Aachen: Max Eberl und Jörg Schmadtke: „Das geht schon in Richtung Freundschaft“

Aachen : Max Eberl und Jörg Schmadtke: „Das geht schon in Richtung Freundschaft“

In erster Linie, und das muss man wohl so schreiben, sind Max Eberl und Jörg Schmadtke Rivalen. Ihr Job bringt das so mit sich, der eine ist Manager von Borussia Mönchengladbach, der andere der des 1. FC Köln, und da schwingt die Rivalität nun mal schon in den Klubnamen mit.

Man sollte das mit der Konkurrenz am Rhein aber auch nicht überbewerten, Schmadtke hat nichts gegen Eberl, und Eberl hat nichts gegen Schmadtke, im Gegenteil. Die beiden Fußball-Manager verstehen sich prächtig, man kennt sich, schätzt sich, mag sich.

Zu Besuch in Aachen: Die Manager Max Eberl (rechts) und Jörg Schmadtke (2. v. r.) im Gespräch mit unseren Redakteuren.

Am Samstag wird diese Sympathie trotzdem zurückgestellt werden, zumindest für 90 Minuten, dann, wenn die Borussia den FC zum Derby im Gladbacher Borussia-Park empfängt. Schon vor dem prestigeträchtigen Duell sind die beiden Manager in unserer Redaktion in Aachen aufeinandergetroffen. Im Gespräch mit unseren Redakteuren sprachen Schmadtke, 50, und Eberl, 41, über…

Mit Peter Stöger hat es „auf Anhieb sehr gut geklappt“: Jörg Schmadtke.

... die erste Zusammenarbeit

Freut sich sehr auf das rheinische Derby gegen Köln: Max Eberl.

Schmadtke und Eberl sind Kinder der Bundesliga, sie kennen sich viele Jahre. Kölns Manager spielte für Düsseldorf, Freiburg und Leverkusen, Eberl schnürte für Bayern München, Bochum, Greuther Fürth und Gladbach seine Schuhe. Und vor gut 16 Jahren, da kreuzten sich die Wege der beiden. Schmadtke — eigentlich als dritter Torhüter verpflichtet — wurde Ende 1998 Co-Trainer des damaligen Borussia-Coachs Rainer Bonhof, der kampfstarke Außenverteidiger Eberl kam im Januar 1999 aus Fürth zur Borussia.

„Der Max hat da immer auf der rechten Seite gestanden, und wenn das Spiel nach vorne lief, ist er immer hinten geblieben, das war aber auch gut für uns“, erinnert sich Schmadtke und lacht. „Nein, nein“, sagt er dann, „Max war ein Guter, ein ehrlicher Spieler, auf ihn konnten wir uns immer verlassen.“ Und auch der heutige Borussia-Manager hat gute Erinnerungen an seinen damaligen Vorgesetzten, „wir haben uns schnell gut verstanden“, sagt er. „Und das ist ja auch bis heute so geblieben.“

... die heutige Zusammenarbeit

Wenn Schmadtke heute über Eberl spricht, sagt er Sätze wie „Der Max ist ein guter Junge“, und wenn Eberl über Schmadtke spricht, sagt er etwa, dass er „dem Jörg sehr, sehr vertraue“. Und wer die beiden zusammen erlebt, merkt schnell, dass das keine hohlen Phrasen sind. Wie eng ist das Verhältnis denn wirklich? „Das ist schon relativ eng“, sagt Schmadtke.

„Ich habe nicht zu vielen Kollegen ein solches Verhältnis.“ Die beiden machen keinen Hehl daraus, dass sie einen guten Draht zueinander haben, sich austauschen, über das Fußballgeschäft reden, über Managerfragen. „Da holt man sich auch schon einmal einen Rat“, sagt Eberl. Ist das schon Freundschaft? „Es geht auf jeden Fall in diese Richtung“, sagt Schmadtke.

Eberl lächelt, er nickt. Und auch in einem anderen Punkt sind sich die beiden einig. Aufs Tagesgeschäft hat ihr gutes Verhältnis keine großen Auswirkungen, Schmadtke hat dafür ein plakatives Beispiel: „Wenn ich einen Spieler holen will, und Max hätte den auch gerne — dann sind wir genauso Konkurrenten“, sagt er.

... den Weg in den Manager-Bereich

Früher waren sie beide Profis, heute sind sie Manager, doch ihr Weg in ihre heutige Position könnte kaum unterschiedlicher sein. Eberl sagt, er habe früh gewusst, dass das etwas für ihn sei, die Arbeit im Management eines Fußballklubs. Sein Abitur machte er mit den Schwerpunkten Sport und Wirtschaft, er schloss ein Studium an.

