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Mönchengladbach: „Mit Wut im Bauch“ gegen Schalke 04

Mönchengladbach : „Mit Wut im Bauch“ gegen Schalke 04

Verlängert Borussia Mönchengladbach seine Niederlagenserie auch heute Abend beim Tabellenletzten Schalke 04?

Sogar die Homepage von Borussia Mönchengladbach titelte nach dem Champions-League-Aus gegen Manchester City: „Eine Nummer zu groß“. Nun muss man wissen, dass die vereinseigene Medienabteilung durchaus journalistisch unterwegs ist und nicht nur alles durch die rosarote oder besser schwarz-weiß-grüne Brille betrachtet. Doch diese implizierte Aussichtslosigkeit, eine Aufgabe sportlich zu lösen, trifft dennoch nicht den Kern des Problems, das die Mannschaft von Marco Rose seit Wochen mit sich rumschleppt. Gladbach scheiterte schon an vielen Nummern, an unterschiedlichen: ganz großen wie zuletzt zwei Mal Manchester City, großen wie RB Leipzig, Borussia Dortmund, Bayer Leverkusen, kleinen wie Mainz 05, dem 1. FC Köln und dem FC Augsburg.

Und jetzt, am Samstag (18.30 Uhr) auf Schalke? Was ist das für eine Nummer? Eine im Minus-Bereich durch nur einem Sieg in der bisherigen Saison (9. Januar 4:0 gegen Hoffenheim) des Gegners? Letztendlich egal, denn diese Sammlung von Niederlagen ist ein Nummernsalat: Kummer mit jeder Nummer! Das belegt, dass es nicht um den jeweiligen Kontrahenten mit seinem besonderen Profil, sondern immer nur um Gladbach selbst geht. Das wird in Gelsenkirchen nicht anders sein.

Der Blamage-Faktor ist hoch, wenn Gladbach zum Tabellenletzten reist. 04 könnte nicht nur eine Null-, sondern auch eine Minusnummer werden. Trotz eigener Schreckensbilanz. „Sie haben ein neues Gesicht bekommen“, sagte Marco Rose und meinte auf der digitalen Pressekonferenz zum Spiel nicht nur Schalkes neuen Trainer ansich. Der Gladbacher Coach sieht unter Dimitrios Grammozis auch eine inhaltliche Veränderung. „Sie haben eine andere Organisation, sind defensiv stabiler geworden und bringen auch offensive Qualität auf den Platz.“ 66 Gegentore und nur 16 erzielte Treffer sind für Königsblau aufgelistet. Doch diese 16 haben nach den Erfahrungen Roses in Augsburg für Borussia Mönchengladbach im Monat März des Jahres 2021 durchaus Schreckenspotenzial. „Wir müssen klarer verteidigen – und das in jeder Situation. Im Moment reicht gegen uns wenig, um Torchancen zu bekommen und zu verwerten.“

„Emotionen, aber auch klarheit“

Gilt diese Gefahr auch bei der torungefährlichsten Mannschaft der Liga? Zumindest hat Rose nach dem 0:2 gegen ManCity ungefragt beide Innenverteidiger gelobt. Verständlich, denn gegen eine Mannschaft, deren Offensive fast nur aus Mittelfeldspielern besteht, ist der Zugriff für Defensivspezialisten auf die extrem variablen Angreifer so schwierig, wie Fische mit Gummihandschuhen zu fangen. Da ist Profis wie Mathias Ginter und Nico Elvedi ein orthodoxer Stürmer wie Schalkes Sturmspitze Matthew Hoppe sicherlich lieber. Aber Amine Harit oder Suat Serdar besitzen durchaus Durchflutsch-Potenzial, speziell wenn Künstler wie Florian Neuhaus vor der Viererkette als Sechser weiter ihre Defizite in der Defensiv-Arbeit pflegen.

Yann Sommer hat ein Rezept, wie man auf Schalke vorgehen sollte. „Mit Wut im Bauch“, schlug Gladbachs Torhüter vor. Sein Trainer erweiterte das Anforderungsprofil in Richtung Geduld. Schließlich hielten die Westfalen auch beim 0:5 in Wolfsburg lange Zeit mit. „Emotionen, aber auch Klarheit“, forderte Rose. „Diese Mischung braucht man für einen perfekten Spannungsboden.“

Man benötigt nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, dass der 44-Jährige ebenfalls einen Kampf mit Emotionen auszufechten hat. Der zukünftige BVB-Trainer hat bereits zugegeben, dass die Situation auch an ihm nage. Seine öffentlichen Auftritte sind allerdings überwiegend von Souveränität und nüchterner Fachlichkeit geprägt. Auch diese Fähigkeiten gehören zur Aufgabe eines Fußballlehrers in Krisenzeiten.
Voraussichtliche Aufstellung: Sommer - Lainer, Ginter, Elvedi, Bensebaini - Kramer, Neuhaus - Hofmann, Stindl, Thuram - Pléa