB-Stürmer nicht stoppen konnte. Werner schob etwas glücklich zum 2:0 ein (48.). Kalte Dusche – aber Gladbach rappelte sich wieder auf. Ein von Willi Orban an die Querstange gelenkter Flankenschuss von Lainer weckte die Lebensgeister (58.). Noch näher an ein Tor kam Embolo, aber der Schweizer zeigte sich kurz vor RB-Keeper Peter Gulacsi zu zögerlich (67.).

Der Glaube war noch immer vorhanden, die Chancen auch. Aber an diesem Abend fehlte den Rose-Schülern die Kaltblütigkeit und gnadenlose Effizienz eines Timo Werner. Bis zur Nachspielzeit, als Embolo per Kopf auf 1:2 verkürzte – zu spät. Zumal Werner noch einmal zuschlug.

Die nächste Chance, weniger zu leiden, bekommt Rainer Bonhof beim Derby in Köln. Kontrastprogramm zu Leipzig: Der FC ist der Verein, gegen den Borussia am häufigsten in der Liga gewonnen hat (48 Mal).

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