Und als er 2002 das erste Mal gefragt wurde, ob er nach der Karriere nicht in die Jugendarbeit einsteigen wolle, war sein Weg vorgezeichnet. 2005 wurde Eberl Nachwuchskoordinator, „die Jugendarbeit war die beste Lehrzeit, die ich haben konnte“. Ende 2008 wurde er Manager der Borussia, „und ich hatte klare Ideen, wie man Gladbach wieder auf die Bahn bringen könnte.“

Bei Schmadtke, der BWL studiert hat, ist das ganz anders gelaufen, „bei mir ist das eher zufällig gewesen“, sagt er heute. Nach seiner Arbeit als Co-Trainer in Gladbach arbeitete er bei einem Unternehmen für Sportstättenbau — und bewarb sich 2001 auf eine Anzeige im „Kicker“, mit der Alemannia Aachen einen neuen Sportdirektor suchte.

„Mein Weg in den Manager-Bereich ist daraus entsprungen, dass man in Aachen einen Weg gegangen ist, den man in der Welt so vielleicht nicht wiederfindet“, sagt er. Schmadtke überzeugte die Alemannia-Verantwortlichen mit seinem Konzept, wurde 2001 Manager, blieb sieben Jahre. Danach arbeitete er in Hannover, bevor er 2013 nach Köln ging.

... heutige Anforderungen

Schmadtke ist ein alter Hase, das kann man nach 14 Jahren im Geschäft so schreiben. Und er sagt: „Natürlich haben sich die Arbeitsfelder eines Managers geändert.“ Früher habe er sich nur um den Sport gekümmert, heute sind die Meinungen der Manager auch beim Umgang mit Fans oder im Marketingbereich gefragt. „Das Spektrum ist größer geworden“, sagt Schmadtke.

Eberl ist zwar ein paar Jahre weniger dabei, sieht das aber ähnlich. „Das Geschäft wird immer schnelllebiger, mittlerweile musst du jede Woche erklären, ob die Tendenz des Klubs eher positiv oder negativ ist.“ Ob Einkaufspolitik oder Trainerarbeit — fast alles werde durchleuchtet. Ein wirkliches Problem seien die neuen Anforderungen nicht, „ich habe mich ja in der vergangenen Zeit auch weiterentwickelt, bin sicherer in gewissen Dingen geworden“, sagt Schmadtke.

Beide Manager wissen aber auch, dass sie in ihrer Position an Erfolgen gemessen werden, sie müssen liefern, und das möglichst schnell. „Du hast als Sportdirektor zwei Trainer Zeit — danach wird es auch für dich eng“, sagt Eberl.

… das Verhältnis Manager/Trainer

Es heißt, Manager und Trainer müssten ein vertrauensvolles Verhältnis haben, es müsse zwischen den beiden passen, damit es auch im Verein laufe. Bei Schmadtke und Köln-Coach Peter Stöger hat es „auf Anhieb sehr gut geklappt“, sagt der Manager. Und dabei haben die beiden gar nicht auf dem gewohnten Weg zueinandergefunden, Stöger war schon da, als Schmadtke kam.

Normalerweise, so ist das im Fußball-Geschäft, holt ja der Manager den Trainer. „Ich finde das nicht so entscheidend“, sagt Schmadtke. „Es ist ja unser Job, sich auf Menschen einzustellen.“ Schmadtke und Stöger sind beim FC so etwas wie ein Zeichen für einen Neustart, sie haben Kontinuität einkehren lassen, „vielleicht ist in Köln die Zeit für Typen wie Peter Stöger und mich reif gewesen“.

In Gladbach war das ein bisschen anders, Eberl hat Lucien Favre geholt, als die Borussia kurz vor dem Abstieg stand, er hatte dafür Kritik einstecken müssen. Am Ende aber ging sein Plan hervorragend auf, Favre hielt die Klasse und entwickelte Gladbach zu einem Champions-League-Aspiranten. „Dass das so sensationell klappen würde, konnte vorher keiner wissen“, sagt Eberl. „Für uns war das ein echter Glücksfall.“

Schmadtke und Stöger arbeiten in der zweiten Saison zusammen, am Samstag bilden Eberl und Favre auf den Tag genau seit vier Jahren ein Team. „Dass man einen Trainer hat, mit dem man langfristig zusammenarbeiten kann — das ist, glaube ich, der Wunsch eines jeden Sportdirektors“, sagt Gladbachs Manager. „Je länger man zusammenarbeitet, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass man nachhaltig erfolgreich ist.“

... Spielerbeobachtungen

Wenn Jörg Schmadtke an seine Anfangszeiten zurückdenkt, erinnert er sich auch daran, wie er auf den Tribünen unzähliger Stadien gehockt hat, alleine, nur, um einen Spieler zu beobachten. „Heute ist das undenkbar“, sagt er. Der weltweite Spielermarkt ist längst bekannt, „und ich muss mich auch gar nicht mehr groß bewegen“, sagt Schmadtke weiter. „Über das Internet kann ich fast jedes Spiel auf der ganzen Welt verfolgen.“

Spieler werden heutzutage aber nicht mehr nur an ihren fußballerischen Qualitäten gemessen, längst wird auch ihr privates Umfeld durchleuchtet. Verantwortlich dafür sind in erster Linie die Scouts der Vereine — und dieser Bereich ist in Gladbach und Köln noch so etwas wie ein Betriebsgeheimnis.

„Ein paar auf Honorarbasis, ein paar Festangestellte“, sagt Schmadtke lediglich auf die Frage, wie viele Scouts der FC denn weltweit beschäftige. Und Eberl sagt: „Der Scouting-Bereich ist der, der von den Medien und anderen Klubs am wenigsten durchdrungen ist.“ Und wenn man einen Spieler schon länger auf dem Schirm hat, früher mit ihm sprechen kann, „dann kann das ein sehr, sehr wichtiger Faktor sein.“

... das Leben mit „Experten“

Vereinsgrößen, Fans, Medien — die Liste derer, die gerne auf Manager einwirken würden, ließe sich sicher noch fortsetzen, es gibt eine ganze Fülle solcher „Experten“. Wie gehen Sie mit so etwas um, Herr Schmadtke? „Registrieren — immer“, sagt er. „Beeinflussen lassen — nie.“ Wenn er das machte, dann bräuchte man ihn auch nicht mehr.

Eberl hat da ein ähnliches Credo: Er müsse für seine Entscheidungen den Kopf hinhalten, und wenn die Entscheidung eine wäre, zu der er sich habe hinreißen lassen, „dann hätte ich mit mir selbst ein Problem“. Wie extrem der Versuch der Einflussnahme sein kann, hat der Manager 2011 selbst erlebt, Stefan Effenberg und die „Initiative Borussia“ wollten Strukturen verändern und das Führungspersonal stürzen.

... Heimstärke

„Zu Hause musst du gewinnen“ — diese Weisheit scheint fast genauso alt zu sein wie der Fußball selbst. Und genau deswegen ist seit Monaten vom Kölner „Heimfluch“ die Rede, nur acht Punkte hat der FC vor den eigenen Fans geholt, nur vier Tore geschossen, „zu wenig“, sagt auch Manager Schmadtke. Trotzdem haben die Kölner als Elfter fünf Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz — weil sie eben auswärts fleißig gepunktet haben.

Die Meinung, ein Klub müsse zu Hause eine Macht sein, sei „Denken von vorgestern“, sagt Schmadtke. „Die Dinge drehen sich.“ Auswärts habe ein Team eben viel größere Räume, „da tun sich viele Mannschaften einfach leichter“. Eberl sieht das ähnlich — obwohl sein Verein in der Heimtabelle guter Fünfter ist: „Zu Hause gewinnen, auswärts einen Punkt holen, um Meister zu werden — diesen Automatismus gibt es nicht mehr.“ Und: „Wo du die Punkte holst, ist doch vollkommen egal.“

... Wettbewerbsvorteile

In der Winterpause haben mehreren Vereine das große finanzielle Rad gedreht, Wolfsburg hat 32 Millionen Euro für André Schürrle berappt, Hamburg hat knappe 30 Millionen Euro geschenkt bekommen. Was das Budget angeht, da gehören Köln und auch Gladbach nicht zu den Großen der Liga. Kommt da Neid auf? „Das sind eben andere Bedingungen, das ist halt so“, sagt Schmadtke.

Und Eberl ist glücklich, dass da in Gladbach keiner ist, „der uns von links oder rechts reinquatscht“. Beim FC hat es oberste Priorität, die Schulden von rund 25 Millionen loszuwerden und danach Kapital aufzubauen, in Gladbach ist man froh, „gesund zu sein und Transfererlöse eins zu eins in die Mannschaft stecken zu können“, sagt Eberl.

... das Derby

Die Rivalität zwischen den beiden Klubs ist alt, und sie ist mit den Jahren kein bisschen kleiner geworden. „Wenn sich ein Spieler einmal für Köln oder Gladbach entschieden hat, dann ist es schwer vorstellbar, dass ein weiterer Transfer zum konkurrierenden Verein möglich ist“, sagt Eberl.

Am Samstag treffen die Klubs aufeinander,„und dass das Spiel nicht eins von 34 ist, das gibt die Geschichte schon her“, sagt Gladbachs Manager weiter. „Die Duelle mit Köln sind besonders.“ Das sieht natürlich auch Schmadtke so. „Am Ende wird es sicher ein Kampfspiel werden“, sagt er. „So wie Derbys eben häufig sind.“

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